Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung
Eine Persönlichkeitsstörung ist nach der ICD-11 der WHO eine deutliche Störung der Persönlichkeitsfunktion. Im Mittelpunkt stehen Schwierigkeiten im Erleben der eigenen Person, etwa mit Identität, Selbstwert und Selbststeuerung, und/oder in Beziehungen zu anderen.1 Zwischen Art und Ausmaß gibt es keine scharfe Grenze; Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie von unauffällig bis schwer beschreiben.2
Dieser Beitrag erklärt, wie Persönlichkeitsstörungen heute eingeteilt werden, welche Formen es gibt, wie häufig sie sind, wie sie verlaufen, wovon sie abzugrenzen sind und welche Behandlungen wissenschaftlich untersucht sind. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose.
- 56 Quellen, u. a. aus The Lancet, JAMA Psychiatry, American Journal of Psychiatry, World Psychiatry
- Belegte Aussagen mit Fußnote, Einordnung getrennt
- Stand 05.10.2026
Akute Krise oder Gedanken an Selbsttötung? Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112. TelefonSeelsorge kostenfrei: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstunden: 116 117. Mehr im Abschnitt „Krise und Notfall“ (Stand 5. Oktober 2026).3,4
Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick
- Die ICD-11 beschreibt keine zehn Einzeldiagnosen mehr, sondern einen Schweregrad und fünf Merkmalsbereiche.5 Das amerikanische DSM-5-TR unterscheidet weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6 Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
- Auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen verändern sich: In einer Langzeitstudie mit stationär aufgenommenen Menschen erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission).7 Verlauf
- Psychotherapie verringert nach einem Cochrane-Review die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung.8 Psychotherapie
- Für kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9 Medikamente
- Eine Persönlichkeitsstörung lässt sich nicht mit einem Online-Test feststellen. Die Diagnose stellen Fachleute in einem ausführlichen Gespräch. Diagnostik
Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Krankheitsbild ohne Stigma
Für Betroffene und Angehörige
Jeder Mensch hat eine eigene Art zu denken, zu fühlen und mit anderen umzugehen. Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man nach der amerikanischen Psychiatrievereinigung erst, wenn solche Muster lange anhalten, deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens.6 Persönlichkeitszüge sind kein Makel. Die Merkmalsbereiche der ICD-11 gehen fließend in normale Eigenschaften über; sie sind Dimensionen und keine eigenen Diagnosen.1 Ausgeprägte Züge, die nur zeitweise oder schwach auftreten, gelten in der ICD-11 als Persönlichkeitsauffälligkeit und ausdrücklich nicht als psychische Störung.1
Fachlicher Hintergrund
Ein Grund für die Neuordnung in der ICD-11 war, dass Persönlichkeitsstörungen nach der ICD-10 im Vergleich zu ihrer Häufigkeit deutlich zu selten diagnostiziert wurden; von den zehn Einzeldiagnosen wurden nur zwei häufiger dokumentiert.5
Kategorien und Dimensionen schließen sich in der Praxis nicht aus: In einer Studie mit 305 ambulanten Patientinnen und Patienten und 302 im Screening auffälligen Personen aus der Bevölkerung, die nicht in Behandlung waren, erkannte das alternative dimensionale DSM-5-Modell insgesamt ähnlich viele und weitgehend dieselben Menschen mit Persönlichkeitsstörung wie das kategoriale Modell.10 Für einzelne Persönlichkeitsstörungen stimmten die beiden Modelle allerdings nur unterschiedlich gut überein.10
Das alternative Modell beschreibt die Persönlichkeitsfunktion in vier Bereichen: Identität und Selbststeuerung sowie Empathie und Nähe. Eine deutsche S3-Leitlinie zu schweren Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionen stellt genau diese Funktionen in den Mittelpunkt.11


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Kategorien oder Kontinuum?
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Persönlichkeitszüge sind kein Makel. Zwischen unauffällig und schwer gibt es keine scharfe Grenze; Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie beschreiben. Das amerikanische DSM-5-TR unterscheidet dagegen weiterhin zehn Persönlichkeitsstörungen in den Clustern A, B und C. Die genetischen Risikofaktoren folgen dieser Einteilung nicht. Ein alternatives Modell betrachtet Identität, Selbststeuerung, Empathie und Nähe. In einer Studie erkannte es weitgehend dieselben Menschen wie das kategoriale Modell. Bei einzelnen Störungen stimmten beide unterschiedlich gut überein.1,2,6,10,11,12,13,14,15
Wie hängen Merkmale, Abgrenzungen, Behandlungen und Studien zusammen?
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Klassifikation
Formen und Merkmale
Form (Muster, keine Person)
Merkmal
Abgrenzung und Begleiterkrankungen
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Neurologische oder körperliche Ursache
Behandlung
Studien
So lesen
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Klassifikation
ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereiche
Die ICD-11 stuft zuerst den Schweregrad ein. Leicht: Es gibt Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben aber erhalten. Mittelgradig: deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen sind eingeschränkt. Schwer: nahezu alle Beziehungen sind ernsthaft beeinträchtigt.1
Die ICD-11 beschreibt keine zehn Einzeldiagnosen mehr, sondern einen Schweregrad und fünf Merkmalsbereiche.5
Verbindungen
Zum Abschnitt „Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR“
Klassifikation
Borderline-Muster (ICD-11)
Zusätzlich kann ein Borderline-Muster vermerkt werden, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen vorliegen; sie entsprechen weitgehend den DSM-5-Kriterien. Das Borderline-Muster ist ein Zusatzmerkmal, keine eigene Diagnose.16
Verbindungen
Zum Abschnitt „Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR“
Klassifikation
DSM-5-TR: 10 Kategorien, Cluster A/B/C
Das amerikanische DSM-5-TR unterscheidet weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6
Zum „dramatischen“ Cluster B gehören antisoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung.13
Im DSM bilden paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung das Cluster A; die Anfälligkeit dafür war in einer norwegischen Zwillingsstudie hoch erblich.12
Zu Cluster C zählen unter anderem die vermeidend-selbstunsichere und die dependente Persönlichkeitsstörung. Die genetischen Risikofaktoren folgen allerdings nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C.14
Verbindungen
Zum Abschnitt „Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR“
Klassifikation
Alternatives DSM-5-Modell
Ein alternatives, dimensional-kategoriales Modell steht im DSM-5 nicht im Hauptteil, sondern als Forschungsmodell in Abschnitt III.15
Das alternative Modell beschreibt die Persönlichkeitsfunktion in vier Bereichen: Identität und Selbststeuerung sowie Empathie und Nähe. Eine deutsche S3-Leitlinie zu schweren Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionen stellt genau diese Funktionen in den Mittelpunkt.11
Verbindungen
- eingeordnet in 15
Zum Abschnitt „Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR“
Klassifikation
Persönlichkeitsauffälligkeit (keine Störung)
Ausgeprägte Züge, die nur zeitweise oder schwach auftreten, gelten in der ICD-11 als Persönlichkeitsauffälligkeit und ausdrücklich nicht als psychische Störung.1
Verbindungen
- eingeordnet in 1
Zum Abschnitt „Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Krankheitsbild ohne Stigma“
Merkmal
Affektive Instabilität
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Verbindungen
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Merkmal
Impulsivität
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19
Verbindungen
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Merkmal
Instabiles Selbstbild
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Verbindungen
- Merkmal von 16
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Merkmal
Selbstverletzung, Suizidalität
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist das Suizidrisiko erhöht: Eine Meta-Analyse fand über Nachbeobachtungszeiten von 5 bis 14 Jahren Suizidraten von 2 bis 5 Prozent. Diese Gruppenwerte erlauben keine Vorhersage für einzelne Menschen. Hilfe in akuten Krisen finden Sie im Abschnitt „Krise und Notfall“.16
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
Verbindungen
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Merkmal
Chronische Leere, Verlassenheitsangst
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Verbindungen
- Merkmal von 16
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Merkmal
Misstrauen, Kränkbarkeit
Die paranoide Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Kränkbarkeit bei Zurückweisung, im Nachtragen von Kränkungen und in Misstrauen; die schizoide im Rückzug von Kontakten und in einem begrenzten Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.21
Verbindungen
- abzugrenzen von 1
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Merkmal
Rückzug, Angst vor Kritik
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21
Verbindungen
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Merkmal
Perfektionismus, Kontrolle
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21
Dissozialität meint die Missachtung der Rechte und Gefühle anderer, Anankasmus einen engen Fokus auf starre Maßstäbe von Perfektion und von Richtig und Falsch.1
Verbindungen
- Merkmal von 21
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Form (Muster, keine Person)
Borderline / emotional instabil
Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung der ICD-10 kennt einen impulsiven Typ und einen Borderline-Typ. Beim Borderline-Typ kommen Störungen des Selbstbildes, chronische Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten hinzu.21
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16
Verbindungen
- eingeordnet in 16
- eingeordnet in 13
- zeigt sich in 16
- zeigt sich in 16
- zeigt sich in 16
- zeigt sich in 16
- zeigt sich in 16
- kann gemeinsam auftreten mit 22
- abzugrenzen von 1
- kann gemeinsam auftreten mit 19
- abzugrenzen von 1
- untersuchte Behandlung 19
- untersuchte Behandlung 19
- untersuchte Behandlung 23
- untersuchte Behandlung 24
- untersuchte Behandlung 25
- untersuchte Behandlung 19
- untersucht ohne gesicherte Wirkung 9,19
- untersucht in 7
Zum Abschnitt „Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick“
Form (Muster, keine Person)
Ängstlich-vermeidend
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21
Verbindungen
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Form (Muster, keine Person)
Anankastisch (zwanghaft)
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21
Verbindungen
- zeigt sich in 21
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Form (Muster, keine Person)
Narzisstisch
Fachlich werden ein grandioser und ein verletzlicher Narzissmus unterschieden. Das DSM-5 beschreibt die narzisstische Persönlichkeitsstörung nur über grandiose Merkmale; der grandiose Narzissmus ist im klinischen Alltag eher selten. In der ICD-11 lässt sich verletzlicher Narzissmus über das dimensionale Konzept abbilden.28
Verbindungen
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Form (Muster, keine Person)
Antisozial / dissozial
Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist durch Missachtung sozialer Verpflichtungen, geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives Verhalten gekennzeichnet; die histrionische durch oberflächliche, wechselhafte Gefühle, Dramatisierung und den Wunsch nach Anerkennung.21
Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29
Verbindungen
- untersucht ohne gesicherte Wirkung 30
Zum Abschnitt „Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Bipolare Störung
Stimmungsschwankungen sind ein gutes Beispiel: Bei einer bipolaren Störung kommen sie in abgegrenzten Phasen, bei einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung häufig und als Reaktion auf Ereignisse, oft in Beziehungen.18
Eine Persönlichkeitsstörung umfasst keine depressiven, hypomanen, manischen oder gemischten Episoden; Persönlichkeitsmerkmale sollen außerhalb einer Stimmungsepisode beurteilt werden.1
Beides kann gleichzeitig vorliegen: Unter 517 ambulanten Patientinnen und Patienten hatten 59 sowohl eine Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch eine bipolare Störung. Sie hatten mehr Begleiterkrankungen, Suizidversuche und Klinikaufenthalte als Menschen mit nur einer der beiden Störungen.22
Verbindungen
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Erwachsenen-ADHS
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19
ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung von einer Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägter Enthemmung schwierig sein.1
Verbindungen
- abzugrenzen von 19
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Komplexe PTBS
Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1
Verbindungen
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Autismus-Spektrum
Bei Autismus-Spektrum-Störungen entstehen ähnlich wirkende Beziehungsprobleme aus eingeschränkter sozialer Kommunikation und Gegenseitigkeit.1
Verbindungen
- abzugrenzen von 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Soziale Angststörung
Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung teilten in einer norwegischen Zwillingsstudie mit 1.427 weiblichen Zwillingspaaren dieselben genetischen Einflüsse; welche der beiden sich entwickelte, hing von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26
Verbindungen
- teilt genetische Einflüsse mit 26
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Substanzerkrankung
Erklären sich die Persönlichkeitsprobleme vollständig durch eine Substanzerkrankung, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1
Verbindungen
- abzugrenzen von 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1
Die ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32
Verbindungen
- abzugrenzen von 1
- abzugrenzen von 1
- umfasst 32
- mögliche Ursache 1
- mögliche Ursache 1
- mögliche Ursache 1
- mögliche Ursache 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Demenz
Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1
Verbindungen
- abzugrenzen von 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Schizotype Störung (Schizophrenie-Spektrum)
In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
Verbindungen
- eingeordnet in 17
Zum Abschnitt „Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR“
Abgrenzung oder Begleiterkrankung
Depression und Angst (Komorbidität)
Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen. Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19
Verbindungen
- kann gemeinsam auftreten mit 19
Zum Abschnitt „Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen? Epidemiologie“
Neurologische oder körperliche Ursache
Multiple Sklerose
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Verbindungen
- mögliche Ursache für 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Neurologische oder körperliche Ursache
Schlaganfall
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Verbindungen
- mögliche Ursache für 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Neurologische oder körperliche Ursache
Epileptische Anfälle
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Verbindungen
- mögliche Ursache für 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Neurologische oder körperliche Ursache
Schilddrüsenerkrankungen
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Verbindungen
- mögliche Ursache für 1
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Neurologische oder körperliche Ursache
Frontalhirnsyndrom
Die ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32
Verbindungen
- gehört zu 32
Zum Abschnitt „Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Behandlung
Dialektisch-Behaviorale Therapie
Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Nach der deutschen S3-Leitlinie sollen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung eine strukturierte, störungsspezifische Psychotherapie erhalten; steht die Verringerung schwerer Selbstverletzungen im Vordergrund, soll Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) angeboten werden.19,33
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Verfahren. In der ersten randomisierten Studie hatten Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und wiederholter Selbstverletzung unter einem Jahr DBT seltener und weniger schwere selbstschädigende Handlungen und weniger Klinikaufenthaltstage als unter üblicher Behandlung.34
In einer Folgestudie mit 101 Frauen war unter DBT das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch wie unter Behandlung durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen. Die Behandlung dauerte ein Jahr, die Nachbeobachtung ein weiteres. Therapieabbrüche waren unter DBT seltener.35
Verbindungen
- untersucht bei 19
- untersucht in 34
- untersucht in 35
- untersucht in 25
- untersucht in 24
- untersucht in 36
- untersucht in 37
- untersucht in 8
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Mentalisierungsbasierte Therapie
Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Nach der deutschen S3-Leitlinie sollen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung eine strukturierte, störungsspezifische Psychotherapie erhalten; steht die Verringerung schwerer Selbstverletzungen im Vordergrund, soll Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) angeboten werden.19,33
Die Mentalisierungsbasierte Therapie stammt aus der psychoanalytischen Tradition: In der ersten Studie mit 38 Patientinnen und Patienten war eine psychoanalytisch orientierte Tagesklinikbehandlung über bis zu 18 Monate der psychiatrischen Standardversorgung überlegen. Die Gruppe war klein, die Autoren forderten eine Wiederholung mit mehr Teilnehmenden.38
In einer ambulanten Studie mit 134 Patientinnen und Patienten besserten sich unter 18 Monaten MBT und unter strukturiertem klinischem Management beide Gruppen deutlich; unter MBT gingen Suizidversuche und Klinikaufenthalte stärker zurück.39
Verbindungen
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Schematherapie
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23
In einer internationalen Studie mit 495 Teilnehmenden in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland, war Schematherapie in kombinierter Einzel- und Gruppenform über zwei Jahre der optimierten Standardbehandlung überlegen, die überwiegend in Gruppen durchgeführte Form dagegen nicht signifikant. Der Effekt der kombinierten Form lag bei Cohen d 1,14 (Konfidenzintervall 0,57 bis 1,71).40
Verbindungen
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Übertragungsfokussierte Psychotherapie
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23
Eine Studie mit 90 Patientinnen und Patienten verglich ein Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT und supportive Therapie. In allen drei Gruppen besserten sich Depression, Angst und Funktionsniveau; TFP und DBT gingen mit weniger Suizidalität einher.24
Verbindungen
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Strukturiertes psychiatrisches Management
Strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management wurde in einer kanadischen Studie mit 180 Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren hatten, über ein Jahr mit DBT verglichen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25
Verbindungen
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Psychoedukation
Psychoedukation, also strukturierte Information über die Erkrankung, soll nach der deutschen Leitlinie Bestandteil der Therapie sein. Die Therapie sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten und möglichst eine Sitzung pro Woche nicht unterschreiten.19
Verbindungen
- untersucht bei 19
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Behandlung
Krisenplan
Fachleuten empfiehlt die britische Leitlinie in Krisen eine ruhige, nicht bedrohliche Haltung und einen gemeinsam erstellten Krisenplan.20
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
Verbindungen
- untersucht bei 20
Behandlung
Medikamente (keine Zulassung, Off-Label)
In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19
Für kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9
Verbindungen
- untersucht ohne gesicherte Wirkung bei 9,19
- untersucht ohne gesicherte Wirkung bei 30
- untersucht in 42
- untersucht in 9
Zum Abschnitt „Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen und ihre begrenzte Evidenz“
Behandlung
DBT-PTBS
Bei 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien, behandelt an drei deutschen Hochschulambulanzen, wirkten DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie; DBT-PTBS war leicht überlegen (d = 0,33). Unter den Autorinnen und Autoren sind Vertreter beider Verfahren.31
Verbindungen
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Behandlung
Psychodynamische Kurzzeittherapie / kognitive Therapie (Cluster C)
Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen gibt es Studien: Bei 50 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen wirkten 40 Sitzungen psychodynamische Kurzzeittherapie und kognitive Therapie ohne signifikanten Unterschied; zwei Jahre später waren 54 beziehungsweise 42 Prozent symptomatisch genesen.27
Verbindungen
Zum Abschnitt „Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie“
Studie
Linehan 1991
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Verfahren. In der ersten randomisierten Studie hatten Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und wiederholter Selbstverletzung unter einem Jahr DBT seltener und weniger schwere selbstschädigende Handlungen und weniger Klinikaufenthaltstage als unter üblicher Behandlung.34
Verbindungen
- Studie zu 34
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Linehan 2006
In einer Folgestudie mit 101 Frauen war unter DBT das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch wie unter Behandlung durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen. Die Behandlung dauerte ein Jahr, die Nachbeobachtung ein weiteres. Therapieabbrüche waren unter DBT seltener.35
Verbindungen
- Studie zu 35
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
McMain 2009
Strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management wurde in einer kanadischen Studie mit 180 Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren hatten, über ein Jahr mit DBT verglichen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25
Verbindungen
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Bateman & Fonagy 1999/2008
Die Mentalisierungsbasierte Therapie stammt aus der psychoanalytischen Tradition: In der ersten Studie mit 38 Patientinnen und Patienten war eine psychoanalytisch orientierte Tagesklinikbehandlung über bis zu 18 Monate der psychiatrischen Standardversorgung überlegen. Die Gruppe war klein, die Autoren forderten eine Wiederholung mit mehr Teilnehmenden.38
Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome: Auch acht Jahre nach Beginn einer Studie zur Mentalisierungsbasierten Therapie blieb es eingeschränkt, trotz anhaltender Vorteile bei Suizidalität und Diagnosestatus.43
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- Studie zu 38
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Bateman & Fonagy 2009
In einer ambulanten Studie mit 134 Patientinnen und Patienten besserten sich unter 18 Monaten MBT und unter strukturiertem klinischem Management beide Gruppen deutlich; unter MBT gingen Suizidversuche und Klinikaufenthalte stärker zurück.39
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- Studie zu 39
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Giesen-Bloo 2006
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23
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Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Clarkin 2007
Eine Studie mit 90 Patientinnen und Patienten verglich ein Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT und supportive Therapie. In allen drei Gruppen besserten sich Depression, Angst und Funktionsniveau; TFP und DBT gingen mit weniger Suizidalität einher.24
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Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Arntz 2022
In einer internationalen Studie mit 495 Teilnehmenden in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland, war Schematherapie in kombinierter Einzel- und Gruppenform über zwei Jahre der optimierten Standardbehandlung überlegen, die überwiegend in Gruppen durchgeführte Form dagegen nicht signifikant. Der Effekt der kombinierten Form lag bei Cohen d 1,14 (Konfidenzintervall 0,57 bis 1,71).40
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- Studie zu 40
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
BOOTS 2026
Die BOOTS-Studie mit 204 Teilnehmenden in 9 niederländischen Zentren fand zwischen DBT und Schematherapie über drei Jahre keinen signifikanten Unterschied; beide gingen mit deutlichen Verbesserungen einher. Nach zwei Jahren hatten 52 Prozent die DBT und 46 Prozent die Schematherapie abgebrochen. Der Unterschied lag bei Cohen d 0,15 (Konfidenzintervall −0,17 bis 0,47); die Studie war nicht darauf angelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.36
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Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
McCauley 2018
Bei 173 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko, nicht zwingend mit Borderline-Diagnose, senkte DBT im Vergleich zu supportiver Einzel- und Gruppentherapie Suizidversuche und Selbstverletzungen nach sechs Monaten (Quotenverhältnis für Suizidversuche 0,30); nach zwölf Monaten war der Vorteil nicht mehr signifikant.37
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- Studie zu 37
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Bohus 2020
Bei 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien, behandelt an drei deutschen Hochschulambulanzen, wirkten DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie; DBT-PTBS war leicht überlegen (d = 0,33). Unter den Autorinnen und Autoren sind Vertreter beider Verfahren.31
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- Studie zu 31
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
LABILE 2018
In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42
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- Studie zu 42
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Cochrane 2020/2022
Psychotherapie verringert nach einem Cochrane-Review die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung.8
Für kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9
Zur Geschichte Wirkung und Dosis
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Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
McLean / CLPS
Auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen verändern sich: In einer Langzeitstudie mit stationär aufgenommenen Menschen erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission).7
In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate). So definiert remittierten 85 Prozent der 175 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung innerhalb von zehn Jahren, 12 Prozent erlitten einen Rückfall. Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44
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- Studie zu 7
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Svartberg 2004
Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen gibt es Studien: Bei 50 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen wirkten 40 Sitzungen psychodynamische Kurzzeittherapie und kognitive Therapie ohne signifikanten Unterschied; zwei Jahre später waren 54 beziehungsweise 42 Prozent symptomatisch genesen.27
Zur Quellenangabe27
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- Studie zu 27
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Studie
Bamelis 2014
In einer Studie mit 323 Menschen mit Cluster-C-, paranoider, histrionischer oder narzisstischer Persönlichkeitsstörung in 12 niederländischen Einrichtungen erholten sich nach Schematherapie mehr Teilnehmende als nach üblicher Behandlung oder klärungsorientierter Psychotherapie; die Unterschiede zeigten sich in Interviews, nicht in Selbstauskünften.41
Zur Quellenangabe41
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- Studie zu 41
Zum Abschnitt „Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen“
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
- Klassifikation
- Form oder Merkmal
- Abgrenzung
- körperliche Ursache
- Behandlung
- Studie
- ohne gesicherte Wirkung
KernsatzViele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen.
Alle 60 Verbindungen als Tabelle
| Von | Beziehung | Nach | Beleg |
|---|---|---|---|
| ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereiche | ordnet ein | Borderline-Muster (ICD-11) | 16 |
| ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereiche | ordnet ein | Persönlichkeitsauffälligkeit (keine Störung) | 1 |
| DSM-5-TR: 10 Kategorien, Cluster A/B/C | ordnet ein | Alternatives DSM-5-Modell | 15 |
| Borderline-Muster (ICD-11) | ordnet ein | Borderline / emotional instabil | 16 |
| DSM-5-TR: 10 Kategorien, Cluster A/B/C | ordnet ein | Borderline / emotional instabil | 13 |
| ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereiche | ordnet ein | Schizotype Störung (Schizophrenie-Spektrum) | 17 |
| Borderline / emotional instabil | zeigt sich in | Affektive Instabilität | 16 |
| Borderline / emotional instabil | zeigt sich in | Impulsivität | 16 |
| Borderline / emotional instabil | zeigt sich in | Instabiles Selbstbild | 16 |
| Borderline / emotional instabil | zeigt sich in | Selbstverletzung, Suizidalität | 16 |
| Borderline / emotional instabil | zeigt sich in | Chronische Leere, Verlassenheitsangst | 16 |
| Ängstlich-vermeidend | zeigt sich in | Rückzug, Angst vor Kritik | 21 |
| Anankastisch (zwanghaft) | zeigt sich in | Perfektionismus, Kontrolle | 21 |
| Affektive Instabilität | abzugrenzen von | Bipolare Störung | 18 |
| Borderline / emotional instabil | kann gemeinsam auftreten mit | Bipolare Störung | 22 |
| Impulsivität | abzugrenzen von | Erwachsenen-ADHS | 19 |
| Borderline / emotional instabil | abzugrenzen von | Komplexe PTBS | 1 |
| Rückzug, Angst vor Kritik | abzugrenzen von | Autismus-Spektrum | 1 |
| Ängstlich-vermeidend | teilt genetische Einflüsse mit | Soziale Angststörung | 26 |
| Borderline / emotional instabil | kann gemeinsam auftreten mit | Depression und Angst (Komorbidität) | 19 |
| Borderline / emotional instabil | abzugrenzen von | Substanzerkrankung | 1 |
| Misstrauen, Kränkbarkeit | abzugrenzen von | Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | 1 |
| Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | abzugrenzen von | Demenz | 1 |
| Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | umfasst | Frontalhirnsyndrom | 32 |
| Multiple Sklerose | mögliche Ursache für | Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | 1 |
| Schlaganfall | mögliche Ursache für | Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | 1 |
| Epileptische Anfälle | mögliche Ursache für | Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | 1 |
| Schilddrüsenerkrankungen | mögliche Ursache für | Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung | 1 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Dialektisch-Behaviorale Therapie | 19 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Mentalisierungsbasierte Therapie | 19 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Schematherapie | 23 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Übertragungsfokussierte Psychotherapie | 24 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Strukturiertes psychiatrisches Management | 25 |
| Borderline / emotional instabil | untersuchte Behandlung | Psychoedukation | 19 |
| Selbstverletzung, Suizidalität | untersuchte Behandlung | Krisenplan | 20 |
| Komplexe PTBS | untersuchte Behandlung | DBT-PTBS | 31 |
| Ängstlich-vermeidend | untersuchte Behandlung | Psychodynamische Kurzzeittherapie / kognitive Therapie (Cluster C) | 27 |
| Borderline / emotional instabil | untersucht ohne gesicherte Wirkung | Medikamente (keine Zulassung, Off-Label) | 9,19 |
| Antisozial / dissozial | untersucht ohne gesicherte Wirkung | Medikamente (keine Zulassung, Off-Label) | 30 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | Linehan 1991 | 34 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | Linehan 2006 | 35 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | McMain 2009 | 25 |
| Strukturiertes psychiatrisches Management | untersucht in | McMain 2009 | 25 |
| Mentalisierungsbasierte Therapie | untersucht in | Bateman & Fonagy 1999/2008 | 38 |
| Mentalisierungsbasierte Therapie | untersucht in | Bateman & Fonagy 2009 | 39 |
| Schematherapie | untersucht in | Giesen-Bloo 2006 | 23 |
| Übertragungsfokussierte Psychotherapie | untersucht in | Giesen-Bloo 2006 | 23 |
| Übertragungsfokussierte Psychotherapie | untersucht in | Clarkin 2007 | 24 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | Clarkin 2007 | 24 |
| Schematherapie | untersucht in | Arntz 2022 | 40 |
| Schematherapie | untersucht in | BOOTS 2026 | 36 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | BOOTS 2026 | 36 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | McCauley 2018 | 37 |
| DBT-PTBS | untersucht in | Bohus 2020 | 31 |
| Medikamente (keine Zulassung, Off-Label) | untersucht in | LABILE 2018 | 42 |
| Medikamente (keine Zulassung, Off-Label) | untersucht in | Cochrane 2020/2022 | 9 |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | untersucht in | Cochrane 2020/2022 | 8 |
| Borderline / emotional instabil | untersucht in | McLean / CLPS | 7 |
| Psychodynamische Kurzzeittherapie / kognitive Therapie (Cluster C) | untersucht in | Svartberg 2004 | 27 |
| Schematherapie | untersucht in | Bamelis 2014 | 41 |
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPT (federführend) et al. · AWMF S3-Leitlinie LL-SBPF (134-001) 202411; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5) 201315; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; Wilfer T et al. · Der Nervenarzt 202428; Bohus M et al. · The Lancet 202133; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200843; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 199134; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 199938; Giesen-Bloo J et al. · Archives of General Psychiatry 200623; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Svartberg M et al. · American Journal of Psychiatry 200427; Bamelis LL et al. · American Journal of Psychiatry 201441; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 200635; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200939; Arntz A et al. · JAMA Psychiatry 202240; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; Clarkin JF et al. · American Journal of Psychiatry 200724; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Khalifa NR et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202030
Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR
ICD-11 der WHO: dimensional
ICD-11: erst der Schweregrad
Die ICD-11 stuft zuerst den Schweregrad ein. Leicht: Es gibt Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben aber erhalten. Mittelgradig: deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen sind eingeschränkt. Schwer: nahezu alle Beziehungen sind ernsthaft beeinträchtigt.1
ICD-11: fünf Merkmalsbereiche
Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus.5 Negative Affektivität meint die Neigung, viele belastende Gefühle zu erleben; Distanziertheit die Neigung, Abstand zu anderen zu halten; Enthemmung die Neigung, auf unmittelbare Reize hin zu handeln, ohne längerfristige Folgen zu bedenken.17
Die fünf Bereiche im Wortlaut
Dissozialität meint die Missachtung der Rechte und Gefühle anderer, Anankasmus einen engen Fokus auf starre Maßstäbe von Perfektion und von Richtig und Falsch.1
ICD-11: Borderline-Muster
Zusätzlich kann ein Borderline-Muster vermerkt werden, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen vorliegen; sie entsprechen weitgehend den DSM-5-Kriterien. Das Borderline-Muster ist ein Zusatzmerkmal, keine eigene Diagnose.16
DSM-5-TR und ICD-10: Kategorien
DSM-5-TR und ICD-10: Kategorien und Cluster
Das DSM-5-TR der amerikanischen Psychiatrievereinigung beschreibt weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6 Im DSM bilden paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung das Cluster A; die Anfälligkeit dafür war in einer norwegischen Zwillingsstudie hoch erblich.12 Zum „dramatischen“ Cluster B gehören antisoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung.13 Zu Cluster C zählen unter anderem die vermeidend-selbstunsichere und die dependente Persönlichkeitsstörung. Die genetischen Risikofaktoren folgen allerdings nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C.14
In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
Das alternative DSM-5-Modell
Ein alternatives, dimensional-kategoriales Modell steht im DSM-5 nicht im Hauptteil, sondern als Forschungsmodell in Abschnitt III.15
Studiendetails
Für die Borderline-Persönlichkeitsstörung verlangt das alternative Modell mindestens eine mittelgradige Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktion und mindestens vier von sieben problematischen Zügen: emotionale Labilität, Ängstlichkeit, Trennungsunsicherheit, Depressivität, Impulsivität, Risikobereitschaft und Feindseligkeit. Mindestens einer davon muss Impulsivität, Risikobereitschaft oder Feindseligkeit sein.16


ICD-11 und DSM-5-TR: zwei Arten, Persönlichkeitsstörungen einzuteilen
Links interaktiv die ICD-11: Schweregrad mit dem Regler wählen, Merkmalsbereiche als Dimensionen antippen, das Borderline-Muster als Zusatz. Rechts die zehn Kategorien des DSM-5-TR in den Clustern A, B und C.
Zwei getrennte Klassifikationen: links die ICD-11 der WHO, rechts das amerikanische DSM-5-TR mit den Kategorien, die auch die ICD-10 kennt. Die Grafik stellt sie nebeneinander, rechnet sie aber nicht ineinander um. Sie beschreibt Muster, keine Menschen.
ICD-11 der WHO · dimensional
Erst der Schweregrad, dann die Merkmalsbereiche
Die ICD-11 beschreibt keine zehn Einzeldiagnosen mehr, sondern einen Schweregrad und fünf Merkmalsbereiche.5
Schritt 1 · Gibt es eine Störung der Persönlichkeitsfunktion, und wie schwer ist sie?
Eine Persönlichkeitsstörung ist nach der ICD-11 der WHO eine deutliche Störung der Persönlichkeitsfunktion.1 Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie von unauffällig bis schwer beschreiben.2
Persönlichkeitsauffälligkeit keine Störung
Ausgeprägte Züge, die nur zeitweise oder schwach auftreten, gelten in der ICD-11 als Persönlichkeitsauffälligkeit und ausdrücklich nicht als psychische Störung.1
leicht Persönlichkeitsstörung
Leicht: Es gibt Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben aber erhalten.1
mittelgradig Persönlichkeitsstörung
Mittelgradig: deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen sind eingeschränkt.1
schwer Persönlichkeitsstörung
Schwer: nahezu alle Beziehungen sind ernsthaft beeinträchtigt.1
Leicht: Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten.
Die Linie zeigt keine Messwerte; sie ordnet nur die Beschreibungen der WHO an.
Schritt 2 · Welche Merkmalsbereiche prägen das Bild?
Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus.5
So lesen
Jeder Balken ist eine Dimension von der normalen Ausprägung bis zur starken Ausprägung, ohne Messwerte. Einen Bereich antippen, um die Beschreibung der WHO zu lesen.
Persönlichkeitszüge sind kein Makel.1
Merkmalsbereich der ICD-11
Negative Affektivität
Negative Affektivität meint die Neigung, viele belastende Gefühle zu erleben17.
Die Merkmalsbereiche der ICD-11 gehen fließend in normale Eigenschaften über; sie sind Dimensionen und keine eigenen Diagnosen.1
Merkmalsbereich der ICD-11
Distanziertheit
Distanziertheit die Neigung, Abstand zu anderen zu halten17.
Die Merkmalsbereiche der ICD-11 gehen fließend in normale Eigenschaften über; sie sind Dimensionen und keine eigenen Diagnosen.1
Merkmalsbereich der ICD-11
Dissozialität
Dissozialität meint die Missachtung der Rechte und Gefühle anderer1.
Die Merkmalsbereiche der ICD-11 gehen fließend in normale Eigenschaften über; sie sind Dimensionen und keine eigenen Diagnosen.1
Schritt 3 · Optional: Borderline-Muster
Zusätzlich kann ein Borderline-Muster vermerkt werden, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen vorliegen; sie entsprechen weitgehend den DSM-5-Kriterien.16
- 1instabiles Selbstbild
- 2instabile Beziehungen
- 3instabile Gefühle
- 4Impulsivität
- 5heftige Wut
- 6Gefühle der Leere
- 7starke Verlassenheitsängste
- 8suizidales oder selbstverletzendes Verhalten
- 9unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome
Merkmale gekürzt nach einer Übersichtsarbeit16. Das Borderline-Muster ist ein Zusatzmerkmal, keine eigene Diagnose.16
DSM-5-TR und ICD-10 · kategorial
Zehn Kategorien in drei Clustern
Das DSM-5-TR der amerikanischen Psychiatrievereinigung beschreibt weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6
ACluster A
Im DSM bilden paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung das Cluster A12
BCluster B
Zum „dramatischen“ Cluster B gehören antisoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung.13
CCluster C
Zu Cluster C zählen unter anderem die vermeidend-selbstunsichere und die dependente Persönlichkeitsstörung.14
So lesen
Sie beschreiben Muster, die Leiden oder Einschränkungen verursachen, und keine Menschen. Eine Kategorie antippen, um die belegte Beschreibung zu lesen.
DSM-5-TR Cluster A · Beschreibung nach ICD-10-GM
Paranoid
Die paranoide Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Kränkbarkeit bei Zurückweisung, im Nachtragen von Kränkungen und in Misstrauen21
DSM-5-TR Cluster A · Beschreibung nach ICD-10-GM
Schizoid
die schizoide im Rückzug von Kontakten und in einem begrenzten Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.21
Kurzform in der Tabelle: Rückzug, wenig Gefühlsausdruck12,21
DSM-5-TR Cluster A · Beschreibung nach ICD-10-GM
Schizotypisch
In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
Kurzform in der Tabelle: in der ICD-11 Schizophrenie-Spektrum12,17
DSM-5-TR Cluster B · Beschreibung nach ICD-10-GM
Antisozial (ICD-10: dissozial)
Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist durch Missachtung sozialer Verpflichtungen, geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives Verhalten gekennzeichnet21
Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29
Kurzform in der Tabelle: Missachtung sozialer Verpflichtungen13,21
DSM-5-TR Cluster B · Beschreibung nach ICD-10-GM
Borderline (ICD-10: emotional instabil)
Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung der ICD-10 kennt einen impulsiven Typ und einen Borderline-Typ. Beim Borderline-Typ kommen Störungen des Selbstbildes, chronische Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten hinzu.21
DSM-5-TR Cluster B · Beschreibung nach ICD-10-GM
Histrionisch
die histrionische durch oberflächliche, wechselhafte Gefühle, Dramatisierung und den Wunsch nach Anerkennung.21
Kurzform in der Tabelle: Dramatisierung, Wunsch nach Anerkennung13,21
DSM-5-TR Cluster B · Beschreibung nach ICD-10-GM
Narzisstisch
Fachlich werden ein grandioser und ein verletzlicher Narzissmus unterschieden.28
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung führt die ICD-10-GM nicht als eigene Kategorie, sondern unter den sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen.21
Kurzform in der Tabelle: grandiose oder verletzliche Züge13,28
DSM-5-TR Cluster C · Beschreibung nach ICD-10-GM
Vermeidend-selbstunsicher
die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21
Kurzform in der Tabelle: Unsicherheit, Angst vor Kritik14,21
DSM-5-TR Cluster C · Beschreibung nach ICD-10-GM
Dependent (abhängig)
Menschen mit abhängiger (dependenter) Persönlichkeitsstörung verlassen sich bei Lebensentscheidungen stark auf andere und erleben große Trennungsangst.21
Kurzform in der Tabelle: Anlehnung an andere, Trennungsangst14,21
DSM-5-TR Cluster C · Beschreibung nach ICD-10-GM
Zwanghaft (anankastisch)
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit21
- Die genetischen Risikofaktoren folgen allerdings nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C.14
- In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
- Ein alternatives, dimensional-kategoriales Modell steht im DSM-5 nicht im Hauptteil, sondern als Forschungsmodell in Abschnitt III.15
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
- Schweregrad (ICD-11)
- Merkmalsbereich als Dimension
- Kategorie (DSM-5-TR, ICD-10)
- Schwelle
KernsatzKategorien und Dimensionen schließen sich in der Praxis nicht aus.
ICD-11 als Tabelle
| Baustein | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Leichte Persönlichkeitsstörung | Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten1 |
| Mittelgradige Persönlichkeitsstörung | deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen eingeschränkt1 |
| Schwere Persönlichkeitsstörung | nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt1 |
| Negative Affektivität | viele belastende Gefühle17 |
| Distanziertheit | Abstand zu anderen17 |
| Dissozialität | Missachtung der Rechte und Gefühle anderer1 |
| Enthemmung | Handeln auf unmittelbare Reize hin17 |
| Anankasmus | starre Maßstäbe von Perfektion1 |
| Borderline-Muster (zusätzlich) | mindestens fünf von neun Merkmalen16 |
Die Merkmalsbereiche sind Dimensionen, keine Einzeldiagnosen; benannt werden die auffälligsten. Persönlichkeitsauffälligkeit ist keine psychische Störung.1,16,17
DSM-5-TR und ICD-10 als Tabelle
| Persönlichkeitsstörung | Cluster (DSM) | Kernmerkmale (gekürzt) |
|---|---|---|
| Paranoid | A | Misstrauen, Kränkbarkeit12,21 |
| Schizoid | A | Rückzug, wenig Gefühlsausdruck12,21 |
| Schizotypisch | A | in der ICD-11 Schizophrenie-Spektrum12,17 |
| Antisozial (ICD-10: dissozial) | B | Missachtung sozialer Verpflichtungen13,21 |
| Borderline (ICD-10: emotional instabil) | B | instabiles Selbstbild, Leere13,21 |
| Histrionisch | B | Dramatisierung, Wunsch nach Anerkennung13,21 |
| Narzisstisch | B | grandiose oder verletzliche Züge13,28 |
| Vermeidend-selbstunsicher | C | Unsicherheit, Angst vor Kritik14,21 |
| Dependent (abhängig) | C | Anlehnung an andere, Trennungsangst14,21 |
| Zwanghaft (anankastisch) | C | Perfektionismus, Kontrollen14,21 |
Beschreibungen geben die Klassifikationen gekürzt wieder und beschreiben Muster, keine Menschen. Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung wird im DSM dem Cluster C zugeordnet (Hinweis in der Zwillingsstudie zu Cluster C).12,13,14,17,21,28
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Tyrer P et al. · The Lancet 20152; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5) 201315; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Wilfer T et al. · Der Nervenarzt 202428; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929
| Baustein | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Leichte Persönlichkeitsstörung | Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten1 |
| Mittelgradige Persönlichkeitsstörung | deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen eingeschränkt1 |
| Schwere Persönlichkeitsstörung | nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt1 |
| Negative Affektivität | viele belastende Gefühle17 |
| Distanziertheit | Abstand zu anderen17 |
| Dissozialität | Missachtung der Rechte und Gefühle anderer1 |
| Enthemmung | Handeln auf unmittelbare Reize hin17 |
| Anankasmus | starre Maßstäbe von Perfektion1 |
| Borderline-Muster (zusätzlich) | mindestens fünf von neun Merkmalen16 |
Die Merkmalsbereiche sind Dimensionen, keine Einzeldiagnosen; benannt werden die auffälligsten. Persönlichkeitsauffälligkeit ist keine psychische Störung.1,16,17
Erklärvideo · 42 s
ICD-11: Schweregrad und Merkmalsbereiche
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation beschreibt Persönlichkeitsstörungen nicht mehr als zehn Einzeldiagnosen. Zuerst stuft sie den Schweregrad ein. Leicht bedeutet Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, von denen einige erhalten bleiben. Mittelgradig heißt deutliche Probleme in den meisten. Bei einer schweren Form sind nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt. Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus. Ein Borderline-Muster kann zusätzlich vermerkt werden; es ist keine eigene Diagnose.1,5,16,17
Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick
Emotional instabil (Borderline)
Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung der ICD-10 kennt einen impulsiven Typ und einen Borderline-Typ. Beim Borderline-Typ kommen Störungen des Selbstbildes, chronische Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten hinzu.21
Zwanghaft und ängstlich-vermeidend
Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21 Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung teilten in einer norwegischen Zwillingsstudie mit 1.427 weiblichen Zwillingspaaren dieselben genetischen Einflüsse; welche der beiden sich entwickelte, hing von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26
Narzisstisch
Fachlich werden ein grandioser und ein verletzlicher Narzissmus unterschieden. Das DSM-5 beschreibt die narzisstische Persönlichkeitsstörung nur über grandiose Merkmale; der grandiose Narzissmus ist im klinischen Alltag eher selten. In der ICD-11 lässt sich verletzlicher Narzissmus über das dimensionale Konzept abbilden.28 Auch bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kommen verletzliche Anteile vor, obwohl das DSM-5 sie nicht beschreibt; eine eigene Diagnose für verletzlichen Narzissmus gibt es auch in der ICD-11 nicht.28
Weitere Formen nach ICD-10-GM
Die paranoide Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Kränkbarkeit bei Zurückweisung, im Nachtragen von Kränkungen und in Misstrauen; die schizoide im Rückzug von Kontakten und in einem begrenzten Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.21 Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist durch Missachtung sozialer Verpflichtungen, geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives Verhalten gekennzeichnet; die histrionische durch oberflächliche, wechselhafte Gefühle, Dramatisierung und den Wunsch nach Anerkennung.21 Menschen mit abhängiger (dependenter) Persönlichkeitsstörung verlassen sich bei Lebensentscheidungen stark auf andere und erleben große Trennungsangst. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung führt die ICD-10-GM nicht als eigene Kategorie, sondern unter den sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen.21
Die Formen, ihre Einordnung in die Cluster und die Entsprechungen in der ICD-11 zeigt die folgende Tabelle.
| Persönlichkeitsstörung | Cluster (DSM) | Kernmerkmale (gekürzt) |
|---|---|---|
| Paranoid | A | Misstrauen, Kränkbarkeit12,21 |
| Schizoid | A | Rückzug, wenig Gefühlsausdruck12,21 |
| Schizotypisch | A | in der ICD-11 Schizophrenie-Spektrum12,17 |
| Antisozial (ICD-10: dissozial) | B | Missachtung sozialer Verpflichtungen13,21 |
| Borderline (ICD-10: emotional instabil) | B | instabiles Selbstbild, Leere13,21 |
| Histrionisch | B | Dramatisierung, Wunsch nach Anerkennung13,21 |
| Narzisstisch | B | grandiose oder verletzliche Züge13,28 |
| Vermeidend-selbstunsicher | C | Unsicherheit, Angst vor Kritik14,21 |
| Dependent (abhängig) | C | Anlehnung an andere, Trennungsangst14,21 |
| Zwanghaft (anankastisch) | C | Perfektionismus, Kontrollen14,21 |
Beschreibungen geben die Klassifikationen gekürzt wieder und beschreiben Muster, keine Menschen. Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung wird im DSM dem Cluster C zugeordnet (Hinweis in der Zwillingsstudie zu Cluster C).12,13,14,17,21,28
Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick
Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16

Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt typischerweise in der Jugend nach dem 12. Lebensjahr und geht oft mit Depression, Angst, Verhaltensproblemen, Hyperaktivität oder Substanzkonsum einher.33
In der ICD-10 entspricht ihr der Borderline-Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung; beim impulsiven Typ stehen emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle im Vordergrund.21
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung galt früher als nicht behandelbar; heute führen frühere Diagnosen und bessere Behandlung zu besseren Ergebnissen.33
Häufigkeit, Verlauf und Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind deutlich besser untersucht als die der anderen Formen. Viele Zahlen in diesem Beitrag beziehen sich deshalb auf sie.
Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen? Anlage, Umwelt und Lebensgeschichte

Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung (Fassung 2022; ihre Gültigkeit ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen, eine Überarbeitung ist angemeldet) ist die Entstehung, wie bei den anderen Persönlichkeitsstörungen, nicht genau geklärt. Viele Befunde beruhen auf Zusammenhängen oder Rückblicken und erlauben keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung.19,45
Anlage
Erbliche Faktoren spielen eine Rolle: In Zwillingsstichproben aus drei Ländern mit 5.496 Zwillingen erklärten genetische Einflüsse 42 Prozent der Unterschiede in Borderline-Merkmalen, die übrigen 58 Prozent individuelle Umwelteinflüsse.46 Die Werte beruhen auf Fragebögen zu Merkmalen, nicht auf klinischen Diagnosen; sie beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko.46
In einer norwegischen Zwillingsstudie mit 1.386 Zwillingspaaren lag die geschätzte Erblichkeit für Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung bei 38 Prozent, der histrionischen bei 31, der narzisstischen bei 24 und der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 35 Prozent.13 Eine Untersuchung an 2.794 jungen Erwachsenen fand, dass die genetischen Risikofaktoren nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C folgen.14 Auch für die Persönlichkeitsstörungen aus Cluster A war die Anfälligkeit in einer Zwillingsstudie mit 3.334 Zwillingspaaren hoch erblich; Fragebögen und Interviews erfassten sie allerdings nur mäßig zuverlässig.12
Umwelt und Trauma
Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie mit 639 Jugendlichen im frühen Erwachsenenalter ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung.47
Die Daten stammen aus Erhebungen zwischen 1975 und 1993 im Bundesstaat New York. Der Befund zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für eine Ursache.47
Kultur und Lebensumstände
Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1
Anlage und Umwelt: was Zwillings- und Langzeitstudien zeigen
Jede Karte ist eine eigene Studie mit eigener Bezugsgröße. Erblichkeit beschreibt Unterschiede in einer Bevölkerung, nicht das Risiko eines Menschen.
Zwillingsstudien
Zwillinge aus drei Ländern
Bezugsgröße: Unterschiede in Borderline-Merkmalen (Fragebogen) zwischen 5.496 Zwillingen46
Die Werte beruhen auf Fragebögen zu Merkmalen, nicht auf klinischen Diagnosen; sie beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko.46
Norwegische Zwillingsstudie, Cluster B
Bezugsgröße: geschätzte Erblichkeit von Merkmalen, 1.386 Zwillingspaare (Interview)13
Achse 0 bis 100 %
Reihenfolge wie in der Quelle, keine Rangfolge.
Cluster A und die Cluster-Grenzen
Auch für die Persönlichkeitsstörungen aus Cluster A war die Anfälligkeit in einer Zwillingsstudie mit 3.334 Zwillingspaaren hoch erblich; Fragebögen und Interviews erfassten sie allerdings nur mäßig zuverlässig.12
Eine Untersuchung an 2.794 jungen Erwachsenen fand, dass die genetischen Risikofaktoren nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C folgen.14
Erblichkeit beschreibt Unterschiede in einer Bevölkerung, nicht das Risiko einer Person.
Belastende Erfahrungen
Langzeitstudie, Bundesstaat New York
Bezugsgröße: 639 Jugendliche, Persönlichkeitsstörung im frühen Erwachsenenalter47
mehr als viermal so hohes Risiko
Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie mit 639 Jugendlichen im frühen Erwachsenenalter ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung.47
Die Daten stammen aus Erhebungen zwischen 1975 und 1993 im Bundesstaat New York. Der Befund zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für eine Ursache.47
Was daraus nicht folgt
Risikofaktoren sind keine Schicksale. Viele Menschen mit belastender Vorgeschichte entwickeln keine Persönlichkeitsstörung, und eine Persönlichkeitsstörung ist kein Beleg für erlebte Gewalt.
Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung (Fassung 2022; ihre Gültigkeit ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen, eine Überarbeitung ist angemeldet) ist die Entstehung, wie bei den anderen Persönlichkeitsstörungen, nicht genau geklärt. Viele Befunde beruhen auf Zusammenhängen oder Rückblicken und erlauben keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung.19,45
Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1
- genetische Einflüsse
- individuelle Umwelt
- geschätzte Erblichkeit
KernsatzErblichkeit und Risikofaktoren beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko. Risikofaktoren sind keine Schicksale.
Werte als Tabelle
| Studie | Population | Befund |
|---|---|---|
| Distel 2008, drei Länder | 5.496 Zwillinge, Fragebogen | Borderline-Merkmale: 42 % genetisch, 58 % individuelle Umwelt46 |
| Torgersen 2008, Norwegen | 1.386 Zwillingspaare, Interview | antisozial 38 %, histrionisch 31 %, narzisstisch 24 %, Borderline 35 %13 |
| Kendler 2007, Norwegen | 3.334 Zwillingspaare | Cluster A: Anfälligkeit hoch erblich12 |
| Johnson 1999, New York | 639 Jugendliche | nach Misshandlung oder Vernachlässigung mehr als viermal so hohes Risiko47 |
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; AWMF-Leitlinienregister · AWMF-Leitlinienregister 202645; Distel MA et al. · Psychological Medicine 200846; Johnson JG et al. · Archives of General Psychiatry 199947
Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen? Epidemiologie
Für Betroffene und Angehörige
Persönlichkeitsstörungen sind häufig und kommen in allen Bereichen der Medizin vor. In einer US-Bevölkerungsstudie nach DSM-IV-Kriterien mit Daten aus den Jahren 2001 bis 2003 erfüllten geschätzt 9,1 Prozent der Erwachsenen die Kriterien irgendeiner Persönlichkeitsstörung.2,48 Viele Betroffene bekommen keine Hilfe: Nur 39 Prozent hatten im vergangenen Jahr eine Behandlung für psychische oder Suchtprobleme erhalten, bei Cluster B 49,1 Prozent, bei Cluster A 25 und bei Cluster C 29 Prozent.48
Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29
Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen?
Schätzungen aus Bevölkerungsstudien mit unterschiedlichen Zeiträumen, Interviews, Ländern und Definitionen. Die Werte stehen nebeneinander und nicht als Rangfolge.
Häufigkeit nach Quelle
Die Zahlen unterscheiden sich, weil die Studien verschiedene Zeiträume, Interviews, Länder und Definitionen verwenden. Sie lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen; die Werte stehen deshalb in den Grafiken nebeneinander und nicht als Rangfolge.
Weltweit, Meta-Regression (Shadid 2025)
Bezugsgröße: Bevölkerung, irgendeine Persönlichkeitsstörung; 60 Studien aus 28 Ländern, Stichproben 1980 bis 2024; Werte modelliert für ein mittleres Alter von 43 Jahren49
Achse 0 bis 15 %
Die einbezogenen Studien unterschieden sich sehr stark (Heterogenität I² = 98,8 Prozent), und es fanden sich Hinweise auf Publikationsbias; die Schätzwerte sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.49 UI = 95-Prozent-Unsicherheitsintervall eines Modells.
USA, Bevölkerungsstudie NCS-R
Bezugsgröße: 5.692 Erwachsene, DSM-IV-Kriterien, Daten 2001 bis 200348
Achse 0 bis 15 %
Funktionseinschränkungen gingen dort weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück.48
Internationale Meta-Analysen (zitiert in der S3-Leitlinie)
Bezugsgröße: gepoolt über mindestens fünfjährige Zeiträume19
Achse 0 bis 15 %
Deutschland: nur Borderline
Bezugsgröße: Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz der Borderline-Persönlichkeitsstörung; einzige deutsche Bevölkerungsstudie mit standardisierten Interviews, 2.488 Personen19
Achse 0 bis 15 %
Dieser Wert gilt nur für die Borderline-Persönlichkeitsstörung, nicht für Persönlichkeitsstörungen insgesamt.
Hilfe und Missverständnisse
Hilfe im vergangenen Jahr (NCS-R, USA)
Bezugsgröße: Menschen mit Persönlichkeitsstörung, Behandlung psychischer oder Suchtprobleme in 12 Monaten48
Achse 0 bis 100 %
Viele Betroffene bekommen keine Hilfe: Nur 39 Prozent hatten im vergangenen Jahr eine Behandlung für psychische oder Suchtprobleme erhalten, bei Cluster B 49,1 Prozent, bei Cluster A 25 und bei Cluster C 29 Prozent.48
Ein verbreitetes Missverständnis
Bezugsgröße: Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung in Bevölkerungsstudien29
Achse 0 bis 100 %
Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29
Begleiterkrankungen
Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Depressionen
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Angststörungen
- ADHS
- Abhängigkeitserkrankungen
- bipolare Störungen
- Essstörungen
Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen. Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19
Sterblichkeit und Suizid
Sterblichkeit (Meta-Regression)
Bezugsgröße: standardisiertes Sterblichkeitsverhältnis gegenüber der Allgemeinbevölkerung (1 = gleich)49
Persönlichkeitsstörungen gingen in der Meta-Regression mit erhöhter Sterblichkeit einher: Das standardisierte Sterblichkeitsverhältnis lag bei 4,7 für stationär und bei 1,8 für ambulant behandelte Menschen.49 Angegeben ist das 95-Prozent-Unsicherheitsintervall (UI); logarithmische Achse.
Suizid bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
Bezugsgröße: Meta-Analyse, Nachbeobachtung über 5 bis 14 Jahre16
Achse 0 bis 10 %
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist das Suizidrisiko erhöht: Eine Meta-Analyse fand über Nachbeobachtungszeiten von 5 bis 14 Jahren Suizidraten von 2 bis 5 Prozent. Diese Gruppenwerte erlauben keine Vorhersage für einzelne Menschen. Hilfe in akuten Krisen finden Sie im Abschnitt „Krise und Notfall“.16
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
- Bevölkerung weltweit bzw. Einzelwert
- USA (NCS-R)
- Deutschland, nur Borderline
- Spanne
- Bezugslinie
KernsatzDie Häufigkeitswerte lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Die 0,8 Prozent aus der deutschen Studie gelten nur für die Borderline-Persönlichkeitsstörung19.
Alle Werte als Tabelle
| Quelle | Bezugsgröße | Wert |
|---|---|---|
| Shadid 2025, 28 Länder | Bevölkerung, irgendeine Persönlichkeitsstörung | 4,1 % (UI 2,8 bis 6,0) bzw. 5,2 % (UI 3,7 bis 7,3)49 |
| NCS-R, USA 2001 bis 2003 | 5.692 Erwachsene | irgendeine 9,1 %; Cluster A 5,7 %, B 1,5 %, C 6,0 %2,48 |
| Meta-Analysen (S3-Leitlinie) | gepoolt, mindestens fünfjährige Zeiträume | insgesamt 8 bis 12 %; Borderline 2 %19 |
| Deutsche Interviewstudie | 2.488 Personen | nur Borderline: 0,8 % (Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz)19 |
| NCS-R, Hilfe in 12 Monaten | Menschen mit Persönlichkeitsstörung | 39 %; Cluster B 49,1 %, A 25 %, C 29 %48 |
| Shadid 2025, Sterblichkeit | stationär bzw. ambulant behandelt | SMR 4,7 (UI 3,7 bis 5,8) bzw. 1,8 (UI 1,4 bis 2,2)49 |
| Meta-Analyse Suizid | Borderline, 5 bis 14 Jahre | 2 bis 5 %16 |
Quellen: Tyrer P et al. · The Lancet 20152; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Lenzenweger MF et al. · Biological Psychiatry 200748; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929; Shadid J et al. · The Lancet Psychiatry 202549
Fachlicher Hintergrund
Eine Meta-Regression von 60 Bevölkerungsstudien aus 28 Ländern schätzte die Häufigkeit irgendeiner Persönlichkeitsstörung auf 4,1 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem und 5,2 Prozent in Ländern mit hohem Einkommen. Sie war bei Männern höher und nahm mit dem Alter ab.49 Die einbezogenen Studien unterschieden sich sehr stark (Heterogenität I² = 98,8 Prozent), und es fanden sich Hinweise auf Publikationsbias; die Schätzwerte sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.49
In der US-Studie NCS-R mit 5.692 Erwachsenen lagen die Schätzungen bei 5,7 Prozent für Cluster A, 1,5 Prozent für Cluster B und 6,0 Prozent für Cluster C. Funktionseinschränkungen gingen dort weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück.48
Meta-Analysen internationaler Studien, auf die sich die deutsche S3-Leitlinie stützt, berichten über mindestens fünfjährige Zeiträume gepoolt 8 bis 12 Prozent für Persönlichkeitsstörungen insgesamt und 2 Prozent für die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die einzige deutsche Bevölkerungsstudie mit standardisierten Interviews (2.488 Personen) fand für die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz von 0,8 Prozent.19
Die Zahlen unterscheiden sich, weil die Studien verschiedene Zeiträume, Interviews, Länder und Definitionen verwenden. Sie lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen; die Werte stehen deshalb in den Grafiken nebeneinander und nicht als Rangfolge.
Begleiterkrankungen
Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen. Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19
Sterblichkeit und Suizid
Persönlichkeitsstörungen gingen in der Meta-Regression mit erhöhter Sterblichkeit einher: Das standardisierte Sterblichkeitsverhältnis lag bei 4,7 für stationär und bei 1,8 für ambulant behandelte Menschen.49
Wie verlaufen Persönlichkeitsstörungen? Remission, Rückfall, Funktionsniveau
Für Betroffene und Angehörige
Langzeitstudien zur Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen deutliche Veränderungen: In der McLean-Studie erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission). Die Teilnehmenden waren stationär aufgenommen worden, ihre Behandlung wurde nicht kontrolliert.7 Nur 50 Prozent erreichten eine Genesung im weiteren Sinn, also zusätzlich ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau; 34 Prozent verloren diese Genesung wieder. Nach einer mindestens zweijährigen Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall, also ein erneutes Auftreten der Symptome, nach einer mindestens vierjährigen 15 Prozent.7
Auch Diagnosen anderer Persönlichkeitsstörungen schwanken: Über ein Jahr blieben die meisten Menschen mit schizotypischer, Borderline-, vermeidender oder zwanghafter Persönlichkeitsstörung nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle. Die individuellen Unterschiede in den Merkmalen blieben dabei stabil, und die Zahl erfüllter Kriterien nahm ab.50

Fachlicher Hintergrund
Nach 16 Jahren lagen die Remissionsraten in der McLean-Studie je nach geforderter Dauer (2 bis 8 Jahre) zwischen 78 und 99 Prozent, die Genesungsraten zwischen 40 und 60 Prozent. Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor, häufiger als bei 72 Vergleichspersonen mit anderen Persönlichkeitsstörungen (4 bis 7 Prozent).51 Bei diesen Vergleichspersonen lagen die Genesungsraten bei 75 bis 85 Prozent.51
Ausführlich lesen
Was den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.
In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate). So definiert remittierten 85 Prozent der 175 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung innerhalb von zehn Jahren, 12 Prozent erlitten einen Rückfall. Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44 Die Studie schloss behandlungssuchende Menschen zwischen 18 und 45 Jahren aus 19 Einrichtungen ein und verglich sie mit 312 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen und 95 Menschen mit Depression.44
Stabilität der Diagnose
Die Ein-Jahres-Daten zur Stabilität stammen aus derselben Studienreihe mit 668 Teilnehmenden aus mehreren klinischen Einrichtungen.50
Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in 18 Studien spätere Einschränkungen in Beziehungen, Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus; ein erheblicher Teil zeigte noch bis zu 20 Jahre später Symptome. Die meisten Studien hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko.52
Warnzeichen für eine andere Ursache
Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1
Erklärvideo · 42 s
Verlauf: Remission und Rückfall
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen verändern sich. In der McLean-Studie hieß Remission: Die Kriterien sind mindestens zwei Jahre lang nicht mehr erfüllt. Über zehn Jahre gelang das 93 Prozent, ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau aber nur 50 Prozent. Rückfall heißt, die Symptome kehren zurück. Das betraf nach mindestens zweijähriger Remission 30 Prozent, nach vierjähriger 15 Prozent. Die CLPS-Studie wertete höchstens zwei Kriterien als Remission; dort remittierten 85 Prozent. Das sind Gruppenwerte, keine Vorhersage.7,44
Wie verläuft eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
Langzeitstudien über zehn und sechzehn Jahre. Remission und Rückfall sind je Studie definiert; die Werte sind Gruppenwerte und keine Vorhersage für Einzelne.
Zwei Studien, zwei Definitionen von Remission. Jede Ansicht zeigt eine Studie mit ihrer eigenen Bezugsgröße; die Werte bilden keine Rangfolge und keine Vorhersage für einzelne Menschen.
McLean, 10 Jahre
Definition Remission (McLean)
In der McLean-Studie erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission).7
Jahre ab Studienbeginn
Bezogen auf alle Teilnehmenden
Achse 0 bis 100 %
Bezogen auf die Remittierten: Rückfall
Achse 0 bis 100 %
In der McLean-Studie erreichten 86 Prozent eine mindestens vierjährige Remission; nach zweijähriger Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall.7
Bezogen auf die Genesenen
Achse 0 bis 100 %
Nur 50 Prozent erreichten eine Genesung im weiteren Sinn, also zusätzlich ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau; 34 Prozent verloren diese Genesung wieder. Nach einer mindestens zweijährigen Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall, nach einer mindestens vierjährigen 15 Prozent.7
Die Teilnehmenden waren stationär aufgenommen worden, ihre Behandlung wurde nicht kontrolliert.7
McLean, 16 Jahre
Definition (McLean, 16 Jahre)
Nach 16 Jahren lagen die Remissionsraten in der McLean-Studie je nach geforderter Dauer (2 bis 8 Jahre) zwischen 78 und 99 Prozent, die Genesungsraten zwischen 40 und 60 Prozent.51
Borderline-Persönlichkeitsstörung (290)51
Achse 0 bis 100 %
Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor, häufiger als bei 72 Vergleichspersonen mit anderen Persönlichkeitsstörungen (4 bis 7 Prozent).51
CLPS, 10 Jahre
Definition Remission (CLPS)
In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate).44
Jahre ab Studienbeginn
Messpunkt antippen.
Beginn: Die Studie schloss behandlungssuchende Menschen zwischen 18 und 45 Jahren aus 19 Einrichtungen ein und verglich sie mit 312 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen und 95 Menschen mit Depression.44
10 Jahre: So definiert remittierten 85 Prozent der 175 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung innerhalb von zehn Jahren, 12 Prozent erlitten einen Rückfall.44
Borderline-Persönlichkeitsstörung (175)44
Achse 0 bis 100 %
Im Vergleich innerhalb der Studie
In der CLPS-Studie remittierte die Borderline-Persönlichkeitsstörung langsamer als eine Depression, Rückfälle waren aber seltener; das Funktionsniveau blieb stärker beeinträchtigt als in den Vergleichsgruppen.44
Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44
Definitionen nebeneinander
| McLean-Studie | CLPS-Studie | |
|---|---|---|
| Teilnehmende | 290 stationär aufgenommene Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung7 | 175 behandlungssuchende Menschen zwischen 18 und 45 Jahren aus 19 Einrichtungen44 |
| Remission heißt | Studienkriterien mindestens 2 Jahre nicht mehr erfüllt7 | höchstens 2 Borderline-Kriterien (Vergleich über mindestens 12 Monate)44 |
| Remission | 93 % in 10 Jahren; 78 bis 99 % in 16 Jahren je nach Dauer7,51 | 85 % in 10 Jahren44 |
| Rückfall | 30 % nach mindestens 2, 15 % nach mindestens 4 Jahren Remission; 10 bis 36 % in 16 Jahren7,51 | 12 %44 |
| Funktion | Genesung 50 % (10 Jahre), 40 bis 60 % (16 Jahre)7,51 | soziales Funktionsniveau oft deutlich eingeschränkt44 |
Was den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.
Stabilität und Jugend
Jahre ab Studienbeginn
Diagnosen schwanken
Auch Diagnosen anderer Persönlichkeitsstörungen schwanken: Über ein Jahr blieben die meisten Menschen mit schizotypischer, Borderline-, vermeidender oder zwanghafter Persönlichkeitsstörung nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle. Die individuellen Unterschiede in den Merkmalen blieben dabei stabil, und die Zahl erfüllter Kriterien nahm ab.50
Beginn in der Jugend
Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in 18 Studien spätere Einschränkungen in Beziehungen, Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus; ein erheblicher Teil zeigte noch bis zu 20 Jahre später Symptome. Die meisten Studien hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko.52
Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1 Zur Tabelle der Abgrenzungen
- Remission
- Genesung
- Rückfall oder Verlust
- Spanne
KernsatzWas den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.
Verlaufsdaten als Tabelle
| Studie | Population | Werte |
|---|---|---|
| McLean, 10 Jahre | 290, stationär rekrutiert | Remission ≥ 2 J. 93 %, ≥ 4 J. 86 %; Genesung 50 %; Verlust der Genesung 34 %; Rückfall nach ≥ 2 J. 30 %, nach ≥ 4 J. 15 %7 |
| McLean, 16 Jahre | 290 BPS, 72 andere PS | Remission 78 bis 99 %, Genesung 40 bis 60 %, Rückfall 10 bis 36 %; Vergleichsgruppe Genesung 75 bis 85 %, Rückfall 4 bis 7 %51 |
| CLPS, 10 Jahre | 175 BPS | Remission 85 %, Rückfall 12 %44 |
| CLPS, 1 Jahr | 668 Teilnehmende | meist nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle50 |
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Shea MT et al. · American Journal of Psychiatry 200250; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 201251; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Winsper C et al. · Psychological Medicine 201552
Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen
Für Betroffene und Angehörige
Viele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen. Eine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.
Stimmungsschwankungen sind ein gutes Beispiel: Bei einer bipolaren Störung kommen sie in abgegrenzten Phasen, bei einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung häufig und als Reaktion auf Ereignisse, oft in Beziehungen.18

Fachlicher Hintergrund
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19 ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung von einer Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägter Enthemmung schwierig sein.1
Ausführlich lesen
Bipolare Störung
Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18 Beides kann gleichzeitig vorliegen: Unter 517 ambulanten Patientinnen und Patienten hatten 59 sowohl eine Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch eine bipolare Störung. Sie hatten mehr Begleiterkrankungen, Suizidversuche und Klinikaufenthalte als Menschen mit nur einer der beiden Störungen.22 Die Studie stammt aus einem ambulanten psychiatrischen Projekt in Rhode Island mit halbstrukturierten Interviews; die Befunde sind Gruppenvergleiche.22
Komplexe PTBS, Autismus, Angst und Psychose
Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1 Bei Autismus-Spektrum-Störungen entstehen ähnlich wirkende Beziehungsprobleme aus eingeschränkter sozialer Kommunikation und Gegenseitigkeit.1 Soziale Angststörung und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung sind eng verwandt; in einer Zwillingsstudie teilten sie dieselben genetischen Einflüsse, unterschieden sich aber in den Umweltfaktoren.26 Ungewöhnliches Denken und Wahrnehmen gehört zur schizotypen Störung, die in der ICD-11 dem Schizophrenie-Spektrum zugeordnet ist.17
Neurologische und körperliche Ursachen
Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1 Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1 Die ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32
Substanzen
Erklären sich die Persönlichkeitsprobleme vollständig durch eine Substanzerkrankung, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1
| Erkrankung | Was eher für sie spricht |
|---|---|
| Bipolare Störung | abgegrenzte, wenig reaktive Phasen18 |
| Erwachsenen-ADHS | Impulsivität auch ohne emotionalen Stress, Beginn in der Entwicklung1,19 |
| Komplexe PTBS | Vermeidung, Bedrohungsgefühl, stabil negatives Selbstbild1 |
| Autismus-Spektrum-Störung | eingeschränkte soziale Kommunikation und Gegenseitigkeit1 |
| Soziale Angststörung | umschriebene Angst; gemeinsame genetische Einflüsse mit vermeidender Form26 |
| Schizophrenie-Spektrum | schizotype Störung zählt in der ICD-11 dorthin17 |
| Substanzerkrankung | Probleme vollständig durch den Konsum erklärt1 |
| Sekundäre (organische) Persönlichkeitsveränderung | Beginn mit körperlicher Erkrankung, etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, Anfälle, Schilddrüse1 |
Die Erkrankungen können auch zusätzlich zu einer Persönlichkeitsstörung bestehen; die Tabelle ersetzt keine Untersuchung.1,17,18,19,26
Erklärvideo · 40 s
Differenzialdiagnose: was gehört abgeklärt?
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Stimmungsschwankungen, Impulsivität oder Rückzug haben verschiedene Ursachen. Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken. Die WHO nennt etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, epileptische Anfälle und Schilddrüsenerkrankungen. Erklärt eine Substanzerkrankung alles, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer bipolaren Störung kommen Stimmungsschwankungen in abgegrenzten Phasen, bei ADHS tritt Impulsivität auch ohne emotionalen Stress auf. Beides kann aber gleichzeitig bestehen.1,18,19,22
Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes?
Was abgeklärt gehört: körperliche und neurologische Ursachen, Substanzen und andere psychische Erkrankungen. Mehrere Erkrankungen können nebeneinander bestehen.
Viele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen. Eine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.
Was sonst dahinterstecken kann
| Abgrenzung von | Richtung | Leitbild | Worauf es ankommt | Gemeinsam oder verwechselt? |
|---|---|---|---|---|
| Bipolare Störung | affektiv | Stimmungsschwankungen | Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18 | Beides kann gleichzeitig vorliegen: Unter 517 ambulanten Patientinnen und Patienten hatten 59 sowohl eine Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch eine bipolare Störung.22 |
| Depression | affektiv | Stimmungsschwankungen | In der CLPS-Studie remittierte die Borderline-Persönlichkeitsstörung langsamer als eine Depression, Rückfälle waren aber seltener44 | Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19 |
| Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung | Trauma | Rückzug | Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1 | In den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben; die Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt. |
| Erwachsenen-ADHS | Entwicklung | Impulsivität | Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19 | Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung schwierig sein; beides kann nebeneinander bestehen.1 |
| Autismus-Spektrum-Störung | Entwicklung | Rückzug | Bei Autismus-Spektrum-Störungen entstehen ähnlich wirkende Beziehungsprobleme aus eingeschränkter sozialer Kommunikation und Gegenseitigkeit.1 | In den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben. |
| Soziale Angststörung | Angst | Rückzug | Soziale Angststörung und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung sind eng verwandt; in einer Zwillingsstudie teilten sie dieselben genetischen Einflüsse, unterschieden sich aber in den Umweltfaktoren.26 | Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe.26 |
| Schizophrenie-Spektrum (schizotype Störung) | Psychose-Spektrum | Misstrauen, ungewöhnliches Denken | Ungewöhnliches Denken und Wahrnehmen gehört zur schizotypen Störung, die in der ICD-11 dem Schizophrenie-Spektrum zugeordnet ist.17 | In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17 |
| Substanzerkrankung | Substanzen | mehrere | Erklären sich die Persönlichkeitsprobleme vollständig durch eine Substanzerkrankung, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1 | Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen.19 |
| Sekundäre Persönlichkeitsveränderung (körperliche Ursache) | körperlich, neurologisch | neue Wesensänderung | Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1 | Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1 |
| Demenz | körperlich, neurologisch | neue Wesensänderung | Bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1 | Bei Beginn mit oder nach einer körperlichen Erkrankung wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert1. |
| Organische Persönlichkeitsstörung, Frontalhirnsyndrom (ICD-10-GM) | körperlich, neurologisch | neue Wesensänderung | Die ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32 | Gesonderte Kategorie in der ICD-10-GM32. |
| Späte Persönlichkeitsänderung ohne äußeren Anlass | körperlich, neurologisch | neue Wesensänderung | Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1 | Warnzeichen: körperliche Ursache und Substanzen mitbedenken1. |
| Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Migration | Lebensumstände | mehrere | Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1 | Kann nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden1. |
13 von 13 Zeilen
Vier Bilder im Vergleich
| Merkmal | Borderline-Persönlichkeitsstörung | Bipolare Störung | Erwachsenen-ADHS | Komplexe PTBS |
|---|---|---|---|---|
| Zeitmuster der Gefühle | bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst.18 | Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen18 | keine belegte Angabe | Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1 |
| Impulsivität | Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden19 | keine belegte Angabe | bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19 | keine belegte Angabe |
| Einordnung | Die Borderline-Persönlichkeitsstörung lässt sich mit halbstrukturierten Interviews zuverlässig diagnostizieren und von anderen psychischen Störungen abgrenzen.16 | Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18 | ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen.1 | keine belegte Angabe |
| Gemeinsames Auftreten | — | Beides kann gleichzeitig vorliegen22 | beides kann nebeneinander bestehen.1 | in den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben |
Kurzüberblick
| Erkrankung | Was eher für sie spricht |
|---|---|
| Bipolare Störung18 | abgegrenzte, wenig reaktive Phasen |
| Erwachsenen-ADHS1,19 | Impulsivität auch ohne emotionalen Stress, Beginn in der Entwicklung |
| Komplexe PTBS1 | Vermeidung, Bedrohungsgefühl, stabil negatives Selbstbild |
| Autismus-Spektrum-Störung1 | eingeschränkte soziale Kommunikation und Gegenseitigkeit |
| Soziale Angststörung26 | umschriebene Angst; gemeinsame genetische Einflüsse mit vermeidender Form |
| Schizophrenie-Spektrum17 | schizotype Störung zählt in der ICD-11 dorthin |
| Substanzerkrankung1 | Probleme vollständig durch den Konsum erklärt |
| Sekundäre (organische) Persönlichkeitsveränderung1 | Beginn mit körperlicher Erkrankung, etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, Anfälle, Schilddrüse |
Die Erkrankungen können auch zusätzlich zu einer Persönlichkeitsstörung bestehen; die Tabelle ersetzt keine Untersuchung.1,17,18,19,26
Fragebögen und Online-Tests geben Hinweise, stellen aber keine Diagnose.
- affektiv
- Trauma
- Entwicklung
- Angst
- Psychose-Spektrum
- Substanzen
- körperlich, neurologisch
KernsatzEine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632
Wie macht sich eine Persönlichkeitsstörung im Alltag bemerkbar?
Für Betroffene und Angehörige

Im Alltag zeigt sich eine Persönlichkeitsstörung vor allem in Beziehungen, bei der Arbeit und im Umgang mit Gefühlen. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung fanden Studien geringeren Bildungs- und Berufserfolg, weniger langfristige Beziehungen, mehr Partnerschaftskonflikte, wenig soziale Unterstützung und geringe Lebenszufriedenheit.33
Auch in der CLPS-Studie blieb das soziale Funktionsniveau trotz hoher Remissionsraten oft deutlich eingeschränkt.44
Wie das in einem Verlauf aussehen kann, zeigen die Fallvignetten weiter unten. Sie sind erfunden, beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall und enthalten nur belegte medizinische Aussagen.
Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung sollen nach der britischen Leitlinie wegen ihrer Diagnose oder wegen Selbstverletzungen von keinem Gesundheits- oder Sozialangebot ausgeschlossen werden.20
Fachlicher Hintergrund

Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome: Auch acht Jahre nach Beginn einer Studie zur Mentalisierungsbasierten Therapie blieb es eingeschränkt, trotz anhaltender Vorteile bei Suizidalität und Diagnosestatus.43 Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt meist in der Jugend; die Diagnose fällt damit oft in Schule, Ausbildung oder Studium.33 Beginnt die Störung in der Jugend, kann sie Ausbildung und Beruf langfristig prägen: Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in Studien spätere Einschränkungen in Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus.52
Funktionseinschränkungen gingen in der US-Studie NCS-R weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück. Begleitende Erkrankungen prägen damit die Belastung im Alltag wesentlich mit.48
Erklärvideo · 42 s
Alltag, Beziehungen, Angehörige
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Im Alltag zeigt sich eine Persönlichkeitsstörung vor allem in Beziehungen, bei der Arbeit und im Umgang mit Gefühlen. Studien zur Borderline-Persönlichkeitsstörung fanden weniger langfristige Beziehungen und mehr Partnerschaftskonflikte. Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome. Angehörige sollten, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen werden. Ein solcher Plan nennt Auslöser, Selbsthilfestrategien und Wege zu Hilfsdiensten. In akuter Gefahr wählen Sie 112. Die TelefonSeelsorge erreichen Sie unter 116 123.3,4,19,20,33,43
Persönlichkeitsstörungen und Angehörige

Angehörige sollten nach der deutschen Leitlinie, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen und zu einem hilfreichen Umgang beraten werden, etwa zu einer einfühlsamen, nicht wertenden Haltung. Sie sollten selbst professionelle Hilfe erhalten, etwa Familienprogramme, Selbsthilfe oder den Borderline-Trialog.19
Fachleuten empfiehlt die britische Leitlinie in Krisen eine ruhige, nicht bedrohliche Haltung und einen gemeinsam erstellten Krisenplan.20
Wie wird eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Wann eine Abklärung sinnvoll ist
Eine fachgerechte Abklärung auf Borderline-Persönlichkeitsstörung soll nach der deutschen Leitlinie erwogen werden bei wiederholtem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten, erheblicher emotionaler Instabilität, mehreren gleichzeitigen psychischen Störungen, unbefriedigendem Behandlungserfolg oder stark beeinträchtigtem Funktionsniveau.19
Gespräch und Interview
Das Gespräch vorbereiten
Dimensionale Beurteilung
Ergänzend kann die Persönlichkeitsfunktion dimensional beurteilt werden; das alternative DSM-5-Modell betrachtet dafür Identität, Selbststeuerung, Empathie und Nähe.11
Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie
Was die Leitlinien empfehlen
Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Nach der deutschen S3-Leitlinie sollen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung eine strukturierte, störungsspezifische Psychotherapie erhalten; steht die Verringerung schwerer Selbstverletzungen im Vordergrund, soll Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) angeboten werden.19,33 Die Gültigkeit dieser Leitlinie ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen; eine Überarbeitung ist angemeldet und für den 31.12.2028 geplant. Ihre Empfehlungen dienen bis dahin als Orientierung.45
Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt für Frauen, bei denen wiederholte Selbstverletzungen im Vordergrund stehen, ein umfassendes DBT-Programm zu erwägen; kurze Interventionen unter drei Monaten sollen außerhalb strukturierter Angebote nicht eingesetzt werden.20
Für schwere Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionen empfiehlt eine weitere S3-Leitlinie, zuerst eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen, und eine kontinuierliche hausärztliche Langzeitbegleitung.11
Psychoedukation und Rahmen
Psychoedukation, also strukturierte Information über die Erkrankung, soll nach der deutschen Leitlinie Bestandteil der Therapie sein. Die Therapie sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten und möglichst eine Sitzung pro Woche nicht unterschreiten.19

Untersuchte Verfahren in alphabetischer Reihenfolge. Keine Rangfolge: Eine Netzwerk-Meta-Analyse fand kein Verfahren, das anderen eindeutig überlegen ist.54
Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Verfahren. In der ersten randomisierten Studie hatten Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und wiederholter Selbstverletzung unter einem Jahr DBT seltener und weniger schwere selbstschädigende Handlungen und weniger Klinikaufenthaltstage als unter üblicher Behandlung.34 Bei Depression, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken fand diese frühe Studie dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.34
Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
Die Mentalisierungsbasierte Therapie stammt aus der psychoanalytischen Tradition: In der ersten Studie mit 38 Patientinnen und Patienten war eine psychoanalytisch orientierte Tagesklinikbehandlung über bis zu 18 Monate der psychiatrischen Standardversorgung überlegen. Die Gruppe war klein, die Autoren forderten eine Wiederholung mit mehr Teilnehmenden.38
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23
Strukturiertes psychiatrisches Management
Strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management wurde in einer kanadischen Studie mit 180 Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren hatten, über ein Jahr mit DBT verglichen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25
| Verfahren | Beispielstudie (Design) | Ergebnis in dieser Studie |
|---|---|---|
| Dialektisch-Behaviorale Therapie | 101 Frauen, 1 Jahr Therapie plus 1 Jahr Nachbeobachtung | Suizidversuchsrisiko etwa halbiert35 |
| Mentalisierungsbasierte Therapie | 134 Patientinnen und Patienten, 18 Monate | beide Gruppen deutlich gebessert, MBT stärker39 |
| Schematherapie | 495 Teilnehmende, 2 Jahre | kombinierte Form der Standardbehandlung überlegen40 |
| Übertragungsfokussierte Psychotherapie | 90 Patientinnen und Patienten, 1 Jahr, drei Arme | Besserung in allen Gruppen24 |
| Strukturiertes psychiatrisches Management | 180 Patientinnen und Patienten, 1 Jahr | kein signifikanter Unterschied zu DBT25 |
Unterschiedliche Populationen, Vergleichsgruppen und Endpunkte; keine Rangliste der Verfahren.24,25,35,39,40
Was die Studienlage insgesamt zeigt
Ein Cochrane-Review mit 75 randomisierten Studien und 4.507 Teilnehmenden fand, dass Psychotherapie die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung verringert (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,52; mäßige Evidenzqualität). Nur dieser Endpunkt erreichte die Schwelle klinischer Relevanz.8 Für Selbstverletzung (−0,32), suizidbezogene Endpunkte (−0,34) und das psychosoziale Funktionsniveau (−0,45) zeigten sich ebenfalls Vorteile, aber bei niedriger Evidenzqualität; die Standardbehandlungen in den Studien waren sehr unterschiedlich.8
Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist; die DBT ist am besten untersucht. Viele Vergleiche stützen sich allerdings auf sehr wenige Studien.54
In einer Übersicht über acht psychische Störungen lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent, gemessen als Halbierung der Beschwerden. Das relative Risiko gegenüber den Kontrollbedingungen war nicht signifikant; als Vergleich diente in diesen Studien immer eine übliche Behandlung, unter der 15 Prozent ansprachen.55 Die Werte stammen aus einer gemeinsamen Auswertung von 441 Studien mit 33.881 Patientinnen und Patienten über acht Störungen hinweg.55
Andere Persönlichkeitsstörungen
Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen gibt es Studien: Bei 50 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen wirkten 40 Sitzungen psychodynamische Kurzzeittherapie und kognitive Therapie ohne signifikanten Unterschied; zwei Jahre später waren 54 beziehungsweise 42 Prozent symptomatisch genesen.27 In einer Studie mit 323 Menschen mit Cluster-C-, paranoider, histrionischer oder narzisstischer Persönlichkeitsstörung in 12 niederländischen Einrichtungen erholten sich nach Schematherapie mehr Teilnehmende als nach üblicher Behandlung oder klärungsorientierter Psychotherapie; die Unterschiede zeigten sich in Interviews, nicht in Selbstauskünften.41 Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist besonders wenig untersucht: Auswertbare Daten lagen nur aus 10 Studien mit 605 Teilnehmenden vor, und die Evidenzqualität war niedrig bis sehr niedrig.56 Für psychologische Behandlungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung gibt es laut einem Cochrane-Review mit 19 Studien nur sehr begrenzte Evidenz; kein Verfahren zeigte überzeugende Belege für eine Veränderung antisozialen Verhaltens.56
Erklärvideo · 38 s
Psychotherapien im Überblick
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Untersucht wurden unter anderem die Dialektisch-Behaviorale Therapie, die Mentalisierungsbasierte Therapie, die Schematherapie und die übertragungsfokussierte Psychotherapie. Ein Cochrane-Review mit 75 Studien fand, dass Psychotherapie die Symptomschwere gegenüber der Standardbehandlung verringert. Ein Verfahren, das den anderen eindeutig überlegen ist, fand eine Netzwerk-Meta-Analyse nicht; eine Rangliste lässt sich daraus nicht ableiten. Fragen Sie nach dem Verfahren, nach der Dauer und danach, was Sie selbst beitragen können.8,19,23,24,25,33,34,38,54
Wirkung, Nebenwirkung, Dosis: was belegt ist
Eine Geschichte in neun Schritten mit belegten Werten. Wo es keine Daten gibt, zeigt die Grafik bewusst keine Kurve. Das ist keine Dosierungsempfehlung.
Nur belegte Werte; kein Modell, keine Extrapolation. Panels nicht gegeneinander lesen (verschiedene Skalen, Populationen, Vergleiche). Keine Dosierungsempfehlung.
Schritt 1 von 9
Wie Wirkung gemessen wird
Auf der ZAN-BPD-Skala von 0 bis 36 gilt eine Änderung um 3 Punkte als kleinster klinisch relevanter Unterschied.8
Schritt 2 von 9
Psychotherapie gegenüber Standardbehandlung
Im Cochrane-Review verringerte Psychotherapie die Symptomschwere um etwa 3,6 Punkte (SMD −0,52); andere Endpunkte bei niedriger Evidenzqualität.8
Mittelwertdifferenz auf der ZAN-BPD-Skala (Punkte), 95-%-KI8
Standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD), 95-%-KI8
Für Selbstverletzung (−0,32), suizidbezogene Endpunkte (−0,34) und das psychosoziale Funktionsniveau (−0,45) zeigten sich ebenfalls Vorteile, aber bei niedriger Evidenzqualität; die Standardbehandlungen in den Studien waren sehr unterschiedlich.8
Schritt 3 von 9
Verfahren im direkten Vergleich
Kein Verfahren erwies sich als eindeutig überlegen; BOOTS fand zwischen DBT und Schematherapie d = 0,15.25,36,54
Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist; die DBT ist am besten untersucht. Viele Vergleiche stützen sich allerdings auf sehr wenige Studien.54 Zu den Studiendesigns
Schritt 4 von 9
Wie viele profitieren
Über acht Störungen hinweg lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent; unter der üblichen Behandlung als Vergleich sprachen 15 Prozent an, der Unterschied war nicht signifikant (RR 1,47).55
Ansprechen (Halbierung der Beschwerden)55
Achse 0 bis 50 %
Relatives Risiko für Ansprechen, 95-%-KI, logarithmische Achse
In einer Übersicht über acht psychische Störungen lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent, gemessen als Halbierung der Beschwerden. Das relative Risiko gegenüber den Kontrollbedingungen war nicht signifikant; als Vergleich diente in diesen Studien immer eine übliche Behandlung, unter der 15 Prozent ansprachen.55
Schritt 6 von 9
„Dosis“ der Psychotherapie
Eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse für Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen wurde nicht gefunden. Belegt sind nur Rahmenvorgaben: möglichst nicht weniger als eine Sitzung pro Woche (Leitlinie, Expertenkonsens), keine Kurzinterventionen unter drei Monaten außerhalb strukturierter Angebote (NICE).19,20
Belege dünn: ehrlich gekennzeichnet
Evidenzlücke
- mindestens 1 Sitzung pro WocheDie Therapie sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten und möglichst eine Sitzung pro Woche nicht unterschreiten.19
- nicht unter 3 Monatenkurze Interventionen unter drei Monaten sollen außerhalb strukturierter Angebote nicht eingesetzt werden.20
Das sind Rahmenvorgaben aus Leitlinien, keine gemessene Dosis-Wirkungs-Beziehung.
Schritt 7 von 9
Medikamente gegenüber Placebo
Für Antipsychotika, Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer schließen die Konfidenzintervalle für die Symptomschwere jeweils den Wert null ein; Lamotrigin war in LABILE wirkungslos.9,42
Cochrane 2022: SMD gegenüber Placebo, Symptomschwere, 95-%-KI9
Antidepressiva +0,27 und Stimmungsstabilisierer +0,07 nach dem Ergebnisteil des Volltexts; alle drei Intervalle schließen null ein.
LABILE: Lamotrigin gegenüber Placebo nach 52 Wochen, ZAN-BPD-Punkte, 95-%-KI42
Zwei getrennte Grafiken: verschiedene Studien und Maße, nicht gegeneinander lesen.
Schritt 8 von 9
Nebenwirkungen und Polypharmazie
Unerwünschte Ereignisse wurden schlecht berichtet; behandelte Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung erhielten in den von der Leitlinie zitierten Studien im Mittel 2,4 bis 2,8 Psychopharmaka gleichzeitig. Kein Medikament ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen (Off-Label).9,19
Gleichzeitig verordnete Psychopharmaka, Mittelwerte aus Studien, die die Leitlinie zitiert19
Achse 0 bis 4 Präparate
Unerwünschte Ereignisse wurden in den Medikamentenstudien schlecht und meist nicht standardisiert berichtet.9
In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19
Schritt 9 von 9
Dosis-Wirkung bei Medikamenten
Für Persönlichkeitsstörungen liegen keine belegten Dosis-Wirkungs-Daten vor; deshalb zeigt die Grafik hier bewusst keine Kurve.9
Belege dünn: ehrlich gekennzeichnet
Bewusst keine Kurve
Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9
Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Psychotherapie
- übliche Behandlung
- nicht signifikant
- Abbruch
- kein Unterschied
- kleinster relevanter Unterschied
KernsatzSie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.
Alle Werte der Geschichte als Tabelle
| Schritt | Wert |
|---|---|
| 1 Skala | ZAN-BPD 0 bis 36; kleinster relevanter Unterschied 3,0 Punkte8 |
| 2 Psychotherapie gegenüber Standard | MD −3,6 (95-%-KI −4,4 bis −2,08); SMD −0,52 (−0,70 bis −0,33)8 |
| 3 Verfahren im Vergleich | BOOTS d 0,15 (−0,17 bis 0,47); DBT und GPM ohne signifikanten Unterschied25,36 |
| 4 Ansprechen | 24 % (15 bis 36) gegenüber 15 %; RR 1,47 (0,90 bis 2,39)55 |
| 5 Abbrüche | BOOTS 34/29 % (1 Jahr), 52/46 % (2 Jahre); Jugendliche Abschluss 75,6/55,2 %36,37 |
| 6 „Dosis“ Psychotherapie | keine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse; Rahmen: ≥ 1 Sitzung pro Woche, nicht unter 3 Monaten19,20 |
| 7 Medikamente gegenüber Placebo | SMD −0,18 (−0,45 bis 0,08), +0,27 (−0,65 bis 1,18), +0,07 (−0,43 bis 0,57); LABILE 0,1 (−1,8 bis 2,0)9,42 |
| 8 Polypharmazie | 2,4 bis 2,8 Präparate im Mittel; unerwünschte Ereignisse schlecht berichtet9,19 |
| 9 Dosis-Wirkung Medikamente | keine belegten Daten, keine Kurve9 |
Quellen: Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354; Cuijpers P et al. · World Psychiatry 202455; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842
Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen
Die folgenden Studien sind einzeln dargestellt: wer teilnahm, was verglichen wurde, wie lange und mit welchem Ergebnis. Sie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.
Dialektisch-Behaviorale Therapie
In einer Folgestudie mit 101 Frauen war unter DBT das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch wie unter Behandlung durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen. Die Behandlung dauerte ein Jahr, die Nachbeobachtung ein weiteres. Therapieabbrüche waren unter DBT seltener.35 Bei 173 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko, nicht zwingend mit Borderline-Diagnose, senkte DBT im Vergleich zu supportiver Einzel- und Gruppentherapie Suizidversuche und Selbstverletzungen nach sechs Monaten (Quotenverhältnis für Suizidversuche 0,30); nach zwölf Monaten war der Vorteil nicht mehr signifikant.37 Teilnehmende waren überwiegend Mädchen aus 4 US-Zentren; ein Erratum betrifft nur die Interessenerklärungen.37 Bei 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien, behandelt an drei deutschen Hochschulambulanzen, wirkten DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie; DBT-PTBS war leicht überlegen (d = 0,33). Unter den Autorinnen und Autoren sind Vertreter beider Verfahren.31
Mentalisierungsbasierte Therapie
Acht Jahre nach Studienbeginn zeigten sich in der MBT-Gruppe weiterhin Vorteile, etwa bei Suizidalität (23 gegenüber 74 Prozent) und beim Diagnosestatus (13 gegenüber 87 Prozent); nachuntersucht wurden 41 Personen.43 In einer ambulanten Studie mit 134 Patientinnen und Patienten besserten sich unter 18 Monaten MBT und unter strukturiertem klinischem Management beide Gruppen deutlich; unter MBT gingen Suizidversuche und Klinikaufenthalte stärker zurück.39 Die Studie stammt von der Entwicklergruppe des Verfahrens; unabhängige Wiederholungen wurden ausdrücklich gefordert.39
Schematherapie
In einer internationalen Studie mit 495 Teilnehmenden in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland, war Schematherapie in kombinierter Einzel- und Gruppenform über zwei Jahre der optimierten Standardbehandlung überlegen, die überwiegend in Gruppen durchgeführte Form dagegen nicht signifikant. Der Effekt der kombinierten Form lag bei Cohen d 1,14 (Konfidenzintervall 0,57 bis 1,71).40 Die BOOTS-Studie mit 204 Teilnehmenden in 9 niederländischen Zentren fand zwischen DBT und Schematherapie über drei Jahre keinen signifikanten Unterschied; beide gingen mit deutlichen Verbesserungen einher. Nach zwei Jahren hatten 52 Prozent die DBT und 46 Prozent die Schematherapie abgebrochen. Der Unterschied lag bei Cohen d 0,15 (Konfidenzintervall −0,17 bis 0,47); die Studie war nicht darauf angelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.36
Übertragungsfokussierte Psychotherapie
Eine Studie mit 90 Patientinnen und Patienten verglich ein Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT und supportive Therapie. In allen drei Gruppen besserten sich Depression, Angst und Funktionsniveau; TFP und DBT gingen mit weniger Suizidalität einher.24
Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum. Keine Rangfolge.
- Archives of General Psychiatry2006
DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)
101 Teilnehmende
Suizidversuche, Notfallbehandlungen, Klinikaufenthalte
- American Journal of Psychiatry2009
DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)
180 Teilnehmende
Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung
- American Journal of Psychiatry2009
MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman 2009)
134 Teilnehmende
Krisenereignisse (Suizidversuche, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)
- Archives of General Psychiatry2006
Schematherapie gegenüber übertragungsfokussierter Psychotherapie (Giesen-Bloo 2006)
88 Teilnehmende
Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI-IV), Lebensqualität
- American Journal of Psychiatry2007
TFP, DBT und supportive Therapie im Vergleich (Clarkin 2007)
90 Teilnehmende
Suizidalität, Aggression, Impulsivität, Angst, Depression, soziale Anpassung
- JAMA Psychiatry2022
Schematherapie in Gruppe und Einzel gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)
495 Teilnehmende
Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI) über die Zeit
- JAMA Psychiatry2026
DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)
204 Teilnehmende
Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI) bis 36 Monate
Studie 1 von 7
DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)
- Wer und was
- Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und aktuellem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten; DBT gegenüber Therapie durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen
- Teilnehmende
- 101
- Endpunkt
- Suizidversuche, Notfallbehandlungen, Klinikaufenthalte
- Ergebnis
- Unter DBT war ein Suizidversuch etwa halb so wahrscheinlich (Hazard Ratio 2,66 zugunsten DBT); weniger Therapieabbrüche.35
- Grenzen
- Nur Frauen; Erratum vorhanden.
Studie 2 von 7
DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)
- Wer und was
- Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren; 1 Jahr DBT gegenüber strukturiertem psychiatrischem Management
- Teilnehmende
- 180
- Endpunkt
- Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung
- Ergebnis
- Kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen deutlich gebessert.25
- Grenzen
- Erratum vorhanden; ein Land.
Studie 3 von 7
MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman 2009)
- Wer und was
- Ambulante Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung; 18 Monate MBT gegenüber strukturiertem klinischem Management
- Teilnehmende
- 134
- Endpunkt
- Krisenereignisse (Suizidversuche, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)
- Ergebnis
- Beide Gruppen deutlich gebessert; unter MBT stärkerer Rückgang.39
- Grenzen
- Entwicklergruppe; unabhängige Replikation gefordert.
Studie 4 von 7
Schematherapie gegenüber übertragungsfokussierter Psychotherapie (Giesen-Bloo 2006)
- Wer und was
- Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung in 4 Ambulanzen; 3 Jahre Schematherapie oder TFP mit zwei Sitzungen pro Woche
- Teilnehmende
- 88
- Endpunkt
- Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI-IV), Lebensqualität
- Ergebnis
- Beide wirksam; unter Schematherapie häufiger Erholung (relatives Risiko 2,18).23
- Grenzen
- Erratum vorhanden (Inhalt nicht zugänglich).
Studie 5 von 7
TFP, DBT und supportive Therapie im Vergleich (Clarkin 2007)
- Wer und was
- Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung; je 1 Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT oder supportive Therapie
- Teilnehmende
- 90
- Endpunkt
- Suizidalität, Aggression, Impulsivität, Angst, Depression, soziale Anpassung
- Ergebnis
- Besserung in allen drei Gruppen; TFP und DBT mit weniger Suizidalität verbunden.24
- Grenzen
- Kleine Gruppen; Entwicklergruppe der TFP beteiligt.
Studie 6 von 7
Schematherapie in Gruppe und Einzel gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)
- Wer und was
- Ambulante Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, 15 Zentren in 5 Ländern; 2 Jahre Schematherapie (überwiegend Gruppe oder kombiniert) gegenüber optimaler Standardbehandlung
- Teilnehmende
- 495
- Endpunkt
- Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI) über die Zeit
- Ergebnis
- Kombinierte Form der Standardbehandlung überlegen (Cohen d 1,14; 95-Prozent-Intervall 0,57 bis 1,71); überwiegend Gruppe nicht signifikant.40
- Grenzen
- Clusterweise Randomisierung; Entwicklergruppe beteiligt.
Studie 7 von 7
DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)
- Wer und was
- Ambulante Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, 9 niederländische Zentren; 2 Jahre DBT oder Schematherapie, Nachbeobachtung bis 36 Monate
- Teilnehmende
- 204
- Endpunkt
- Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI) bis 36 Monate
- Ergebnis
- Kein signifikanter Unterschied (Cohen d 0,15; 95-Prozent-Intervall -0,17 bis 0,47); deutliche Besserung in beiden Gruppen.36
- Grenzen
- Überlegenheitsstudie, kein Nachweis der Gleichwertigkeit; hohe Abbruchraten.
Schlüsselstudien: wie sie aufgebaut waren
Klicken Sie auf einen Abschnitt der Zeitachse: Randomisierung, Behandlung, Nachbeobachtung, Endpunkte. Jede Studie steht für sich; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.
Sie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten. Alle Kacheln sind gleich groß und chronologisch geordnet; jede Studie hat ihre eigene Zeitachse und Skala. Medikamentenarme ohne Dosisangabe.
- 1991Linehan 199134Archives of General Psychiatry
Verringert ein Jahr DBT selbstschädigendes Verhalten gegenüber der üblichen Behandlung?
- n randomisiert
- im Abstract nicht genannt
- Dauer
- 12 Monate
- Population
- Frauen, Selbstverletzung
Wirkt eine mentalisierungsbasierte teilstationäre Behandlung auch Jahre später noch?
- n randomisiert
- 38 (1999); 41 nachuntersucht (2008)
- Dauer
- bis 18 Monate MBT, 18 Monate Gruppe; Nachuntersuchung nach 8 Jahren
- Population
- Erwachsene, teilstationär
- 2006Linehan 200635Archives of General Psychiatry
Senkt DBT Suizidversuche stärker als eine Therapie durch erfahrene Fachleute anderer Richtungen?
- n randomisiert
- 101 Frauen
- Dauer
- 12 Monate Therapie, 12 Monate Nachbeobachtung
- Population
- Frauen, Suizidalität
- 2006Giesen-Bloo 200623Archives of General Psychiatry
Unterscheiden sich Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie über drei Jahre?
- n randomisiert
- 88 (ausgewertet 44 und 42)
- Dauer
- 3 Jahre, 2 Sitzungen pro Woche
- Population
- Erwachsene, 4 Ambulanzen
- 2007Clarkin 200724American Journal of Psychiatry
Wie verändern sich Beschwerden unter drei verschiedenen Psychotherapien über ein Jahr?
- n randomisiert
- 90
- Dauer
- 12 Monate
- Population
- Erwachsene, drei Arme
- 2009McMain 200925American Journal of Psychiatry
Ist DBT einem strukturierten allgemeinpsychiatrischen Management überlegen?
- n randomisiert
- 180
- Dauer
- 12 Monate
- Population
- Erwachsene, Selbstverletzung
- 2009Bateman und Fonagy 200939American Journal of Psychiatry
Gehen Krisen unter ambulanter MBT stärker zurück als unter strukturiertem klinischem Management?
- n randomisiert
- 134
- Dauer
- 18 Monate
- Population
- Erwachsene, ambulant
Wie verändert sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung über zehn und mehr Jahre?
- n gesamt
- 290 (McLean), 175 (CLPS)
- Dauer
- 10 bis 16 Jahre
- Population
- Langzeitbeobachtung
- 2018McCauley 201837JAMA Psychiatry
Senkt DBT bei Jugendlichen mit hohem Suizidrisiko Suizidversuche und Selbstverletzungen?
- n randomisiert
- 173
- Dauer
- 6 Monate Behandlung, 12 Monate Beobachtung
- Population
- Jugendliche, Suizidrisiko
- 2018LABILE, Crawford 201842American Journal of Psychiatry
Bessert Lamotrigin die Borderline-Symptomatik im Vergleich zu Placebo?
- n randomisiert
- 276
- Dauer
- 52 Wochen
- Population
- Erwachsene, ohne bipolare Störung
Wie gut passen dimensionale und kategoriale Einteilungen zusammen, und was ist zur ICD-11 publiziert?
- n gesamt
- 305 Patientinnen und Patienten, 302 Personen aus der Bevölkerung
- Dauer
- Querschnitt
- Population
- Klassifikation
- 2020Bohus 202031JAMA Psychiatry
Wirkt eine an DBT angelehnte Traumatherapie besser als kognitive Verarbeitungstherapie?
- n randomisiert
- 193 (98 und 95)
- Dauer
- 1 Jahr Therapie, 15 Monate Beobachtung
- Population
- Frauen, PTBS mit Borderline-Merkmalen
Was zeigen alle randomisierten Studien zusammen, für Psychotherapie und für Medikamente?
- n gesamt
- 75 Studien, 4.507 Teilnehmende; 46 Studien, 2.769 Teilnehmende
- Dauer
- Studien unterschiedlicher Dauer
- Population
- Übersichten, viele Studien
- 2022Arntz 202240JAMA Psychiatry
Hilft Schematherapie in Gruppenform oder kombiniert mit Einzeltherapie mehr als eine optimierte Standardbehandlung?
- n randomisiert
- 495
- Dauer
- 2 Jahre
- Population
- Erwachsene, 5 Länder
- 2026BOOTS, Wibbelink 202636JAMA Psychiatry
Unterscheiden sich DBT und Schematherapie über drei Jahre?
- n randomisiert
- 204 (95 und 109)
- Dauer
- 2 Jahre Therapie, Beobachtung bis 36 Monate
- Population
- Erwachsene, 9 Zentren
Archives of General Psychiatry · 1991 · RCT
DBT gegenüber üblicher Behandlung (Linehan 1991)
Verringert ein Jahr DBT selbstschädigendes Verhalten gegenüber der üblichen Behandlung?
1 · Einschluss
Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und chronischem parasuizidalem Verhalten
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT.
3 · Arme
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)n nicht berichtet
- übliche Behandlung in der Gemeinden nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
Behandlung04812Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: Zuteilung zu DBT oder zur üblichen Behandlung in der Gemeinde.
Messung: Messungen alle vier Monate.
Messung: Messungen alle vier Monate.
Ende: Ende der einjährigen Behandlung.
- Randomisierung (Monat 0): Zuteilung zu DBT oder zur üblichen Behandlung in der Gemeinde.
- Messung (Monat 4): Messungen alle vier Monate.
- Messung (Monat 8): Messungen alle vier Monate.
- Ende (Monat 12): Ende der einjährigen Behandlung.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Parasuizid (Häufigkeit, medizinische Schwere)34
Ergebnis: Richtung der Unterschiede
- Selbstschädigende Handlungen
- seltener und weniger schwer unter DBT
- Klinikaufenthaltstage
- weniger unter DBT
- Depression, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken
- kein Unterschied zwischen den Gruppen
- Effektgröße und 95-%-KI
- im Abstract nicht berichtet
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Verfahren. In der ersten randomisierten Studie hatten Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und wiederholter Selbstverletzung unter einem Jahr DBT seltener und weniger schwere selbstschädigende Handlungen und weniger Klinikaufenthaltstage als unter üblicher Behandlung.34
Bei Depression, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken fand diese frühe Studie dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.34
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
American Journal of Psychiatry · 1999/2008 · RCT mit 8-Jahres-Nachbeobachtung
MBT in teilstationärer Form (Bateman & Fonagy 1999, Nachbeobachtung 2008)
Wirkt eine mentalisierungsbasierte teilstationäre Behandlung auch Jahre später noch?
1 · Einschluss
38 Patient:innen mit BPS; 41 Nachuntersuchte nach 8 Jahren
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT mit 8-Jahres-Nachbeobachtung.
3 · Arme
- MBT teilstationär, danach Erhaltungstherapie in der Gruppen nicht berichtet
- psychiatrische Standardversorgungn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
MBTGruppeNachbeobachtung024487296Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 38 Patientinnen und Patienten (Abstract 1999).
Besserung: Besserungen begannen nach 6 Monaten.
Ende MBT: Teilstationäre Behandlung höchstens 18 Monate; danach 18 Monate Erhaltungstherapie in der Gruppe.
8 Jahre: Nachuntersuchung acht Jahre nach Studienbeginn; 41 Personen nachuntersucht.
- Randomisierung (Monat 0): 38 Patientinnen und Patienten (Abstract 1999).
- Besserung (Monat 6): Besserungen begannen nach 6 Monaten.
- Ende MBT (Monat 18): Teilstationäre Behandlung höchstens 18 Monate; danach 18 Monate Erhaltungstherapie in der Gruppe.
- 8 Jahre (Monat 96): Nachuntersuchung acht Jahre nach Studienbeginn; 41 Personen nachuntersucht.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Suizidversuche und Selbstverletzung; Klinikaufnahmen38,43
Acht Jahre nach Studienbeginn: MBT-Gruppe gegenüber Standardversorgung
Achse 0 bis 100 %
Achse 0 bis 100 %
Achse 0 bis 100 %
Achse 0 bis 4 Jahre
Effekt und KI
- 95-%-KI
- in den Abstracts nicht angegeben; Werte sind Anteile je Gruppe
Die Mentalisierungsbasierte Therapie stammt aus der psychoanalytischen Tradition: In der ersten Studie mit 38 Patientinnen und Patienten war eine psychoanalytisch orientierte Tagesklinikbehandlung über bis zu 18 Monate der psychiatrischen Standardversorgung überlegen. Die Gruppe war klein, die Autoren forderten eine Wiederholung mit mehr Teilnehmenden.38
Acht Jahre nach Studienbeginn zeigten sich in der MBT-Gruppe weiterhin Vorteile, etwa bei Suizidalität (23 gegenüber 74 Prozent) und beim Diagnosestatus (13 gegenüber 87 Prozent); nachuntersucht wurden 41 Personen.43
Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome: Auch acht Jahre nach Beginn einer Studie zur Mentalisierungsbasierten Therapie blieb es eingeschränkt, trotz anhaltender Vorteile bei Suizidalität und Diagnosestatus.43
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
6 · Grenzen
Sehr kleine Stichproben, Entwicklergruppe.38 In den Abstracts 38 Zugeteilte (1999) und 41 Nachuntersuchte (2008); die Differenz ist dort nicht erklärt.
Quelle: Bateman A, Fonagy P: Effectiveness of partial hospitalization in the treatment of borderline personality disorder: a randomized controlled trial. American Journal of Psychiatry 199938
Quelle: Bateman A, Fonagy P: 8-year follow-up of patients treated for borderline personality disorder: mentalization-based treatment versus treatment as usual. American Journal of Psychiatry 200843
Archives of General Psychiatry · 2006 · RCT, verblindete Endpunktbewertung
DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)
Senkt DBT Suizidversuche stärker als eine Therapie durch erfahrene Fachleute anderer Richtungen?
1 · Einschluss
101 Frauen mit aktuellem suizidalem/selbstverletzendem Verhalten
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT, verblindete Endpunktbewertung.
3 · Arme
- DBTn nicht berichtet
- Therapie durch Expertinnen und Experten anderer Richtungenn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
BehandlungNachbeobachtung06121824Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 101 Frauen mit aktuellem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten.
Ende Behandlung: Ein Jahr Therapie.
Ende Nachbeobachtung: Ein weiteres Jahr Nachbeobachtung; die Endpunkte bewerteten verblindete Untersuchende.
- Randomisierung (Monat 0): 101 Frauen mit aktuellem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten.
- Ende Behandlung (Monat 12): Ein Jahr Therapie.
- Ende Nachbeobachtung (Monat 24): Ein weiteres Jahr Nachbeobachtung; die Endpunkte bewerteten verblindete Untersuchende.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Suizidversuche; Notfallbehandlungen35
Ergebnis
- Suizidversuch
- Hazard Ratio 2,66 (Expertinnen und Experten gegenüber DBT): Risiko unter DBT etwa halb so hoch
- Therapieabbruch
- Hazard Ratio 3,2 zugunsten DBT
- 95-%-KI
- Konfidenzintervall in den geprüften Belegen nicht angegeben
In einer Folgestudie mit 101 Frauen war unter DBT das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch wie unter Behandlung durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen. Die Behandlung dauerte ein Jahr, die Nachbeobachtung ein weiteres. Therapieabbrüche waren unter DBT seltener.35
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
6 · Grenzen
Nur Frauen; Erratum vorhanden.35
Quelle: Linehan MM, Comtois KA, Murray AM, Brown MZ, Gallop RJ, Heard HL, et al.: Two-year randomized controlled trial and follow-up of dialectical behavior therapy vs therapy by experts for suicidal behaviors and borderline personality disorder. Archives of General Psychiatry 200635
Archives of General Psychiatry · 2006 · multizentrisches RCT, zwei Arme
Schematherapie gegenüber TFP (Giesen-Bloo 2006)
Unterscheiden sich Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie über drei Jahre?
1 · Einschluss
88 Patient:innen mit BPS, 4 Ambulanzen
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: multizentrisches RCT, zwei Arme.
3 · Arme
- Schematherapien = 44
- Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)n = 42
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
Behandlung, 2 Sitzungen pro Woche0122436Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 88 Patientinnen und Patienten in 4 Ambulanzen.
1 Jahr: Messungen alle 3 Monate.
2 Jahre: Messungen alle 3 Monate.
Ende: Drei Jahre Behandlung.
- Randomisierung (Monat 0): 88 Patientinnen und Patienten in 4 Ambulanzen.
- 1 Jahr (Monat 12): Messungen alle 3 Monate.
- 2 Jahre (Monat 24): Messungen alle 3 Monate.
- Ende (Monat 36): Drei Jahre Behandlung.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: BPDSI-IV23
Ergebnis
- Erholung
- relatives Risiko 2,18 zugunsten Schematherapie (p = 0,04)
- Reliable klinische Besserung
- relatives Risiko 2,33 (p = 0,009)
- Therapieabbruch
- höher unter TFP (p = 0,01)
- 95-%-KI
- Konfidenzintervall in den geprüften Belegen nicht angegeben
Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23
6 · Grenzen
Erratum ohne zugänglichen Inhalt; drei Leserbriefe mit Kritik an der TFP-Umsetzung (Arch Gen Psychiatry 2007;64:609 bis 611).23
Quelle: Giesen-Bloo J, van Dyck R, Spinhoven P, van Tilburg W, Dirksen C, van Asselt T, et al.: Outpatient psychotherapy for borderline personality disorder: randomized trial of schema-focused therapy vs transference-focused psychotherapy. Archives of General Psychiatry 200623
American Journal of Psychiatry · 2007 · RCT, drei Arme, verblindete Beurteilung
TFP, DBT und supportive Therapie (Clarkin 2007)
Wie verändern sich Beschwerden unter drei verschiedenen Psychotherapien über ein Jahr?
1 · Einschluss
90 Patient:innen mit BPS
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT, drei Arme, verblindete Beurteilung.
3 · Arme
- Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)n nicht berichtet
- DBTn nicht berichtet
- dynamisch-supportive Therapien nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
Behandlung04812Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 90 Patientinnen und Patienten, drei Arme.
Messung: Verblindete Beurteilung alle vier Monate.
Messung: Verblindete Beurteilung alle vier Monate.
Ende: Ein Jahr Behandlung.
- Randomisierung (Monat 0): 90 Patientinnen und Patienten, drei Arme.
- Messung (Monat 4): Verblindete Beurteilung alle vier Monate.
- Messung (Monat 8): Verblindete Beurteilung alle vier Monate.
- Ende (Monat 12): Ein Jahr Behandlung.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Suizidalität; Aggression; Impulsivität; Angst; Depression; soziale Anpassung24
Ergebnis
- Depression, Angst, Funktionsniveau
- Besserung in allen drei Gruppen
- Suizidalität
- Besserung unter TFP und DBT
- Effektgröße und 95-%-KI
- in den geprüften Belegen nicht als Zahl angegeben
Eine Studie mit 90 Patientinnen und Patienten verglich ein Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT und supportive Therapie. In allen drei Gruppen besserten sich Depression, Angst und Funktionsniveau; TFP und DBT gingen mit weniger Suizidalität einher.24
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
American Journal of Psychiatry · 2009 · RCT, einfach verblindet
DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)
Ist DBT einem strukturierten allgemeinpsychiatrischen Management überlegen?
1 · Einschluss
180 Patient:innen mit BPS, ≥ 2 Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT, einfach verblindet.
3 · Arme
- DBTn nicht berichtet
- General Psychiatric Management (strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management)n nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
Behandlung04812Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 180 Patientinnen und Patienten mit mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren.
Messung: Messung zu Beginn und alle vier Monate.
Messung: Messung zu Beginn und alle vier Monate.
Ende: Ein Jahr Behandlung.
- Randomisierung (Monat 0): 180 Patientinnen und Patienten mit mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren.
- Messung (Monat 4): Messung zu Beginn und alle vier Monate.
- Messung (Monat 8): Messung zu Beginn und alle vier Monate.
- Ende (Monat 12): Ein Jahr Behandlung.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung25
Ergebnis
- Suizidale und nicht-suizidale Selbstverletzung
- kein signifikanter Unterschied
- Verlauf
- beide Gruppen deutlich gebessert
- Effektgröße und 95-%-KI
- in den geprüften Belegen nicht angegeben
Strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management wurde in einer kanadischen Studie mit 180 Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren hatten, über ein Jahr mit DBT verglichen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
American Journal of Psychiatry · 2009 · RCT, verblindete Bewertung
MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman & Fonagy 2009)
Gehen Krisen unter ambulanter MBT stärker zurück als unter strukturiertem klinischem Management?
1 · Einschluss
134 ambulante Patient:innen mit BPS
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT, verblindete Bewertung.
3 · Arme
- MBT ambulantn nicht berichtet
- Structured Clinical Management (strukturiertes klinisches Management)n nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
Behandlung061218Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 134 ambulante Patientinnen und Patienten.
Messung: Verblindete Bewertung alle sechs Monate.
Messung: Verblindete Bewertung alle sechs Monate.
Ende: Ende nach 18 Monaten.
- Randomisierung (Monat 0): 134 ambulante Patientinnen und Patienten.
- Messung (Monat 6): Verblindete Bewertung alle sechs Monate.
- Messung (Monat 12): Verblindete Bewertung alle sechs Monate.
- Ende (Monat 18): Ende nach 18 Monaten.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Krisenereignisse (Suizidversuch, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)39
Ergebnis
- Krisenereignisse (Suizidversuche, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)
- Rückgang in beiden Gruppen, stärker unter MBT
- Effektgröße und 95-%-KI
- in den geprüften Belegen nicht als Zahl angegeben
In einer ambulanten Studie mit 134 Patientinnen und Patienten besserten sich unter 18 Monaten MBT und unter strukturiertem klinischem Management beide Gruppen deutlich; unter MBT gingen Suizidversuche und Klinikaufenthalte stärker zurück.39
Die Studie stammt von der Entwicklergruppe des Verfahrens; unabhängige Wiederholungen wurden ausdrücklich gefordert.39
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
American Journal of Psychiatry · Archives of General Psychiatry · 2010/2012/2011 · Prospektive Kohorten
Verlaufsstudien McLean (Zanarini 2010/2012) und CLPS (Gunderson 2011)
Wie verändert sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung über zehn und mehr Jahre?
1 · Einschluss
290 stationär rekrutierte Patient:innen mit BPS (+72 andere PS); 175 BPS, 312 Cluster C, 95 Depression
2 · Beobachtung
Keine Randomisierung: dieselben Menschen werden über viele Jahre beobachtet; die Behandlung wurde nicht kontrolliert.
3 · Gruppen
- Borderline (McLean)n = 290
- andere Persönlichkeitsstörungen (McLean)n = 72
- Borderline (CLPS)n = 175
- Cluster C (CLPS)n = 312
- Depression (CLPS)n = 95
4 · Dauer und Messpunkte
Jahre ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
McLean: Interviews alle 2 Jahre0481216Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Einschluss: 290 stationär aufgenommene Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (McLean); 175 behandlungssuchende (CLPS).
10 Jahre: McLean: 93 Prozent Remission über mindestens 2 Jahre. CLPS: 85 Prozent Remission, 12 Prozent Rückfall.
16 Jahre: McLean: Remission 78 bis 99 Prozent je nach geforderter Dauer, Genesung 40 bis 60 Prozent.
- Einschluss (Jahr 0): 290 stationär aufgenommene Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (McLean); 175 behandlungssuchende (CLPS).
- 10 Jahre (Jahr 10): McLean: 93 Prozent Remission über mindestens 2 Jahre. CLPS: 85 Prozent Remission, 12 Prozent Rückfall.
- 16 Jahre (Jahr 16): McLean: Remission 78 bis 99 Prozent je nach geforderter Dauer, Genesung 40 bis 60 Prozent.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: je Analyse eigener Endpunkt7,44,51
Anteile nach Studie (eigene Bezugsgröße je Ansicht)
Achse 0 bis 100 %
Achse 0 bis 100 %
McLean, 16 Jahre: Spannen je nach geforderter Dauer
Remission78 bis 99 %Genesung40 bis 60 %Rückfall10 bis 36 %Achse 0 bis 100 %
Zur Verlaufsgrafik mit Definitionen
Langzeitstudien zur Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen deutliche Veränderungen: In der McLean-Studie erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission). Die Teilnehmenden waren stationär aufgenommen worden, ihre Behandlung wurde nicht kontrolliert.7
Nur 50 Prozent erreichten eine Genesung im weiteren Sinn, also zusätzlich ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau; 34 Prozent verloren diese Genesung wieder. Nach einer mindestens zweijährigen Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall, nach einer mindestens vierjährigen 15 Prozent.7
Nach 16 Jahren lagen die Remissionsraten in der McLean-Studie je nach geforderter Dauer (2 bis 8 Jahre) zwischen 78 und 99 Prozent, die Genesungsraten zwischen 40 und 60 Prozent. Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor, häufiger als bei 72 Vergleichspersonen mit anderen Persönlichkeitsstörungen (4 bis 7 Prozent).51
In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate). So definiert remittierten 85 Prozent der 175 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung innerhalb von zehn Jahren, 12 Prozent erlitten einen Rückfall. Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44
6 · Grenzen
Behandlungssuchende US-Stichproben; Behandlung nicht kontrolliert.7
Quelle: Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G: Time to attainment of recovery from borderline personality disorder and stability of recovery: A 10-year prospective follow-up study. American Journal of Psychiatry 20107
Quelle: Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G: Attainment and stability of sustained symptomatic remission and recovery among patients with borderline personality disorder and axis II comparison subjects: a 16-year prospective follow-up study. American Journal of Psychiatry 201251
Quelle: Gunderson JG, Stout RL, McGlashan TH, Shea MT, Morey LC, Grilo CM, et al.: Ten-year course of borderline personality disorder: psychopathology and function from the Collaborative Longitudinal Personality Disorders study. Archives of General Psychiatry 201144
JAMA Psychiatry · 2018 · RCT, adaptive Randomisierung
DBT bei suizidgefährdeten Jugendlichen (McCauley 2018)
Senkt DBT bei Jugendlichen mit hohem Suizidrisiko Suizidversuche und Selbstverletzungen?
1 · Einschluss
173 Jugendliche 12 bis 18 Jahre mit früherem Suizidversuch (keine Borderline-Diagnose als Einschlusskriterium), 4 US-Zentren
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: RCT, adaptive Randomisierung.
3 · Arme
- DBTn nicht berichtet
- individuelle und Gruppen-Supportivtherapien nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
BehandlungNachbeobachtung036912Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 173 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko; adaptive Randomisierung.
Ende Behandlung: Sechs Monate Behandlung; Hauptvergleich nach 6 Monaten.
Ende Nachbeobachtung: Zwischen 6 und 12 Monaten kein signifikanter Unterschied mehr.
- Randomisierung (Monat 0): 173 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko; adaptive Randomisierung.
- Ende Behandlung (Monat 6): Sechs Monate Behandlung; Hauptvergleich nach 6 Monaten.
- Ende Nachbeobachtung (Monat 12): Zwischen 6 und 12 Monaten kein signifikanter Unterschied mehr.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Suizidversuche; nicht-suizidale Selbstverletzung; Selbstschädigung gesamt37
Quotenverhältnis (OR), 95-%-KI, logarithmische Achse
Suizidversuch, 6 Monate0,10,250,51240,300,10 bis 0,91nicht-suizidale Selbstverletzung, 6 Monate0,10,250,51240,320,13 bis 0,706 bis 12 Monate0,10,250,51240,650,12 bis 3,36← seltener unter DBThäufiger unter DBT →Behandlung abgeschlossen
Achse 0 bis 100 %
Bei 173 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko, nicht zwingend mit Borderline-Diagnose, senkte DBT im Vergleich zu supportiver Einzel- und Gruppentherapie Suizidversuche und Selbstverletzungen nach sechs Monaten (Quotenverhältnis für Suizidversuche 0,30); nach zwölf Monaten war der Vorteil nicht mehr signifikant.37
Teilnehmende waren überwiegend Mädchen aus 4 US-Zentren; ein Erratum betrifft nur die Interessenerklärungen.37
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
6 · Grenzen
Erratum betrifft nur Interessenerklärungen; überwiegend Mädchen; keine BPS-Stichprobe.37
Quelle: McCauley E, Berk MS, Asarnow JR, Adrian M, Cohen J, Korslund K, et al.: Efficacy of Dialectical Behavior Therapy for Adolescents at High Risk for Suicide: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 201837
American Journal of Psychiatry · 2018 · multizentrisches, doppelblindes, placebokontrolliertes RCT
Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)
Bessert Lamotrigin die Borderline-Symptomatik im Vergleich zu Placebo?
1 · Einschluss
276 Erwachsene mit BPS ohne bipolare Störung/Psychose, Rekrutierung 2013 bis 2016
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: multizentrisches, doppelblindes, placebokontrolliertes RCT.
3 · Arme
- Lamotrigin (Studienarm, ohne Dosisangabe)n nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
doppelblinde Behandlung013263952Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 276 Erwachsene, doppelblinde Zuteilung zu Lamotrigin oder Placebo; ausgeschlossen waren bipolare Störung und Psychose.
Endpunkt: Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen; 70,6 Prozent nachuntersucht.
- Randomisierung (Woche 0): 276 Erwachsene, doppelblinde Zuteilung zu Lamotrigin oder Placebo; ausgeschlossen waren bipolare Störung und Psychose.
- Endpunkt (Woche 52): Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen; 70,6 Prozent nachuntersucht.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: ZAN-BPD nach 52 Wochen42
ZAN-BPD nach 52 Wochen (Skala 0 bis 36, niedriger = weniger Beschwerden)
Achse 0 bis 36 Punkte
Adjustierte Mittelwertdifferenz (Punkte), 95-%-KI
Lamotrigin gegenüber Placebo−4−2024+0,1−1,8 bis 2,0Einnahme der Studienmedikation nach 52 Wochen
Achse 0 bis 100 %
In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42
Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
World Psychiatry · Psychological Medicine · 2018/2024 · Bericht (WHO) und Querschnittstudie (AMPD-Konvergenz)
ICD-11-Klassifikation: Feldstudien und Validität
Wie gut passen dimensionale und kategoriale Einteilungen zusammen, und was ist zur ICD-11 publiziert?
1 · Einschluss
Feldtests der ICD-11-PS-Leitlinien 2018 (Ergebnisse zu PS nicht gefunden); 305 Patient:innen + 302 Personen aus der Bevölkerung (AMPD)
2 · Vergleich
Kein Therapievergleich: zwei Einteilungen werden an denselben Menschen verglichen.
3 · Gruppen
- alternatives DSM-5-Modell (dimensional)n nicht berichtet
- kategoriales DSM-Modelln nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Querschnittstudie und Klassifikationsbericht: keine Zeitachse.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Übereinstimmung der Modelle5,10
Übereinstimmung der Modelle und Stand der ICD-11-Feldtests
- irgendeine Persönlichkeitsstörung
- sehr gute Übereinstimmung
- zusammengefasste Persönlichkeitsstörungen
- gute Übereinstimmung
- einzelne Persönlichkeitsstörungen
- variable Übereinstimmung
- ICD-11-Feldtests 2018
- Ergebnisse speziell zu Persönlichkeitsstörungen in den geprüften Journalen nicht gefunden
Nach den WHO-Autoren ist die dimensionale Schweregradeinstufung für nicht spezialisierte Versorgung einfacher und klinisch nützlicher als die ICD-10-Kategorien.17
Zur interaktiven ICD-11-Grafik
Kategorien und Dimensionen schließen sich in der Praxis nicht aus: In einer Studie mit 305 ambulanten Patientinnen und Patienten und 302 im Screening auffälligen Personen aus der Bevölkerung, die nicht in Behandlung waren, erkannte das alternative dimensionale DSM-5-Modell insgesamt ähnlich viele und weitgehend dieselben Menschen mit Persönlichkeitsstörung wie das kategoriale Modell.10
Für einzelne Persönlichkeitsstörungen stimmten die beiden Modelle allerdings nur unterschiedlich gut überein.10
6 · Grenzen
Keine publizierten ICD-11-Feldstudienergebnisse speziell zu PS in zugelassenen Journalen gefunden; ehrlich als Lücke dargestellt.10
Quelle: Reed GM: Progress in developing a classification of personality disorders for ICD-11. World Psychiatry 20185
Quelle: Clark LA, Ro E, Nuzum H, Vanderbleek EN, Allen X: Personality disorder coverage, prevalence, and convergence: do the DSM-5's two models of personality disorder identify the same patients?. Psychological Medicine 202410
JAMA Psychiatry · 2020 · multizentrisches RCT, verblindete Bewertung
DBT-PTBS gegenüber kognitiver Verarbeitungstherapie (Bohus 2020)
Wirkt eine an DBT angelehnte Traumatherapie besser als kognitive Verarbeitungstherapie?
1 · Einschluss
193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und ≥ 3 DSM-5-BPS-Kriterien, 3 deutsche Hochschulambulanzen
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: multizentrisches RCT, verblindete Bewertung.
3 · Arme
- DBT-PTBSn = 98
- Cognitive Processing Therapy (kognitive Verarbeitungstherapie)n = 95
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
bis 45 EinzelsitzungenBeobachtung03691215Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien; drei deutsche Hochschulambulanzen.
Ende Hauptphase: Bis zu 45 Einzelsitzungen innerhalb eines Jahres, dazu 3 weitere.
Ende: Endpunkt CAPS-5 über 15 Monate.
- Randomisierung (Monat 0): 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien; drei deutsche Hochschulambulanzen.
- Ende Hauptphase (Monat 12): Bis zu 45 Einzelsitzungen innerhalb eines Jahres, dazu 3 weitere.
- Ende (Monat 15): Endpunkt CAPS-5 über 15 Monate.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: CAPS-5 über 15 Monate31
Gruppendifferenz CAPS-5 (Punkte), 95-%-KI
DBT-PTBS gegenüber kognitiver Verarbeitungstherapie−20246810+4,820,67 bis 8,96Vorteil DBT-PTBS →Symptomatische Remission
Achse 0 bis 100 %
Bei 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien, behandelt an drei deutschen Hochschulambulanzen, wirkten DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie; DBT-PTBS war leicht überlegen (d = 0,33). Unter den Autorinnen und Autoren sind Vertreter beider Verfahren.31
6 · Grenzen
Nur Frauen; Autor:innen vertreten beide Verfahren (Bohus, Resick).31
Quelle: Bohus M, Kleindienst N, Hahn C, Müller-Engelmann M, Ludäscher P, Steil R, et al.: Dialectical Behavior Therapy for Posttraumatic Stress Disorder (DBT-PTSD) Compared With Cognitive Processing Therapy (CPT) in Complex Presentations of PTSD in Women Survivors of Childhood Abuse: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 202031
Cochrane Database of Systematic Reviews · 2020/2022 · Systematische Reviews mit Meta-Analyse, GRADE
Cochrane-Reviews Psychotherapie (Storebø 2020) und Medikamente (Stoffers-Winterling 2022)
Was zeigen alle randomisierten Studien zusammen, für Psychotherapie und für Medikamente?
1 · Einschluss der Studien
75 RCTs, 4.507 Teilnehmende (Psychotherapie); 46 RCTs, 2.769 Teilnehmende (Medikamente)
2 · Zusammenfassung
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Gruppen
- Psychotherapien gegenüber Standardbehandlungn nicht berichtet
- Medikamente gegenüber Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Zusammenfassung vieler Einzelstudien mit unterschiedlicher Dauer: keine gemeinsame Zeitachse.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: je Analyse eigener Endpunkt8,9
Psychotherapie: standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD), Symptomschwere, 95-%-KI
Psychotherapie gegenüber Standardbehandlung−1,5−1−0,500,511,5−0,52−0,70 bis −0,33DBT gegenüber Standardbehandlung−1,5−1−0,500,511,5−0,60−1,05 bis −0,14← Vorteil BehandlungVorteil Vergleich →Medikamente: SMD gegenüber Placebo, Symptomschwere, 95-%-KI
Antipsychotika−1,5−1−0,500,511,5−0,18−0,45 bis 0,08Antidepressiva−1,5−1−0,500,511,5+0,27−0,65 bis 1,18Stimmungsstabilisierer−1,5−1−0,500,511,5+0,07−0,43 bis 0,57← Vorteil MedikamentVorteil Placebo →Weitere Werte
- MBT gegenüber Standardbehandlung, Selbstverletzung
- relatives Risiko 0,62 (95-%-KI 0,49 bis 0,8)
- Lesart Medikamente
- Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer nach dem Ergebnisteil des Volltexts mit positivem Vorzeichen; der Abstract nennt negative Werte
Ein Cochrane-Review mit 75 randomisierten Studien und 4.507 Teilnehmenden fand, dass Psychotherapie die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung verringert (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,52; mäßige Evidenzqualität). Nur dieser Endpunkt erreichte die Schwelle klinischer Relevanz.8
Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9
Für Antipsychotika lag der Unterschied zu Placebo bei der Symptomschwere als standardisierte Mittelwertdifferenz bei −0,18 (Konfidenzintervall −0,45 bis 0,08), also ohne gesicherten Effekt.9
Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
6 · Grenzen
Mäßige bis sehr niedrige Evidenzqualität; Panels nicht gegeneinander zu lesen. Negative Werte = Vorteil für die Behandlung; bei Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern weicht das Vorzeichen im Abstract vom Ergebnisteil ab (Volltext maßgeblich).8
Quelle: Storebø OJ, Stoffers-Winterling JM, Völlm BA, Kongerslev MT, Mattivi JT, Jørgensen MS, et al.: Psychological therapies for people with borderline personality disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews 20208
Quelle: Stoffers-Winterling JM, Storebø OJ, Pereira Ribeiro J, Kongerslev MT, Völlm BA, Mattivi JT, et al.: Pharmacological interventions for people with borderline personality disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews 20229
JAMA Psychiatry · 2022 · multizentrisches RCT, drei Arme (Kohorten-Randomisierung)
Schematherapie Gruppe/kombiniert gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)
Hilft Schematherapie in Gruppenform oder kombiniert mit Einzeltherapie mehr als eine optimierte Standardbehandlung?
1 · Einschluss
495 ambulante Erwachsene mit BPS, 15 Zentren, 5 Länder (inkl. Deutschland)
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: multizentrisches RCT, drei Arme (Kohorten-Randomisierung).
3 · Arme
- überwiegend Gruppen-Schematherapien nicht berichtet
- kombinierte Einzel- und Gruppen-Schematherapien nicht berichtet
- optimierte Standardbehandlungn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
2 Sitzungen pro WocheBehandlung06121824Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 495 Teilnehmende in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland; Zuteilung nach Kohorten.
1 Jahr: Im ersten Jahr zwei Sitzungen pro Woche.
Ende: Zwei Jahre Behandlung; Endpunkt Borderline-Schwere (BPDSI) über die Zeit.
- Randomisierung (Monat 0): 495 Teilnehmende in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland; Zuteilung nach Kohorten.
- 1 Jahr (Monat 12): Im ersten Jahr zwei Sitzungen pro Woche.
- Ende (Monat 24): Zwei Jahre Behandlung; Endpunkt Borderline-Schwere (BPDSI) über die Zeit.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: BPDSI über die Zeit40
Cohen d gegenüber Standardbehandlung, 95-%-KI
Schematherapie gesamt−0,500,511,52+0,730,29 bis 1,18kombinierte Form−0,500,511,52+1,140,57 bis 1,71überwiegend Gruppe−0,500,511,52+0,30−0,29 bis 0,89← Vorteil StandardbehandlungVorteil Schematherapie →Haltequote nach 2 Jahren (Anteil, der in Behandlung blieb)
In einer internationalen Studie mit 495 Teilnehmenden in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland, war Schematherapie in kombinierter Einzel- und Gruppenform über zwei Jahre der optimierten Standardbehandlung überlegen, die überwiegend in Gruppen durchgeführte Form dagegen nicht signifikant. Der Effekt der kombinierten Form lag bei Cohen d 1,14 (Konfidenzintervall 0,57 bis 1,71).40
6 · Grenzen
Entwicklergruppe beteiligt.40 Clusterweise Randomisierung.
Quelle: Arntz A, Jacob GA, Lee CW, Brand-de Wilde OM, Fassbinder E, Harper RP, et al.: Effectiveness of Predominantly Group Schema Therapy and Combined Individual and Group Schema Therapy for Borderline Personality Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 202240
JAMA Psychiatry · 2026 · multizentrisches Überlegenheits-RCT, verblindete Bewertung
DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)
Unterscheiden sich DBT und Schematherapie über drei Jahre?
1 · Einschluss
204 ambulante Erwachsene mit BPS, 9 niederländische Zentren
2 · Randomisierung
Zufällige Zuteilung: multizentrisches Überlegenheits-RCT, verblindete Bewertung.
3 · Arme
- DBTn = 95
- Schematherapien = 109
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Studienbeginn, Achse dieser Studie
BehandlungNachbeobachtung061218243036Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort geschah.
Randomisierung: 204 Erwachsene in 9 niederländischen Zentren.
1 Jahr: Abbruch nach einem Jahr: DBT 34 Prozent, Schematherapie 29 Prozent.
Ende Behandlung: Abbruch nach zwei Jahren: DBT 52 Prozent, Schematherapie 46 Prozent.
36 Monate: Endpunkt Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI-5); Unterschied −1,09 Punkte.
- Randomisierung (Monat 0): 204 Erwachsene in 9 niederländischen Zentren.
- 1 Jahr (Monat 12): Abbruch nach einem Jahr: DBT 34 Prozent, Schematherapie 29 Prozent.
- Ende Behandlung (Monat 24): Abbruch nach zwei Jahren: DBT 52 Prozent, Schematherapie 46 Prozent.
- 36 Monate (Monat 36): Endpunkt Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI-5); Unterschied −1,09 Punkte.
5 · Endpunkt und Ergebnis mit Effekt und Konfidenzintervall
Endpunkt: Änderungsrate BPDSI-5 bis 36 Monate36
Unterschied DBT gegenüber Schematherapie, Cohen d, 95-%-KI
DBT gegenüber Schematherapie−0,500,51+0,15−0,17 bis 0,47Therapieabbruch
Achse 0 bis 100 %
Achse 0 bis 100 %
Die BOOTS-Studie mit 204 Teilnehmenden in 9 niederländischen Zentren fand zwischen DBT und Schematherapie über drei Jahre keinen signifikanten Unterschied; beide gingen mit deutlichen Verbesserungen einher. Nach zwei Jahren hatten 52 Prozent die DBT und 46 Prozent die Schematherapie abgebrochen. Der Unterschied lag bei Cohen d 0,15 (Konfidenzintervall −0,17 bis 0,47); die Studie war nicht darauf angelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.36
6 · Grenzen
Kein Äquivalenznachweis.36 Hohe Abbruchraten in beiden Gruppen.
Quelle: Wibbelink CJM, Kamphuis JH, Sinnaeve R, Grasman RPPP, Alberts J, Alkema M, et al.: Dialectical Behavior Therapy vs Schema Therapy for Patients With Borderline Personality Disorder: The BOOTS Multicenter Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 202636
Für diese Kombination liegt hier keine Studie vor.
- Psychotherapie
- Vergleichsbehandlung
- Standard oder Vergleichsgruppe
- Medikament
- Placebo
- nicht signifikant
KernsatzEine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist54.
Alle Studiendesigns als Tabelle
| Studie | Population | Endpunkt | Ergebnis (wie in den Belegen berichtet) | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| DBT gegenüber üblicher Behandlung (Linehan 1991)34 | Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und chronischem parasuizidalem Verhalten | Parasuizid (Häufigkeit, medizinische Schwere) | Parasuizid: zugunsten DBT; Depression, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken: kein Gruppenunterschied | Kleine Stichprobe, nur Frauen, Effektgrößen im Abstract nicht berichtet. |
| MBT in teilstationärer Form (Bateman & Fonagy 1999, Nachbeobachtung 2008)38,43 | 38 Patient:innen mit BPS; 41 Nachuntersuchte nach 8 Jahren | Suizidversuche und Selbstverletzung; Klinikaufnahmen | Suizidalität (8 J.): 23 % vs. 74 %; Diagnose erfüllt (8 J.): 13 % vs. 87 %; Funktionsniveau > 60: 45 % vs. 10 %; Arbeit/Ausbildung: 3,2 vs. 1,2 Jahre | Sehr kleine Stichproben, Entwicklergruppe. |
| DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)35 | 101 Frauen mit aktuellem suizidalem/selbstverletzendem Verhalten | Suizidversuche; Notfallbehandlungen | Suizidversuch: Hazard Ratio 2,66 (Expert:innen gegenüber DBT); Therapieabbruch: Hazard Ratio 3,2 | Nur Frauen; Erratum vorhanden. |
| Schematherapie gegenüber TFP (Giesen-Bloo 2006)23 | 88 Patient:innen mit BPS, 4 Ambulanzen | BPDSI-IV | Erholung: RR 2,18; reliable Besserung: RR 2,33; Abbruch: höher unter TFP | Erratum ohne zugänglichen Inhalt; drei Leserbriefe mit Kritik an der TFP-Umsetzung (Arch Gen Psychiatry 2007;64:609 bis 611). |
| TFP, DBT und supportive Therapie (Clarkin 2007)24 | 90 Patient:innen mit BPS | Suizidalität; Aggression; Impulsivität; Angst; Depression; soziale Anpassung | Depression, Angst, Funktion: Besserung in allen Armen; Suizidalität: Besserung unter TFP und DBT | Kleine Arme; TFP-Entwicklergruppe beteiligt. |
| DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)25 | 180 Patient:innen mit BPS, ≥ 2 Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren | Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung | alle Endpunkte: kein signifikanter Unterschied; Besserung in beiden Gruppen | Erratum vorhanden. |
| MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman & Fonagy 2009)39 | 134 ambulante Patient:innen mit BPS | Krisenereignisse (Suizidversuch, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme) | alle: Besserung in beiden Armen, stärker unter MBT | Entwicklergruppe; unabhängige Replikation gefordert. |
| Verlaufsstudien McLean (Zanarini 2010/2012) und CLPS (Gunderson 2011)7,44,51 | 290 stationär rekrutierte Patient:innen mit BPS (+72 andere PS); 175 BPS, 312 Cluster C, 95 Depression | je Analyse eigener Endpunkt | Remission ≥ 2 J. (10 J.): 93 %; Remission ≥ 4 J.: 86 %; Recovery (10 J.): 50 %; Rückfall nach ≥ 2 J. / ≥ 4 J. Remission: 30 % / 15 %; Rückfall (16 J.): 10 bis 36 %; Remission (16 J.): 78 bis 99 %; Recovery (16 J.): 40 bis 60 %; CLPS Remission/Rückfall: 85 % / 12 % | Behandlungssuchende US-Stichproben; Behandlung nicht kontrolliert. |
| DBT bei suizidgefährdeten Jugendlichen (McCauley 2018)37 | 173 Jugendliche 12 bis 18 Jahre mit früherem Suizidversuch (keine Borderline-Diagnose als Einschlusskriterium), 4 US-Zentren | Suizidversuche; nicht-suizidale Selbstverletzung; Selbstschädigung gesamt | Suizidversuch (6 Monate): OR 0,30 (95-%-KI 0,1 bis 0,91); nicht-suizidale Selbstverletzung: OR 0,32 (95-%-KI 0,13 bis 0,7); 6 bis 12 Monate: OR 0,65 (95-%-KI 0,12 bis 3,36); Abschluss: 75,6 % vs. 55,2 % | Erratum betrifft nur Interessenerklärungen; überwiegend Mädchen; keine BPS-Stichprobe. |
| Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)42 | 276 Erwachsene mit BPS ohne bipolare Störung/Psychose, Rekrutierung 2013 bis 2016 | ZAN-BPD nach 52 Wochen | ZAN-BPD: 11,3 vs. 11,5; adjustierte Differenz 0,1 (95-%-KI −1,8 bis 2); Einnahme nach 52 Wochen: 36 % vs. 42 % | Geringe Einnahmetreue. |
| ICD-11-Klassifikation: Feldstudien und Validität5,10 | Feldtests der ICD-11-PS-Leitlinien 2018 (Ergebnisse zu PS nicht gefunden); 305 Patient:innen + 302 Personen aus der Bevölkerung (AMPD) | Übereinstimmung der Modelle | AMPD vs. Abschnitt II, irgendeine PS: sehr gute Übereinstimmung; einzelne PS: variabel | Keine publizierten ICD-11-Feldstudienergebnisse speziell zu PS in zugelassenen Journalen gefunden; ehrlich als Lücke dargestellt. |
| DBT-PTBS gegenüber kognitiver Verarbeitungstherapie (Bohus 2020)31 | 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und ≥ 3 DSM-5-BPS-Kriterien, 3 deutsche Hochschulambulanzen | CAPS-5 über 15 Monate | CAPS-5 Gruppendifferenz: 4,82 Punkte; d 0,33 (95-%-KI 0,67 bis 8,96); Remission: 58,4 % vs. 40,7 % | Nur Frauen; Autor:innen vertreten beide Verfahren (Bohus, Resick). |
| Cochrane-Reviews Psychotherapie (Storebø 2020) und Medikamente (Stoffers-Winterling 2022)8,9 | 75 RCTs, 4.507 Teilnehmende (Psychotherapie); 46 RCTs, 2.769 Teilnehmende (Medikamente) | je Analyse eigener Endpunkt | Psychotherapie vs. TAU, Symptomschwere: SMD −0,52 (95-%-KI −0,7 bis −0,33); DBT vs. TAU: SMD −0,60 (95-%-KI −1,05 bis −0,14); MBT vs. TAU, Selbstverletzung: RR 0,62 (95-%-KI 0,49 bis 0,8); Antipsychotika vs. Placebo: SMD −0,18 (95-%-KI −0,45 bis 0,08); Antidepressiva vs. Placebo: SMD +0,27 (Vorzeichen nach dem Ergebnisteil des Volltexts) (95-%-KI −0,65 bis 1,18); Stimmungsstabilisierer vs. Placebo: SMD +0,07 (Vorzeichen nach dem Ergebnisteil des Volltexts) (95-%-KI −0,43 bis 0,57) | Mäßige bis sehr niedrige Evidenzqualität; Panels nicht gegeneinander zu lesen. Negative Werte = Vorteil für die Behandlung; bei Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern weicht das Vorzeichen im Abstract vom Ergebnisteil ab (Volltext maßgeblich). |
| Schematherapie Gruppe/kombiniert gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)40 | 495 ambulante Erwachsene mit BPS, 15 Zentren, 5 Länder (inkl. Deutschland) | BPDSI über die Zeit | ST gesamt vs. TAU: d 0,73 (95-%-KI 0,29 bis 1,18); kombiniert vs. TAU: d 1,14 (95-%-KI 0,57 bis 1,71); Gruppe vs. TAU: d 0,30 (95-%-KI −0,29 bis 0,89); Haltequote 2 Jahre: 0,74 vs. 0,62 | Entwicklergruppe beteiligt. |
| DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)36 | 204 ambulante Erwachsene mit BPS, 9 niederländische Zentren | Änderungsrate BPDSI-5 bis 36 Monate | BPDSI-5 (36 Monate): Differenz −1,09; d 0,15 (95-%-KI −0,17 bis 0,47); Abbruch 1/2 Jahre: DBT 34/52 %, ST 29/46 % | Kein Äquivalenznachweis. |
Quellen: Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 199134; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 199938; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200843; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 200635; Giesen-Bloo J et al. · Archives of General Psychiatry 200623; Clarkin JF et al. · American Journal of Psychiatry 200724; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200939; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 201251; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Reed GM · World Psychiatry 20185; Clark LA et al. · Psychological Medicine 202410; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031; Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; Arntz A et al. · JAMA Psychiatry 202240; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354
Erklärvideo · 43 s
Studiendesign: Dialektisch-Behaviorale Therapie im Vergleich
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Wie prüft eine Studie, ob eine Psychotherapie wirkt? In einer Folgestudie wurden 101 Frauen per Zufall verteilt: auf Dialektisch-Behaviorale Therapie oder auf erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten anderer Richtungen. Nach einem Jahr Behandlung folgte ein Jahr Nachbeobachtung; verblindete Untersuchende bewerteten die Endpunkte. Unter DBT war das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch, Abbrüche waren seltener. Das ist eine einzelne Studie, keine Prognose. Bei Suizidgedanken erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 116 123.3,4,35
Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen und ihre begrenzte Evidenz
Keine Zulassung
In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19
Was die Studien zeigen
Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9 17 der Studien waren ganz oder teilweise von der pharmazeutischen Industrie finanziert. Der Review kommt zu dem Schluss, dass kein Medikament die Borderline-Psychopathologie gezielt wirksam behandelt.9
In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42
Wann Medikamente eine Rolle spielen
Die britische NICE-Leitlinie rät, Medikamente nicht gezielt gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einzelne ihrer Symptome einzusetzen; sedierende Mittel können in Krisen kurzzeitig erwogen werden, höchstens für eine Woche. Antipsychotika sollen nicht mittel- oder langfristig gegeben werden.20 Nach der deutschen Leitlinie sollen Medikamente nicht die primäre Therapie sein. Ergänzend zur Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz für umschriebene Symptome erwogen werden; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.19 Bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung reicht die Evidenz laut einem Cochrane-Review mit 11 Studien und 416 Teilnehmenden nicht aus, um Schlussfolgerungen zu Medikamenten zu ziehen.30
Für Antipsychotika lag der Unterschied zu Placebo bei der Symptomschwere als standardisierte Mittelwertdifferenz bei −0,18 (Konfidenzintervall −0,45 bis 0,08), also ohne gesicherten Effekt.9
| Quelle | Befund |
|---|---|
| Cochrane-Review, 46 Studien | kein Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten9 |
| LABILE-Studie, 276 Teilnehmende | Lamotrigin nach 52 Wochen nicht besser als Placebo42 |
| Deutsche S3-Leitlinie (2022, Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung) | keine Zulassung in Deutschland, Off-Label19,45 |
| NICE-Leitlinie | nicht gezielt gegen die Störung; in Krisen höchstens eine Woche20 |
Keine Dosierungsangaben; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.9,19,20,42,45
Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum. Keine Rangfolge.
- American Journal of Psychiatry2018
Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)
276 Teilnehmende
Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen
Studie 1 von 1
Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)
- Wer und was
- Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ohne bipolare Störung oder Psychose; Lamotrigin gegenüber Placebo, doppelblind
- Teilnehmende
- 276
- Endpunkt
- Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen
- Ergebnis
- Kein Unterschied (adjustierte Mittelwertdifferenz 0,1 Punkte; 95-Prozent-Intervall -1,8 bis 2,0).42
- Grenzen
- Nach 52 Wochen nahm nur ein Teil die Studienmedikation ein.
Medikamente: was die Studien zeigen
Placebo-kontrollierte Studien und Reviews. Kein Medikament ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen; dieser Beitrag nennt bewusst keine Dosierungen.
Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zulassung
Deutschland (S3-Leitlinie, Fassung 2022)
0
zugelassene Medikamente zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung19
In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19
Die Gültigkeit dieser Leitlinie ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen; eine Überarbeitung ist angemeldet und für den 31.12.2028 geplant. Ihre Empfehlungen dienen bis dahin als Orientierung.45
Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Abruf 5. Oktober 2026
Befund der Faktenprüfung vom 5. Oktober 2026 in der EMA-Arzneimittelliste. Nationale Zulassungen beim BfArM wurden nicht gesondert geprüft.
Placebo-Studien
Cochrane-Review 2022: 46 Studien, 2.769 Teilnehmende9
SMD Symptomschwere, 95-%-KI9. Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9
17 der Studien waren ganz oder teilweise von der pharmazeutischen Industrie finanziert. Der Review kommt zu dem Schluss, dass kein Medikament die Borderline-Psychopathologie gezielt wirksam behandelt.9
LABILE-Studie: Lamotrigin42
In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42
Unerwünschte Ereignisse wurden in den Medikamentenstudien schlecht und meist nicht standardisiert berichtet.9
Leitlinien
Britische Leitlinie (NICE)
Die britische NICE-Leitlinie rät, Medikamente nicht gezielt gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einzelne ihrer Symptome einzusetzen; sedierende Mittel können in Krisen kurzzeitig erwogen werden, höchstens für eine Woche. Antipsychotika sollen nicht mittel- oder langfristig gegeben werden.20
Deutsche S3-Leitlinie
Nach der deutschen Leitlinie sollen Medikamente nicht die primäre Therapie sein. Ergänzend zur Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz für umschriebene Symptome erwogen werden; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.19
Achse 0 bis 4 Präparate
Antisoziale Persönlichkeitsstörung
Medikamente bei antisozialer Persönlichkeitsstörung
Bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung reicht die Evidenz laut einem Cochrane-Review mit 11 Studien und 416 Teilnehmenden nicht aus, um Schlussfolgerungen zu Medikamenten zu ziehen.30
Auch psychologische Behandlungen sind wenig untersucht
Für psychologische Behandlungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung gibt es laut einem Cochrane-Review mit 19 Studien nur sehr begrenzte Evidenz; kein Verfahren zeigte überzeugende Belege für eine Veränderung antisozialen Verhaltens.56
- nicht signifikant
- kein Unterschied
- Spanne
KernsatzFür kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9
Evidenzkarte als Tabelle
| Frage | Befund |
|---|---|
| Zulassung Deutschland | kein Medikament für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen; Off-Label19 |
| Zulassung EU (EMA, Abruf 05.10.2026) | 0 von 2.746 zentral zugelassenen Präparaten mit Indikation Persönlichkeitsstörung57 |
| Cochrane 2022 | 46 Studien, 2.769 Teilnehmende: kein Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten9 |
| LABILE | Lamotrigin nach 52 Wochen nicht besser als Placebo (0,1; −1,8 bis 2,0)42 |
| NICE | nicht gezielt gegen die Störung; in Krisen höchstens eine Woche20 |
| S3-Leitlinie | nicht primäre Therapie; zeitlich begrenzt für umschriebene Symptome19 |
| Antisoziale PS | Evidenz reicht nicht für Schlussfolgerungen30 |
Quellen: European Medicines Agency (EMA) · EMA 202657; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; AWMF-Leitlinienregister · AWMF-Leitlinienregister 202645; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Gibbon S et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202056; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Khalifa NR et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202030
Erklärvideo · 39 s
Medikamente: was Placebo-Studien zeigen
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
In Deutschland ist kein Medikament für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Ein Cochrane-Review mit 46 Studien fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten. Bei Antipsychotika, Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern schließen die Konfidenzintervalle den Wert null ein. In der LABILE-Studie unterschied sich Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Begleiterkrankungen werden nach eigenen Leitlinien behandelt. Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenständig ab; besprechen Sie Änderungen ärztlich.8,9,19,42
Krise und Notfall
Hilfe sofort
Wenn Sie an Selbsttötung denken oder sich in einer akuten Krise befinden: Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie den Notruf 112. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann.4 Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar. Die Angaben wurden am 5. Oktober 2026 geprüft.3
- 112Unmittelbare Lebensgefahr
- 116 117Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstunden
- 0800 111 0 111TelefonSeelsorge, kostenfrei
- 0800 111 0 222TelefonSeelsorge, kostenfrei
- 116 123TelefonSeelsorge, kostenfrei
Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst. Stand der Nummern: 05.10.20263,4
Krisenplan

Diese Hinweise ersetzen keinen persönlichen Notfallplan. Besprechen Sie Ihr Vorgehen mit Ihrem Behandlungsteam.
Fallvignetten zum differenzialdiagnostischen Vorgehen bei Persönlichkeitsstörungen
Die folgenden Fallvignetten sind erfundene, veranschaulichende Verläufe und beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie Ärztinnen und Ärzte differenzialdiagnostisch vorgehen: vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung bis zur vorläufigen Einordnung. Jede medizinische Aussage ist durch die zitierten Studien, Leitlinien und Klassifikationen gedeckt; eine Prognose für Einzelne lässt sich daraus nicht ableiten.
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 1Rasch wechselnde Gefühle bei Borderline-Persönlichkeitsstörung, bipolarer Störung oder beidem?

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 2Impulsivität seit der Schulzeit als Zeichen von Erwachsenen-ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder beidem?

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 3Wesensänderung im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsstörung oder neurologischer Ursache?

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 4Rückzug und Angst vor Kritik bei sozialer Angststörung oder ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung?

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 5Belastende Kindheit und instabile Beziehungen bei komplexer PTBS oder Borderline-Persönlichkeitsstörung?
Fallvignetten: Schritt für Schritt abklären
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall. Klicken Sie sich durch die Schritte und überlegen Sie, was Sie als Nächstes abklären würden.
Die folgenden Fallvignetten sind erfundene, veranschaulichende Verläufe und beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie Ärztinnen und Ärzte differenzialdiagnostisch vorgehen: vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung bis zur vorläufigen Einordnung. Jede medizinische Aussage ist durch die zitierten Studien, Leitlinien und Klassifikationen gedeckt; eine Prognose für Einzelne lässt sich daraus nicht ableiten. Die Vignetten sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose.
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Rasch wechselnde Gefühle bei Borderline-Persönlichkeitsstörung, bipolarer Störung oder beidem?
Eine junge erwachsene Person
1 BeschwerdebildSeit der Jugend
Gefühle wechseln häufig, meist nach Konflikten in Beziehungen. Dazu kommen Gefühle von Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und wiederholt selbstschädigendes Verhalten.18,21
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Frage trennt eine bipolare Störung am ehesten ab?
2 LeitfragenIm Erstgespräch
Gab es abgegrenzte Phasen mit gehobener oder gereizter Stimmung, unabhängig von äußeren Anlässen? Oder sind die Wechsel häufig und reaktiv?18
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Hilfsmittel unterstützen die Einordnung?
3 AbklärungIn den folgenden Wochen
Eine Lebensverlaufskurve und ein Stimmungskalender helfen, Episoden von reaktiven Gefühlswechseln zu unterscheiden.18
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Schließen sich beide Diagnosen aus?
4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Auswertung
Bipolare Störungen zeigen abgegrenzte, meist nicht reaktive Phasen; hier überwiegen häufige, reaktive Wechsel.18
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Was gilt, wenn beides vorliegt?
5 Vorläufige EinordnungVorläufig
Das Bild passt eher zu einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Liegen beide Störungen vor, ist die Belastung nach einer Studie meist größer, was in der Planung berücksichtigt wird.21,22
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie geht es weiter?
6 Weiteres VorgehenIm Verlauf
Besprochen wird eine strukturierte Psychotherapie; mehrere Verfahren sind untersucht, keines ist eindeutig überlegen. Für Krisen wird gemeinsam ein Krisenplan erstellt.20,54
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Impulsivität seit der Schulzeit als Zeichen von Erwachsenen-ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder beidem?
Eine erwachsene Person
1 BeschwerdebildSeit Jahren
Die Person handelt oft vorschnell, gerät in Konflikte und beschreibt starke Gefühlsausbrüche. Unruhe und Ablenkbarkeit bestanden schon in der Schulzeit.21
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Leitfrage hilft bei der Unterscheidung?
2 LeitfragenIm Gespräch
Tritt die Impulsivität nur unter emotionalem Stress auf, oder auch in ruhigen Situationen? Gab es Hinweise schon in der Kindheit?19
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Was sagt der Beginn in der Kindheit?
3 AbklärungErgänzend
ADHS ist eine neuronale Entwicklungsstörung; deshalb zählen Angaben zur Kindheit, auf Wunsch auch von Angehörigen.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Merkmale sprechen gegen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives Verhalten in der Regel an emotionalen Stress gebunden.19
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Können beide Diagnosen nebeneinander stehen?
5 Vorläufige EinordnungVorläufig
Möglich ist eine Erwachsenen-ADHS; die Abgrenzung zu einer Persönlichkeitsstörung mit Enthemmung klärt der Verlauf.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie geht es weiter?
6 Weiteres VorgehenIm Verlauf
Bestätigt sich zusätzlich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, stehen mehrere untersuchte Psychotherapien zur Verfügung; keine ist anderen eindeutig überlegen.54
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Neurologischer Bezug
Wesensänderung im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsstörung oder neurologischer Ursache?
Eine Person im mittleren Lebensalter
1 BeschwerdebildSeit einigen Monaten
Angehörige berichten, die Person wirke seit einigen Monaten gleichgültig, misstrauisch und zeitweise enthemmt; früher sei sie nicht so gewesen.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Was ist die wichtigste Leitfrage?
2 LeitfragenIm Gespräch
Ist das Muster neu? Eine Persönlichkeitsänderung ohne äußeren Anlass im mittleren Alter lenkt den Blick auf körperliche Ursachen und Substanzen.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche körperlichen Ursachen kommen in Frage?
3 AbklärungNeurologische Untersuchung
Abgeklärt werden etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, epileptische Anfälle, Enzephalitis, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie wird eine Demenz abgegrenzt?
4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach den Befunden
Entscheidend ist der zeitliche Zusammenhang mit der Erkrankung; bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten nach.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Einordnung ist möglich?
5 Vorläufige EinordnungVorläufig
Möglich ist eine organische Persönlichkeitsstörung im Sinne der ICD-10, etwa ein Frontalhirnsyndrom.32
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie geht es weiter?
6 Weiteres VorgehenIm Verlauf
Die körperliche Ursache steht im Mittelpunkt; die Einordnung wird im Verlauf überprüft.32
Was die Vignette zeigt: Warum eine neu auftretende Wesensänderung im mittleren Lebensalter neurologisch abgeklärt werden sollte.
Was sie nicht zeigt: Keine Ferndiagnose bei Angehörigen und keine Aussage über einzelne Erkrankungen oder deren Behandlung.1
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Rückzug und Angst vor Kritik bei sozialer Angststörung oder ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung?
Eine erwachsene Person
1 BeschwerdebildSeit der Jugend
Die Person beschreibt Anspannung und Unsicherheit, die Furcht vor Kritik und Zurückweisung und meidet viele Kontakte, obwohl sie sich Nähe wünscht.21
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Frage ist zuerst zu klären?
2 LeitfragenIm Gespräch
Betrifft das Muster nur bestimmte Situationen, oder mehrere Bereiche des Erlebens, etwa das Denken über sich, Beziehungen und Gefühle?6
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie hängen beide Störungen zusammen?
3 AbklärungErgänzend
Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung teilen in einer Zwillingsstudie dieselben genetischen Einflüsse; welche Störung sich entwickelt, hängt von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie würde die ICD-11 das beschreiben?
4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung
Die ICD-11 würde die auffälligsten Merkmalsbereiche benennen; welche das sind, ergibt erst die Untersuchung.5
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Einordnung ist möglich?
5 Vorläufige EinordnungVorläufig
Möglich ist eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, gegebenenfalls zusammen mit einer sozialen Angststörung.21,26
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Behandlung ist untersucht?
6 Weiteres VorgehenIm Verlauf
Bei Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen sind psychodynamische Kurzzeittherapie, kognitive Therapie und Schematherapie in Studien untersucht.27,41
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Belastende Kindheit und instabile Beziehungen bei komplexer PTBS oder Borderline-Persönlichkeitsstörung?
Eine erwachsene Person
1 BeschwerdebildSeit vielen Jahren
Die Person berichtet von Misshandlung in der Kindheit, starken Gefühlsschwankungen und schwierigen Beziehungen.47
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Worauf achten Fachleute bei der Abgrenzung?
2 LeitfragenIm Gespräch
Stehen Vermeidung, Bedrohungsgefühl und ein stabil negatives Selbstbild im Vordergrund oder Verlassenheitsangst?1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Erklärt die Vorgeschichte die Diagnose?
3 AbklärungErgänzend
Belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko für eine Persönlichkeitsstörung, sind aber kein Beweis für eine bestimmte Diagnose.47
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Wie wird die Diagnose gesichert?
4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung
Ein halbstrukturiertes Interview unterstützt die Abgrenzung der Borderline-Persönlichkeitsstörung von anderen psychischen Störungen.16
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Einordnung ist möglich?
5 Vorläufige EinordnungVorläufig
Möglich ist eine PTBS mit Borderline-Merkmalen; für diese Kombination gibt es eine Behandlungsstudie, allerdings nur mit Frauen.31
Was würden Sie als Nächstes abklären?
Welche Behandlung ist untersucht?
6 Weiteres VorgehenIm Verlauf
Für Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien wurden DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie in einer Studie verglichen; beide wirkten.31
Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4
- aufgedeckt
- noch verdeckt
- Abgrenzung
KernsatzEine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.
Quellen: World Health Organization · WHO 20241; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Johnson JG et al. · Archives of General Psychiatry 199947; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354; Svartberg M et al. · American Journal of Psychiatry 200427; Bamelis LL et al. · American Journal of Psychiatry 201441; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031
Versorgung bei NEVPAZ in Hamburg
Die Privatpraxis NEVPAZ GmbH am Dammtorwall 7a in 20354 Hamburg arbeitet interdisziplinär mit Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie zusammen. Nach Angabe der Praxisleitung (Dr. med. Amir Golsari, Stand 5. Oktober 2026) sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich; das ist eine Praxisangabe, kein Literaturbeleg. Ob ein Gespräch per Video im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg; die Musterberufsordnung (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) ist nur ein Muster. Oft ist ein persönlicher Termin nötig, und körperliche und neurologische Untersuchungen finden vor Ort statt. Einen Termin fragen Sie über das Kontaktformular auf nevpaz.de oder telefonisch unter 040 238 353 790 an. Die Praxis ist kein Notdienst; Hilfe in akuten Krisen finden Sie im Abschnitt „Krise und Notfall“.
Häufige Fragen zu Persönlichkeitsstörungen
Was sind Persönlichkeitsstörungen, einfach erklärt?
Persönlichkeitsstörungen sind lang anhaltende Muster des Erlebens und Verhaltens, die deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens. Gemeint sind nicht einzelne Eigenheiten, sondern Muster, die Leiden oder Einschränkungen verursachen.6
Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Wie werden Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 diagnostiziert?
Nach der ICD-11 wird zuerst der Schweregrad bestimmt: leicht (Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten), mittelgradig (deutliche Probleme in den meisten Beziehungen) oder schwer (nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt). Anschließend werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt.1,5
Wie viele Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Im DSM-5-TR sind es zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen. Die ICD-11 zählt keine Einzeltypen mehr, sondern beschreibt eine Persönlichkeitsstörung mit Schweregrad und den zutreffenden Merkmalsbereichen.6
Ist eine Persönlichkeitsstörung eine Krankheit?
Ja, wenn bestimmte Muster lange anhalten, deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche des Erlebens und Verhaltens betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens. Das DSM-5-TR beschreibt zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen. Einzelne ausgeprägte Eigenheiten sind dagegen keine Störung.6
Ist eine Persönlichkeitsstörung heilbar?
Ein Heilversprechen gibt es nicht, aber deutliche Veränderungen sind häufig. In einer Langzeitstudie mit stationär aufgenommenen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung waren nach 16 Jahren je nach geforderter Dauer 78 bis 99 Prozent in Remission; eine Genesung mit gutem Funktionsniveau erreichten 40 bis 60 Prozent, Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor. Das sind Gruppenwerte.51
Ist eine Persönlichkeitsstörung vererbbar oder angeboren?
Erbanlagen spielen eine Rolle, erklären aber nur einen Teil: In Zwillingsstichproben aus drei Ländern erklärten genetische Einflüsse 42 Prozent der Unterschiede in Borderline-Merkmalen; die übrigen 58 Prozent gingen auf individuelle Umwelteinflüsse zurück.46
Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?
Vermutlich wirken Anlage und Erfahrungen zusammen. In einer norwegischen Zwillingsstudie lag die geschätzte Erblichkeit für Merkmale der Persönlichkeitsstörungen aus Cluster B zwischen 24 und 38 Prozent. Belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko; ein Zusammenhang ist aber kein Beweis für eine Ursache.13,47
Wann beginnen Persönlichkeitsstörungen?
Allgemein beginnen die Muster meist bis zum späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt typischerweise in der Jugend nach dem 12. Lebensjahr; häufig gehen Depression, Angst, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität oder Substanzkonsum voraus oder entwickeln sich gleichzeitig.6,33
Ab wann kann man eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren?
Wer kann eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren?
Die Diagnose stellen Fachleute für psychische Erkrankungen nach einer sorgfältigen klinischen Diagnostik; die deutsche Leitlinie empfiehlt, sie durch ein validiertes halbstrukturiertes Interview zu unterstützen. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig: Wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht erkannt, folgen häufig medikamentöse Behandlungen, die selten erfolgreich sind.19,53
Kann Borderline mit ADHS verwechselt werden?
Ja, die Abgrenzung ist nicht immer einfach, und beides kann zusammen vorkommen. Nach der deutschen S3-Leitlinie (2022, Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung) ist impulsives Verhalten bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung meist mit emotionalem Stress verbunden, bei ADHS auch unabhängig davon; kognitive Impulsivität und motorische Hyperaktivität fehlen bei Borderline.19,45
Ist ADHS eine Persönlichkeitsstörung?
Nein. ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung schwierig sein; beides kann nebeneinander bestehen.1
Ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Traumafolgestörung?
Nicht zwingend. Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung. Ein solcher Zusammenhang ist aber kein Beweis für eine Ursache.47
Ist eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung eine Angststörung?
Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe. In einer norwegischen Zwillingsstudie bei Frauen teilten vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung dieselben genetischen Einflüsse; welche Störung sich entwickelte, hing von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26
Sind bipolare Störung und Borderline das Gleiche?
Nein. Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Beides kann gleichzeitig vorliegen; bei Unsicherheit wird eine Verlaufsdiagnostik empfohlen.18
Wie geht man als Angehörige oder Angehöriger mit einer Persönlichkeitsstörung um?
Nach der deutschen Leitlinie sollen Angehörige, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen und zu einem hilfreichen Umgang beraten werden, etwa zu einer einfühlsamen, nicht wertenden Haltung. Angehörige sollten selbst Unterstützung erhalten, zum Beispiel über Familienprogramme, Selbsthilfe oder den Borderline-Trialog.19
Helfen Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen?
Gegen die Kernsymptome nach heutigem Stand nicht. Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten. Medikamente können bei Begleiterkrankungen eine Rolle spielen; setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab.9
Welche Psychotherapie hilft bei Borderline?
Untersucht sind mehrere strukturierte Verfahren, darunter Dialektisch-Behaviorale Therapie, Mentalisierungsbasierte Therapie, Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie. Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist.54
Was tun bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise?
Sind bei NEVPAZ Gespräche per Video möglich?
Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche bei NEVPAZ in geeigneten Fällen auch per Video möglich. Ob das im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg, die Musterberufsordnung (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) ist nur ein Muster. Oft ist ein persönlicher Termin nötig. Anfragen sind über das Kontaktformular möglich.
Quellen und Einordnung
Die Auswahl umfasst publizierte Originalstudien, Meta-Analysen, Cochrane-Reviews, Übersichtsarbeiten, die Klassifikationen der WHO (ICD-11, Klinische Beschreibungen und diagnostische Anforderungen) und des BfArM (ICD-10-GM), Informationen der amerikanischen Psychiatrievereinigung zum DSM-5-TR sowie deutsche und britische Leitlinien. Sie ist eine gezielte wissenschaftliche Recherche mit Stand 5. Oktober 2026, kein systematischer Review. Die Quellen sind nummeriert und mit DOI beziehungsweise PubMed-Nachweis verknüpft. Die Gültigkeit der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung ist laut AWMF-Register abgelaufen; ihre Überarbeitung ist angemeldet.
Den Wortlaut des DSM-5-TR konnten wir nicht aus dem Primärtext prüfen; DSM-Angaben stammen aus Informationen der amerikanischen Psychiatrievereinigung, der deutschen Leitlinie und begutachteten Übersichtsarbeiten. Studienergebnisse sind Gruppenwerte und keine Prognose für einzelne Menschen; Vergleiche zwischen Studien mit unterschiedlichen Populationen, Maßen und Zeiträumen sind bewusst nicht als Rangliste dargestellt. Die Angaben zur Versorgung in der Praxis sind Praxisangaben, keine Studienergebnisse.
Wischen Sie durch die Quellen oder filtern Sie nach Art der Quelle. Jede Quelle ist über DOI, PubMed oder die Originalseite nachprüfbar.
Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR)
World Health Organization
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Classification, assessment, prevalence, and effect of personality disorder
Tyrer P, Reed GM, Crawford MJ
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
TelefonSeelsorge – Startseite
TelefonSeelsorge Deutschland
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
116117.de – Der Patientenservice
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Progress in developing a classification of personality disorders for ICD-11
Reed GM
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
What are Personality Disorders? (Patienteninformation mit Bezug auf DSM-5-TR)
American Psychiatric Association
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Time to attainment of recovery from borderline personality disorder and stability of recovery: A 10-year prospective follow-up study
Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Psychological therapies for people with borderline personality disorder
Storebø OJ, Stoffers-Winterling JM, Völlm BA, Kongerslev MT, Mattivi JT, Jørgensen MS, et al.
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Pharmacological interventions for people with borderline personality disorder
Stoffers-Winterling JM, Storebø OJ, Pereira Ribeiro J, Kongerslev MT, Völlm BA, Mattivi JT, et al.
Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Personality disorder coverage, prevalence, and convergence: do the DSM-5's two models of personality disorder identify the same patients?
Clark LA, Ro E, Nuzum H, Vanderbleek EN, Allen X
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Schlüsselstudien
S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Patientinnen und Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen (LL-SBPF), Kurzfassung Version 1.0
DGPT (federführend), 33 Fachgesellschaften; AWMF-Register-Nr. 134-001
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Diagnostik
The heritability of cluster A personality disorders assessed by both personal interview and questionnaire
Kendler KS, Myers J, Torgersen S, Neale MC, Reichborn-Kjennerud T
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Dimensional representations of DSM-IV cluster B personality disorders in a population-based sample of Norwegian twins: a multivariate study
Torgersen S, Czajkowski N, Jacobson K, Reichborn-Kjennerud T, Røysamb E, Neale MC, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
The structure of genetic and environmental risk factors for DSM-IV personality disorders: a multivariate twin study
Kendler KS, Aggen SH, Czajkowski N, Røysamb E, Tambs K, Torgersen S, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Personality Disorders (DSM-5 Fact Sheet)
American Psychiatric Association
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Borderline personality disorder: a comprehensive review of diagnosis and clinical presentation, etiology, treatment, and current controversies
Leichsenring F, Fonagy P, Heim N, Kernberg OF, Leweke F, Luyten P, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Innovations and changes in the ICD-11 classification of mental, behavioural and neurodevelopmental disorders
Reed GM, First MB, Kogan CS, Hyman SE, Gureje O, Gaebel W, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
[Is it all bipolar? Differential diagnosis of mood swings in young adulthood]
Nieberler M, Appel M, Klüpfel C, Warrings W, Kittel-Schneider S
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen
S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion, Fassung vom 14.11.2022
DGPPN, DGKJP u. a. (federführend); AWMF-Register-Nr. 038-015
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Entstehung
Borderline personality disorder: recognition and management (CG78)
National Institute for Health and Care Excellence
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Alltag
ICD-10-GM Version 2026, Block F60–F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Patients with borderline personality disorder and bipolar disorder: a descriptive and comparative study
Zimmerman M, Balling C, Chelminski I, Dalrymple K
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen
Outpatient psychotherapy for borderline personality disorder: randomized trial of schema-focused therapy vs transference-focused psychotherapy
Giesen-Bloo J, van Dyck R, Spinhoven P, van Tilburg W, Dirksen C, van Asselt T, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Evaluating three treatments for borderline personality disorder: a multiwave study
Clarkin JF, Levy KN, Lenzenweger MF, Kernberg OF
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
A randomized trial of dialectical behavior therapy versus general psychiatric management for borderline personality disorder
McMain SF, Links PS, Gnam WH, Guimond T, Cardish RJ, Korman L, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
The relationship between avoidant personality disorder and social phobia: a population-based twin study
Reichborn-Kjennerud T, Czajkowski N, Torgersen S, Neale MC, Ørstavik RE, Tambs K, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Arten im Überblick
Randomized, controlled trial of the effectiveness of short-term dynamic psychotherapy and cognitive therapy for cluster C personality disorders
Svartberg M, Stiles TC, Seltzer MH
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
[Narcissism-Normal, pathological, grandiose, vulnerable?]
Wilfer T, Spitzer C, Lammers CH
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Antisocial personality disorder: prevention and management (CG77)
National Institute for Health and Care Excellence
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
Pharmacological interventions for antisocial personality disorder
Khalifa NR, Gibbon S, Völlm BA, Cheung NH, McCarthy L
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Medikamente
Dialectical Behavior Therapy for Posttraumatic Stress Disorder (DBT-PTSD) Compared With Cognitive Processing Therapy (CPT) in Complex Presentations of PTSD in Women Survivors of Childhood Abuse: A Randomized Clinical Trial
Bohus M, Kleindienst N, Hahn C, Müller-Engelmann M, Ludäscher P, Steil R, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Schlüsselstudien
ICD-10-GM Version 2026, Block F00–F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen
Borderline personality disorder
Bohus M, Stoffers-Winterling J, Sharp C, Krause-Utz A, Schmahl C, Lieb K
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Borderline-Persönlichkeitsstörung
Cognitive-behavioral treatment of chronically parasuicidal borderline patients
Linehan MM, Armstrong HE, Suarez A, Allmon D, Heard HL
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Two-year randomized controlled trial and follow-up of dialectical behavior therapy vs therapy by experts for suicidal behaviors and borderline personality disorder
Linehan MM, Comtois KA, Murray AM, Brown MZ, Gallop RJ, Heard HL, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Dialectical Behavior Therapy vs Schema Therapy for Patients With Borderline Personality Disorder: The BOOTS Multicenter Randomized Clinical Trial
Wibbelink CJM, Kamphuis JH, Sinnaeve R, Grasman RPPP, Alberts J, Alkema M, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Efficacy of Dialectical Behavior Therapy for Adolescents at High Risk for Suicide: A Randomized Clinical Trial
McCauley E, Berk MS, Asarnow JR, Adrian M, Cohen J, Korslund K, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Effectiveness of partial hospitalization in the treatment of borderline personality disorder: a randomized controlled trial
Bateman A, Fonagy P
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Randomized controlled trial of outpatient mentalization-based treatment versus structured clinical management for borderline personality disorder
Bateman A, Fonagy P
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Effectiveness of Predominantly Group Schema Therapy and Combined Individual and Group Schema Therapy for Borderline Personality Disorder: A Randomized Clinical Trial
Arntz A, Jacob GA, Lee CW, Brand-de Wilde OM, Fassbinder E, Harper RP, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
Results of a multicenter randomized controlled trial of the clinical effectiveness of schema therapy for personality disorders
Bamelis LL, Evers SM, Spinhoven P, Arntz A
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
The Clinical Effectiveness and Cost-Effectiveness of Lamotrigine in Borderline Personality Disorder: A Randomized Placebo-Controlled Trial
Crawford MJ, Sanatinia R, Barrett B, Cunningham G, Dale O, Ganguli P, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie
8-year follow-up of patients treated for borderline personality disorder: mentalization-based treatment versus treatment as usual
Bateman A, Fonagy P
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Alltag
Ten-year course of borderline personality disorder: psychopathology and function from the Collaborative Longitudinal Personality Disorders study
Gunderson JG, Stout RL, McGlashan TH, Shea MT, Morey LC, Grilo CM, et al.
Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Verlauf
Registereinträge 038-015 (Borderline-Persönlichkeitsstörung) und 134-001; Suche „Persönlichkeitsstörung“
AWMF-Leitlinienregister
Zitiert in: Entstehung, Psychotherapie
Heritability of borderline personality disorder features is similar across three countries
Distel MA, Trull TJ, Derom CA, Thiery EW, Grimmer MA, Martin NG, et al.
Zitiert in: Entstehung, Häufige Fragen
Childhood maltreatment increases risk for personality disorders during early adulthood
Johnson JG, Cohen P, Brown J, Smailes EM, Bernstein DP
Zitiert in: Entstehung, Fallvignetten
DSM-IV personality disorders in the National Comorbidity Survey Replication
Lenzenweger MF, Lane MC, Loranger AW, Kessler RC
Zitiert in: Häufigkeit, Alltag
The global epidemiology of personality disorder: a systematic review and meta-regression
Shadid J, Ferrari AJ, Bach B, Sellbom M, Sharp C, Hutsebaut J, et al.
Zitiert in: Häufigkeit
Short-term diagnostic stability of schizotypal, borderline, avoidant, and obsessive-compulsive personality disorders
Shea MT, Stout R, Gunderson J, Morey LC, Grilo CM, McGlashan T, et al.
Zitiert in: Verlauf
Attainment and stability of sustained symptomatic remission and recovery among patients with borderline personality disorder and axis II comparison subjects: a 16-year prospective follow-up study
Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G
Zitiert in: Verlauf, Schlüsselstudien
Clinical and psychosocial outcomes of borderline personality disorder in childhood and adolescence: a systematic review
Winsper C, Marwaha S, Lereya ST, Thompson A, Eyden J, Singh SP
Zitiert in: Verlauf, Alltag
Borderline personality disorder
Gunderson JG, Herpertz SC, Skodol AE, Torgersen S, Zanarini MC
Zitiert in: Diagnostik, Häufige Fragen
Which psychotherapy is most effective and acceptable in the treatment of adults with a (sub)clinical borderline personality disorder? A systematic review and network meta-analysis
Setkowski K, Palantza C, van Ballegooijen W, Gilissen R, Oud M, Cristea IA, et al.
Zitiert in: Psychotherapie, Schlüsselstudien
Absolute and relative outcomes of psychotherapies for eight mental disorders: a systematic review and meta-analysis
Cuijpers P, Miguel C, Ciharova M, Harrer M, Basic D, Cristea IA, et al.
Zitiert in: Psychotherapie
Psychological interventions for antisocial personality disorder
Gibbon S, Khalifa NR, Cheung NH, Völlm BA, McCarthy L
Zitiert in: Psychotherapie, Medikamente
Medicines (human): Liste der zentral zugelassenen Humanarzneimittel (Datendownload), Abruf 05.10.2026; Auswertung laut Faktenprüfung
European Medicines Agency (EMA)
Zitiert in: Medikamente
Alle 57 Quellen als Liste
- World Health Organization Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR). WHO WHO 2024, Abruf 05.10.2026. Quelle
- Tyrer P, Reed GM, Crawford MJ Classification, assessment, prevalence, and effect of personality disorder. The Lancet The Lancet 2015. DOI 10.1016/S0140-6736(14)61995-4 · PMID 25706217
- TelefonSeelsorge Deutschland TelefonSeelsorge – Startseite. TelefonSeelsorge Deutschland TelefonSeelsorge Deutschland 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) 116117.de – Der Patientenservice. Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
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- Kendler KS, Aggen SH, Czajkowski N, Røysamb E, Tambs K, Torgersen S, et al. The structure of genetic and environmental risk factors for DSM-IV personality disorders: a multivariate twin study. Archives of General Psychiatry Archives of General Psychiatry 2008. DOI 10.1001/archpsyc.65.12.1438 · PMID 19047531
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- Leichsenring F, Fonagy P, Heim N, Kernberg OF, Leweke F, Luyten P, et al. Borderline personality disorder: a comprehensive review of diagnosis and clinical presentation, etiology, treatment, and current controversies. World Psychiatry World Psychiatry 2024. DOI 10.1002/wps.21156 · PMID 38214629
- Reed GM, First MB, Kogan CS, Hyman SE, Gureje O, Gaebel W, et al. Innovations and changes in the ICD-11 classification of mental, behavioural and neurodevelopmental disorders. World Psychiatry World Psychiatry 2019. DOI 10.1002/wps.20611 · PMID 30600616
- Nieberler M, Appel M, Klüpfel C, Warrings W, Kittel-Schneider S [Is it all bipolar? Differential diagnosis of mood swings in young adulthood]. Der Nervenarzt Der Nervenarzt 2026. DOI 10.1007/s00115-026-01970-7 · PMID 41986675
- DGPPN, DGKJP u. a. (federführend); AWMF-Register-Nr. 038-015 S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion, Fassung vom 14.11.2022. AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 2022, Abruf 05.10.2026. Quelle
- National Institute for Health and Care Excellence Borderline personality disorder: recognition and management (CG78). NICE NICE 2009, Abruf 05.10.2026. Quelle
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG ICD-10-GM Version 2026, Block F60–F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. BfArM (ICD-10-GM) BfArM (ICD-10-GM) 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
- Zimmerman M, Balling C, Chelminski I, Dalrymple K Patients with borderline personality disorder and bipolar disorder: a descriptive and comparative study. Psychological Medicine Psychological Medicine 2021. DOI 10.1017/S0033291720000215 · PMID 32178744
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