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NEUROLOGIE·PSYCHIATRIE

Angst- und Zwangsstörungen: erkennen, abgrenzen, behandeln

Eine Angststörung oder eine Zwangsstörung beginnt selten mit einem klaren Signal. Der Puls rast vor dem Betreten eines Raumes, eine Tür wird zum dritten Mal kontrolliert, ein Gedanke lässt sich nicht abstellen. Dieser Beitrag erklärt Symptome, Formen, Häufigkeit, Verlauf und Ursachen von Angst- und Zwangsstörungen, wie Ärztinnen und Ärzte sie von anderen Erkrankungen abgrenzen und wie sie nach den Leitlinien behandelt werden. Er richtet sich an Erwachsene und ihre Angehörigen. Für Kinder und Jugendliche ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie die richtige Anlaufstelle.

Furcht und Angst sind oft sinnvoll. Zum Krankheitsbild werden sie erst durch Unverhältnismäßigkeit, Dauer oder Beeinträchtigung.1

Bei der Zwangsstörung genügt es nicht, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu haben: Sie müssen zu deutlichem Leidensdruck oder zu Beeinträchtigungen im Alltag führen.2

Stand der Quellen: 5. Oktober 2026. Der Beitrag ersetzt weder ein ärztliches Gespräch noch eine Diagnose.

  • 131 Quellen, u. a. aus The Lancet, JAMA, JAMA Psychiatry, American Journal of Psychiatry
  • Belegte Aussagen mit Fußnote, Einordnung getrennt
  • Stand 05.10.2026

Das Wichtigste auf einen Blick

Fünf Aussagen vorab. Die Einzelheiten stehen in den jeweiligen Kapiteln.

  1. Angst und Zwang sind verwandt, werden aber getrennt klassifiziert; das DSM-5 etwa führt Zwangsstörungen in einem eigenen Kapitel.3 Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?
  2. Angststörungen sind häufig. Eine Auswertung von 87 Studien aus 44 Ländern ergab nach Angleichung der Methoden eine weltweite Punktprävalenz von 7,3 %.4 Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?
  3. Beide beginnen häufig in Kindheit, Jugend oder jungem Erwachsenenalter. In einer Meta-Analyse von 192 Studien hatten 51,8 % der Betroffenen mit Angst- oder Furchtstörungen vor dem 18. Lebensjahr erstmals Symptome, bei Zwangs- und verwandten Störungen 45,1 %.5 Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf
  4. Beide lassen sich behandeln. Als erste Wahl bei Angststörungen nennt eine JAMA-Übersicht kognitive Verhaltenstherapie sowie bestimmte Antidepressiva (SSRI und SNRI).6 Bei der Zwangsstörung gilt kognitive Verhaltenstherapie mit oder ohne SSRI als bevorzugte erste Behandlung.7 Die Ansprechraten sind aber bescheiden: In einer Auswertung von 441 Studien sprachen bei Zwangsstörung, Panikstörung und generalisierter Angststörung etwa 36 bis 38 % der Behandelten auf Psychotherapie an, gemessen als mindestens halbierte Symptome.8 Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition
  5. Viele Betroffene suchen spät Hilfe. In einer US-Befragung (2001 bis 2003) vergingen bei Angststörungen unter denen, die irgendwann Hilfe suchten, 9 bis 23 Jahre bis zum ersten Behandlungskontakt.9 Wann Sie Hilfe suchen sollten

Was ist eine Angststörung, was eine Zwangsstörung?

Zwei Gruppen in der ICD-11

In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation bilden die Angststörungen eine eigene Gruppe, die „angst- oder furchtbezogenen Störungen“. Die Zwangsstörung gehört nicht dazu.10

Sie bildet mit verwandten Störungen eine eigene Gruppe, nach der WHO wegen gemeinsamer Merkmale und häufigen gemeinsamen Auftretens.11

Auch das amerikanische DSM-5 führt ein eigenes Kapitel für Zwangsstörungen und verwandte Störungen.3

Ob die Zwangsstörung besser bei den Angststörungen oder im Zwangsspektrum aufgehoben ist, beschrieb eine Übersichtsarbeit in The Lancet 2009 als fachlich offen.12

Was beide verbindet

Bei Angststörungen beruhen die Expositionsanteile der Verhaltenstherapie auf dem Verständnis der Furchtlöschung.13

Ein störungsübergreifendes Programm, das Unified Protocol, war in einer Studie mit 223 Erwachsenen (Panikstörung, generalisierte Angst, Zwang, soziale Angst) störungsspezifischen Programmen statistisch gleichwertig.14

Die Unterschiede im Überblick

Die Tabelle beschreibt typische Muster. Sie ist kein Test und keine Selbstdiagnose.

MerkmalAngststörungenZwangsstörung
Gruppe in der ICD-11angst- oder furchtbezogene StörungenZwangsstörung und verwandte Störungen
Kern des ErlebensSorgen, soziale Ängste, Panikattackenaufdrängende, unerwünschte Gedanken, Bilder oder Impulse
Typische ReaktionVermeidung, auch unauffälliges Sich-Stützen auf Gegenstände oder Personenwiederholte Handlungen oder Rituale
Kurzfristige WirkungVermeidung verringert Beschwerden kurzfristigRituale mindern Anspannung oder Angst

Quellen 6,10,11,15,16,17

Erklärvideo · 37 s

Angst oder Zwang: zwei Gruppen in der ICD-11

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Angst und Zwang wirken verwandt. In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation stehen sie aber in zwei getrennten Gruppen. Zu den Angststörungen zählen die Panikstörung, die Agoraphobie, die soziale und die generalisierte Angststörung sowie spezifische Phobien. Typisch ist dabei Vermeidung. Bei der Zwangsstörung drängen sich unerwünschte Gedanken, Bilder oder Impulse auf; darauf folgen wiederholte Handlungen oder Rituale. Krankhaft wird beides erst, wenn es deutlich belastet oder den Alltag beeinträchtigt.1,2,6,10,11,15,16,17,18

Wie hängen Symptome, Störungen und Behandlungen zusammen?

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Eine Linie bedeutet: Für diese Verbindung gibt es einen Beleg. Sie zeigt weder die Stärke einer Wirkung noch eine Rangfolge; alle Linien sind gleich stark gezeichnet.

Symptome

Störungen

Störungsgruppe

Störung

Begleiterkrankungen und Abgrenzung

Begleiterkrankung

Risiko

Differenzialdiagnose

Behandlung

Behandlung

Forschung

Studien

Studie (Studienkarte)

Studiendesign

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63 Knoten, 83 Verbindungen.

Hilfe in einer KriseWenn Sie an Suizid denken oder sich in einer akuten Krise befinden: Rufen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar.

  • Symptom
  • Störung
  • Begleiterkrankung oder Abgrenzung
  • Behandlung
  • Studie
  • Warnhinweis
  • nur Forschung

KernsatzEine Rangfolge der Substanzen lässt sich daraus nicht ableiten.28

Alle 83 Verbindungen als Tabelle
VonBeziehungNachHinweis und Beleg
Panikattackeist Kernsymptom vonPanikstörung18
Vermeidungist Kernsymptom vonAgoraphobie1
Vermeidungist Kernsymptom vonSoziale Angststörung1
Anhaltende Sorgenist Kernsymptom vonGeneralisierte Angststörung25
Zwangsgedankenist Kernsymptom vonZwangsstörung11
Zwangshandlungenist Kernsymptom vonZwangsstörung11
Herzklopfen, Atemnot, Schwindelkörperliche Beschwerden beiAngststörungen (Gruppe)6
Herzklopfen, Atemnot, SchwindelTeil der Panikattacke beiPanikstörung18
Panikstörungnebeneinander diagnostizierbar mitAgoraphobie10
Vermeidungverschafft kurzfristige Erleichterung beiAngststörungen (Gruppe)Angstkreislauf (Erklärungsmodell)16
Zwangshandlungenhält aufrechtZwangsgedankenZwangskreislauf: kein Umlernen17
Panikstörunggehört zuAngststörungen (Gruppe)18
Soziale Angststörunggehört zuAngststörungen (Gruppe)18
Generalisierte Angststörunggehört zuAngststörungen (Gruppe)18
Spezifische Phobiegehört zuAngststörungen (Gruppe)18
Agoraphobiegehört zuAngststörungen (Gruppe)18
Angststörungen (Gruppe)tritt häufig zusammen auf mitDepression1
Angststörungen (Gruppe)tritt häufig zusammen auf mitWeitere Angststörung1
Soziale Angststörungtritt häufig zusammen auf mitDepression19 % Depression (US-Daten nach NICE)26
Soziale Angststörungerhöhtes späteres Risiko fürSuchterkrankung15
Panikstörungerhöhtes späteres Risiko fürSuchterkrankung15
Zwangsstörungtritt häufig zusammen auf mitWeitere Angststörung30
Zwangsstörungtritt häufig zusammen auf mitDepression30
Zwangsstörungtritt häufig zusammen auf mitSuchterkrankung31
Angststörungen (Gruppe)erhöhtes Risiko fürSuizidgedanken (Hilfe: 112, 116 117, 0800 111 0 111, 0800 111 0 222)relative Risiken; Hilfehinweis zeigen19
Zwangsstörungerhöhtes Risiko fürSuizidgedanken (Hilfe: 112, 116 117, 0800 111 0 111, 0800 111 0 222)seltenes Ereignis; Hilfehinweis zeigen32
Angststörungen (Gruppe)Zusammenhang mit (kein Ursachennachweis)Spätere chronische körperliche ErkrankungenZusammenhang, kein Ursachennachweis20
Angststörungen (Gruppe)abgrenzen vonHerzrhythmus, Schilddrüse, Unterzuckerung, Anfälle18
Angststörungen (Gruppe)abgrenzen vonStimulanzien, Alkoholentzug15
Generalisierte Angststörungabgrenzen vonDepressives Grübeln11
Zwangsstörungabgrenzen vonDepressives Grübeln11
Zwangsstörungabgrenzen vonPsychose, Tic-Störung, Autismus-Spektrum11
Zwangsstörungbei spätem Beginn abklären:Später Beginn: hirnorganische Abklärung (z. B. Basalganglien-Schlaganfall)Fallvignette 41711
Kognitive Verhaltenstherapieerste Wahl beiAngststörungen (Gruppe)6
SSRIerste Wahl beiAngststörungen (Gruppe)6
Exposition mit Reaktionsmanagementerste Wahl beiZwangsstörungS3 Empfehlungsgrad A17
SSRIwirksamer als Placebo beiZwangsstörung33
Clomipraminnicht stärker wirksam als SSRI beiZwangsstörung34
SNRI, Pregabalin u. a. (GAD)wirksamer als Placebo beiGeneralisierte Angststörungkeine Rangfolge28
Benzodiazepine (nur Ausnahme)nur kurzfristig in Krisen beiGeneralisierte Angststörung25
Benzodiazepine (nur Ausnahme)nach NICE nicht verordnen beiPanikstörung25
Zusatzbehandlung bei Zwang (Exposition, Risperidon)bei unzureichendem Ansprechen aufZwangsstörung35
Tiefe TMS (Zwang)Zusatzverfahren beiZwangsstörung3637
Tiefe Hirnstimulation (schwerste Fälle)nur schwerste, therapieresistente Fälle vonZwangsstörung1738
Online-/Internet-KVT (begleitet)wirksam mit therapeutischer Begleitung beiZwangsstörung7
Online-/Internet-KVT (begleitet)wirksamer als Warteliste beiAngststörungen (Gruppe)21
Psychodynamische Therapiewirksamer als Warteliste beiSoziale Angststörung27
AchtsamkeitsschulungEscitalopram nicht unterlegen beiAngststörungen (Gruppe)Angststörungen gemischt, kein Placebo-Arm22
LSD-Präparate (nur Studien)nur Studienlage beiGeneralisierte Angststörung29
Kognitive VerhaltenstherapieKombination mitSSRIVorteil belegt für Panik und Zwang42
Foa-Studie (Expositionstherapie und Clomipramin)prüftExposition mit Reaktionsmanagement45
Foa-Studie (Expositionstherapie und Clomipramin)prüftClomipramin45
Simpson-Studie (Zusatzbehandlung bei Zwang)prüftZusatzbehandlung bei Zwang (Exposition, Risperidon)35
Cochrane-Review zu SSRI bei ZwangprüftSSRI33
KVT-Effektstärken (Cuijpers 2025)prüftKognitive Verhaltenstherapie41
Schwedische Familienstudie zur Zwangsstörunguntersucht Erblichkeit vonZwangsstörung39
ENIGMA-OCD (Hirnvolumina)untersucht Hirnvolumina beiZwangsstörung40
DEGS1-MHHäufigkeit in Deutschland:Angststörungen (Gruppe)23241051825
Beginnalter-Meta-Analyse (Solmi 2022)Beginnalter vonZwangsstörung5
Beginnalter-Meta-Analyse (Solmi 2022)Beginnalter vonPanikstörung5
Clomipramin-Zulassungsstudien (CCSG 1991)Studiendesign zuClomipramin56
Sertralin in drei festen Dosen (Greist 1995)Studiendesign zuSSRI49
POTS (JAMA 2004)Studiendesign zuKognitive Verhaltenstherapie43
POTS (JAMA 2004)Studiendesign zuSSRI43
Exposition, Clomipramin, Kombination (Foa 2005)Studiendesign zuExposition mit Reaktionsmanagement45
Exposition, Clomipramin, Kombination (Foa 2005)Studiendesign zuClomipramin45
Zusatzbehandlung bei SRI (Simpson 2013)Studiendesign zuZusatzbehandlung bei Zwang (Exposition, Risperidon)35
Tiefe TMS (Carmi 2019) und FDA DEN170078Studiendesign zuTiefe TMS (Zwang)3637
Internet-KVT bei Zwang, Erwachsene (Andersson 2012)Studiendesign zuOnline-/Internet-KVT (begleitet)47
Gestufte Internet-KVT bei Kindern und Jugendlichen (Aspvall 2021)Studiendesign zuOnline-/Internet-KVT (begleitet)48
Pregabalin und Alprazolam bei GAD (Rickels 2005)Studiendesign zuSNRI, Pregabalin u. a. (GAD)53
Pregabalin und Alprazolam bei GAD (Rickels 2005)Studiendesign zuBenzodiazepine (nur Ausnahme)53
Venlafaxin XR über 6 Monate (Gelenberg 2000)Studiendesign zuSNRI, Pregabalin u. a. (GAD)54
Escitalopram bei älteren Menschen mit GAD (Lenze 2009)Studiendesign zuSSRI50
Achtsamkeit (MBSR) vs. Escitalopram: TAME (Hoge 2023)Studiendesign zuAchtsamkeitsschulung22
MM120 (LSD-Präparat) Phase 2b (Robison 2025)Studiendesign zuLSD-Präparate (nur Studien)29
LSD-gestützte Therapie, Crossover Phase II (Holze 2023)Studiendesign zuLSD-Präparate (nur Studien)57
KVT, Imipramin, Kombination bei Panikstörung (Barlow 2000)Studiendesign zuKognitive Verhaltenstherapie44
Paroxetin bei sozialer Angststörung (Stein 1998)Studiendesign zuSSRI51
Rückfallprävention Venlafaxin XR bei GAD (Rickels 2010)Studiendesign zuSNRI, Pregabalin u. a. (GAD)55
Rückfallprävention Sertralin bei Zwang (Koran 2002)Studiendesign zuSSRI52
Ausschleichen nach Exposition (Foa 2022)Studiendesign zuSSRI46
Ausschleichen nach Exposition (Foa 2022)Studiendesign zuExposition mit Reaktionsmanagement46

Quellen: 44; 54; 52; 43; 53; 56; 50; 55; 47; 48; 49; 51; 1; 2; 5; 6; 7; 10; 27; 41; 22; 11; 28; 33; 34; 46; 42; 45; 35; 36; 37; 38; 57; 29; 21; 15; 16; 17; 18; 23; 25; 30; 24; 26; 20; 31; 19; 32; 39; 40


Angststörung: Symptome und Formen

Zu den Angststörungen zählen die Panikstörung, die Agoraphobie, die soziale Angststörung, die generalisierte Angststörung und die spezifischen Phobien.18

Die Häufigkeiten in der Tabelle stammen aus der deutschen Studie DEGS1-MH (Erhebung 2008 bis 2011, Kriterien nach DSM-IV-TR; Jacobi und Mitarbeitende 2014, nach der S3-Leitlinie und mit den 2016 berichtigten Werten), das Beginnalter aus einer weltweiten Meta-Analyse. Die Beginnangaben sind Spannen der Medianwerte jener Störungsgruppe, der die Meta-Analyse die Form zuordnet; die Gruppen überlappen. Beide Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres aufeinander oder auf heute übertragen.

Panikstörung

Panikattacken, danach anhaltende Sorge vor weiteren Attacken

Beginn (Median-Band, Jahre)
25 bis 27
12 Monate, Deutschland
2,0 % (mit oder ohne Agoraphobie)

Agoraphobie

Angst vor Situationen ohne Fluchtweg oder Hilfe

Beginn (Median-Band, Jahre)
nicht angegeben
12 Monate, Deutschland
4,0 %

Soziale Angststörung

Furcht, von anderen negativ bewertet zu werden

Beginn (Median-Band, Jahre)
8 bis 13
12 Monate, Deutschland
2,8 %

Generalisierte Angststörung

anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen

Beginn (Median-Band, Jahre)
30 bis 35
12 Monate, Deutschland
2,3 %

Spezifische Phobie

Furcht, unverhältnismäßig zum tatsächlichen Risiko

Beginn (Median-Band, Jahre)
8 bis 13
12 Monate, Deutschland
10,3 %
Als Tabelle mit vollständigen Spaltenangaben
FormKernmerkmalTypisches Beginnalter (Median-Band der Störungsgruppe, Jahre)Häufigkeit in 12 Monaten (Deutschland, DEGS1-MH 2008 bis 2011, DSM-IV-TR, berichtigt 2016)
PanikstörungPanikattacken, danach anhaltende Sorge vor weiteren Attacken25 bis 272,0 % (mit oder ohne Agoraphobie)
AgoraphobieAngst vor Situationen ohne Fluchtweg oder Hilfenicht angegeben4,0 %
Soziale AngststörungFurcht, von anderen negativ bewertet zu werden8 bis 132,8 %
Generalisierte Angststörunganhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen30 bis 352,3 %
Spezifische PhobieFurcht, unverhältnismäßig zum tatsächlichen Risiko8 bis 1310,3 %

Quellen 5,10,18,23,25

Panikstörung und Agoraphobie

Panikstörung und Agoraphobie gelten in der ICD-11 als zwei getrennte Diagnosen, die nebeneinander vergeben werden können.10

Eine Panikattacke beginnt nach der S3-Leitlinie plötzlich und steigert sich über etwa 10 Minuten, oft mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel und Todesangst.18

Wovor jemand zurückweicht, kann ein Hinweis sein: Furcht vor Panikattacken spricht eher für Panikstörung, vor Beobachtung für soziale Angst, vor Eingeschlossensein für Agoraphobie.1

Gesichtslose Figur von hinten auf einem weiten, leeren Platz, eine Hand an einer niedrigen Mauer, als Sinnbild für Angst in offenen Räumen.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Das ist eine Orientierung, keine Selbstdiagnose.

Generalisierte Angststörung

NICE beschreibt als Kernsymptome übermäßige Angst und Sorge über mehrere Ereignisse oder Aktivitäten sowie Schwierigkeiten, die Sorge zu kontrollieren, an den meisten Tagen über mindestens sechs Monate.25

Die ICD-11 nennt Sorgen in Bereichen wie Familie, Gesundheit, Finanzen, Schule oder Arbeit und legt keine feste Mindestdauer mehr fest.10

Weitere Formen

Die Trennungsangststörung kommt nicht nur bei Kindern vor: In Befragungen in 18 Ländern (n = 38.993) erkrankten 4,8 % der Erwachsenen irgendwann an ihr, und 43,1 % der Ersterkrankungen traten erst nach dem 18. Lebensjahr auf.58

Im DSM-5 zählen Trennungsangst und selektiver Mutismus ebenfalls zu den Angststörungen.59


Zwangsstörung: Symptome, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

Was Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind

Zwangsgedanken (Obsessionen) sind wiederkehrende Gedanken, Bilder oder Impulse, die als aufdrängend und unerwünscht erlebt werden und oft mit Angst verbunden sind.11

Zwangshandlungen (Kompulsionen) sind wiederholte Handlungen oder Rituale, auch gedankliche, zu denen sich die Person durch einen Zwangsgedanken getrieben fühlt.11

Mehrere durchscheinende Hände greifen hintereinander nach derselben Türklinke, als Sinnbild für wiederholtes Kontrollieren.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Statt Angst kann auch ein Gefühl der Unvollständigkeit im Vordergrund stehen.11

Die Einsicht reicht von gut (Befürchtungen müssen nicht stimmen) bis fehlend (feste Überzeugung, dass sie zutreffen).11

Themen und Dimensionen

Zwölf Faktorenanalysen mit mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten fanden übereinstimmend mindestens vier Dimensionen: Symmetrie und Ordnen, Horten, Kontamination und Reinigen sowie Zwangsgedanken und Kontrollieren.60

In einer US-Befragung waren unter Menschen mit Zwangsstörung Kontrollieren (79,3 %) und Horten (62,3 %) die häufigsten Themen.30

Aufdrängende sexuelle, aggressive oder todesbezogene Gedanken sind bei Zwangsstörung in jedem Alter häufig und werden nach NICE oft fälschlich als Hinweis auf eine tatsächliche Gefahr gedeutet.61

Wo Ordnungsliebe endet

Aufdrängende Gedanken und Rituale kommen auch in der Allgemeinbevölkerung vor: In der US-Befragung berichtete mehr als jede vierte Person (28,2 %) davon, ohne dass die Kriterien einer Zwangsstörung erfüllt sein müssen.30

Verwandte Störungen

Zur Zwangsgruppe der ICD-11 gehören außerdem die körperdysmorphe Störung, das pathologische Horten, die Trichotillomanie (Haareausreißen) und die Dermatillomanie (Hautzupfen), anders als im DSM-5 auch die Hypochondrie und die olfaktorische Referenzstörung.62


Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die Zwangsstörung ist seltener, aber keineswegs selten. Die Zahlen in diesem Kapitel stammen aus unterschiedlichen Studien mit verschiedenen Definitionen, Zeiträumen, Ländern und Methoden. Sie dürfen nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

KennzahlAngststörungenZwangsstörung
12 Monate, Deutschland (DEGS1-MH, berichtigt 2016)15,4 %3,6 %
Lebenszeit, USA (Studie in Klammern)etwa 34 % (JAMA-Übersicht)2,3 % (NCS-R)
Erster Beginn vor dem 18. Lebensjahr (Meta-Analyse)51,8 %45,1 % (Zwangs- und verwandte Störungen)
Median des Beginnalters (Meta-Analyse)17 Jahre19 Jahre
GeschlechtFrauen 1,3- bis 2,4-mal häufigerFrauen in der Bevölkerung häufiger, in Behandlung oft ausgeglichen
Krankheitslast2019 weltweit Rang 8 der Ursachen für Lebensjahre mit Beeinträchtigungerhöhtes Sterberisiko in Schweden (Hazard Ratio 1,82)

Quellen 1,2,5,6,17,23,30,63,64

Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

Deutschland, Beginn, Welt, Begleiterkrankungen und Krankheitslast. Angst und Zwang stehen nebeneinander, jeweils mit eigener Achse, weil die Zahlen aus unterschiedlichen Studien stammen.

Die Zahlen in diesem Kapitel stammen aus unterschiedlichen Studien mit verschiedenen Definitionen, Zeiträumen, Ländern und Methoden. Sie dürfen nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

Deutschland

Angststörungen · Deutschland

15,4%

der Erwachsenen innerhalb eines Jahres (DEGS1-MH, 2008 bis 2011; 2016 berichtigte Werte)2324

Achse 0 bis 25 %

Zwangsstörung · Deutschland

3,6%

Zwölf-Monats-Häufigkeit nach der S3-Leitlinie (DEGS1-MH)17

bis zu 1 % nannte 2011 ein Übersichtsartikel im Nervenarzt.65

Beide Werte stammen aus unterschiedlichen Erhebungen. Eine feste Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.65

Beginn

Anteil mit Beginn vor dem 14., 18. und 25. Lebensjahr (Meta-Analyse)5

Erster Beginn vor dem 14. Lebensjahr

Erster Beginn vor dem 18. Lebensjahr

Erster Beginn vor dem 25. Lebensjahr

Median des Beginnalters: Angst 17 Jahre, Zwang 19 Jahre23176305126364. Rückblickend erfragter Beginn; Gruppenwerte. Die Anteile sind kumulativ: Wer vor dem 14. Lebensjahr begann, zählt auch bei „vor 18“ mit.

Weltweit

Angststörungen weltweit

Lebenszeit, 17 Länder4,8 bis 31 %

Für Angststörungen schwankte die Lebenszeitprävalenz in WHO-Befragungen in 17 Ländern (n = 85.052) zwischen 4,8 % und 31,0 %. Der Unterschied hängt auch von Methode und Land ab.66

301Mio.

Betroffene 2019 nach Global Burden of Disease (1990: etwa 195 Millionen); modellierte Schätzungen63

Für das erste Pandemiejahr 2020 schätzt eine Modellierungsstudie 76,2 Millionen zusätzliche Angststörungen, ein Plus von 25,6 %.67

Zwangsstörung weltweit

Achse 0 bis 5 %30

Leichtere Zwangssymptome unterhalb der Diagnoseschwelle13 bis 38 %

Deutlich mehr Menschen, je nach Studie etwa 13 bis 38 %, erleben leichtere Zwangssymptome unterhalb der Diagnoseschwelle.68

Eine Zwangsstörung entwickeln etwa 2 bis 3 von 100 Menschen im Lauf des Lebens. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Region.2

Begleiterkrankungen

Bei Angststörungen

Weitere Angststörung48 bis 68 %
Major DepressionHälfte bis zwei Drittel

Bei 48 bis 68 % der Erwachsenen mit einer Angststörung liegt zusätzlich eine weitere Angststörung vor, bei der Hälfte bis zwei Dritteln eine Major Depression.1

Bei Zwangsstörung (US-Befragung)

90%

erfüllten im Lauf des Lebens auch die Kriterien einer weiteren psychischen Störung30

Kleine Fallzahl, keine Ursachenaussage.30

Krankheitslast

Angststörungen

8. Rang

unter den Ursachen für Lebensjahre mit gesundheitlicher Beeinträchtigung, weltweit 201963

Zwangsstörung (schwedische Register)

Todesfälle je 1.000 Personenjahre; Hazard Ratio 1,8264

Zwangsstörung und Folgen im Arbeitsleben (schwedisches Register, adjustierte Hazard Ratio), 95-%-KI, logarithmische Achse69

Erwerbsminderungsrente125102016,3615,34 bis 17,45
Langzeit-Krankschreibung12510203,072,95 bis 3,19
Langzeit-Arbeitslosigkeit12510201,721,63 bis 1,82

16.267 Menschen mit Zwangsstörung und 157.176 Kontrollen; schwedisches Sozialsystem, ein relatives Maß.

Unter den nicht natürlichen Todesursachen war das Risiko für Suizide am stärksten erhöht, gefolgt von Unfällen.64

Hilfe in einer KriseWenn Sie an Suizid denken oder sich in einer akuten Krise befinden: Rufen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar.

  • Angststörungen
  • Zwangsstörung
  • Vergleichsgruppe
  • Spanne aus Studien

KernsatzAngststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die Zwangsstörung ist seltener, aber keineswegs selten.

Kennzahlen als Tabelle
KennzahlAngststörungenZwangsstörung
12 Monate, Deutschland (berichtigt 2016)15,4 % (Frauen 21,4 %, Männer 9,3 %)23243,6 % (S3-Leitlinie); bis zu 1 % (Übersicht 2011)1765
Lebenszeit4,8 bis 31,0 % (17 Länder)662,3 % (USA); 2 bis 3 von 100302
Beginn vor dem 18. Lebensjahr51,8 %545,1 % (Zwangs- und verwandte Störungen)5
Median des Beginnalters17 Jahre2317630512636419 Jahre23176305126364
Weitere psychische Störung48 bis 68 % weitere Angststörung190 % im Lauf des Lebens30
KrankheitslastRang 8 (2019, weltweit)63Hazard Ratio Sterblichkeit 1,82 (Schweden)64

Quellen: 1; 2; 5; 6; 17; 23; 30; 63; 64; 24; 66; 67; 65; 68; 69

Viele kleine gesichtslose Figuren von oben, einzelne leuchten blaugrün, als Sinnbild dafür, dass Angst- und Zwangsstörungen häufig sind (nicht maßstäblich).
KI-generierte Illustration, Sinnbild, nicht maßstäblich: Die Zahl der leuchtenden Figuren hat keine Bedeutung.

Angststörungen in Deutschland

In DEGS1-MH (2008 bis 2011) erfüllten 15,4 % der Erwachsenen innerhalb eines Jahres die Kriterien einer Angststörung, Frauen 21,4 %, Männer 9,3 % (berichtigte Werte von 2016).23,24

Angststörungen weltweit

Für Angststörungen schwankte die Lebenszeitprävalenz in WHO-Befragungen in 17 Ländern (n = 85.052) zwischen 4,8 % und 31,0 %. Der Unterschied hängt auch von Methode und Land ab.66

Angststörungen beginnen früh: In der US-Erhebung National Comorbidity Survey Replication lag der Median des Erkrankungsalters bei 11 Jahren. Das ist eine andere Studie als die Meta-Analyse in der Tabelle, und ihre Angstgruppe umfasste nach DSM-IV auch PTBS und Zwang.70

Ausführlich lesen

Die Global-Burden-of-Disease-Studie schätzte für 2019 rund 301 Millionen Betroffene, für 1990 etwa 195 Millionen. Das sind modellierte Schätzungen, keine Zählungen. Die altersstandardisierte Rate blieb nahezu unverändert (1990: 3.791,6; 2019: 3.779,5 je 100.000).63

Unter den Ursachen für Lebensjahre, die mit gesundheitlicher Beeinträchtigung verbracht werden, lagen Angststörungen 2019 weltweit auf Rang 8.63

Für das erste Pandemiejahr 2020 schätzt eine Modellierungsstudie 76,2 Millionen zusätzliche Angststörungen, ein Plus von 25,6 %.67

Zwangsstörung in Deutschland

Für die Zwangsstörung nennt die S3-Leitlinie eine Zwölf-Monats-Häufigkeit von 3,6 % nach DEGS1-MH.17

Ein Übersichtsartikel im Nervenarzt hatte 2011 dagegen bis zu 1 % genannt. Beide Werte stammen aus unterschiedlichen Erhebungen. Eine feste Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.65

Zahlen nach ICD-11 oder DSM-5 liegen für Deutschland in den ausgewerteten Quellen nicht vor.

Zwangsstörung weltweit

Eine Zwangsstörung entwickeln etwa 2 bis 3 von 100 Menschen im Lauf des Lebens. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Region.2

In der US-Befragung National Comorbidity Survey Replication waren es nach DSM-IV 2,3 % im Lauf des Lebens und 1,2 % in den letzten zwölf Monaten.30

Deutlich mehr Menschen, je nach Studie etwa 13 bis 38 %, erleben leichtere Zwangssymptome unterhalb der Diagnoseschwelle.68

Ein dänisches Register zeigt für die Diagnose bis zum 18. Lebensjahr 0,96 % bei Mädchen und 0,63 % bei Jungen.71

Krankheitslast bei Zwang

In einer schwedischen Registerstudie mit 61.378 Betroffenen starben Menschen mit Zwangsstörung häufiger als Vergleichspersonen (8,1 gegenüber 5,1 Todesfälle je 1.000 Personenjahre; Hazard Ratio 1,82).64

Unter den nicht natürlichen Todesursachen war das Risiko für Suizide am stärksten erhöht, gefolgt von Unfällen.64

Versorgung

In Deutschland erfüllten nach DEGS1-MH 27,8 % der Erwachsenen innerhalb eines Jahres die Kriterien irgendeiner psychischen Störung (korrigierte Angabe von 2016).23,24

Weniger als die Hälfte der Betroffenen berichtete, deshalb Kontakt zum Versorgungssystem gehabt zu haben.24

In den USA erhielten nur 30,9 % der Menschen mit schwerer Zwangsstörung eine Behandlung, die gezielt auf die Zwangsstörung ausgerichtet war.2

In der Hausarztversorgung wird die Zwangsstörung nach einer JAMA-Übersicht oft übersehen.7


Wie macht sich eine Angst- oder Zwangsstörung im Alltag bemerkbar?

Angst- und Zwangsstörungen reichen in Beruf, Partnerschaft, Familie und Freizeit hinein, oft auch in den Körper.

Die Einschränkungen reichen von Beeinträchtigungen in Beruf und Familie bis zu schwerer Behinderung, etwa wenn Betroffene das Haus nicht mehr verlassen können.15

Panikstörung und generalisierte Angststörung gehen typischerweise mit mehr Behinderung einher als spezifische Phobien, die soziale Angststörung liegt dazwischen.15

Körper und Schlaf

Gesichtslose Figur liegt nachts wach im Bett, über dem Kopf schweben unruhige blaugrüne Linien wie kreisende Gedanken.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Angststörungen äußern sich oft auch körperlich, etwa mit Herzklopfen, Atemnot oder Schwindel.6

Nach der S3-Leitlinie klagen Betroffene beim Hausarzt oft eher über Schmerzen oder Schlafstörungen als über Angst.18

Belastbare Zahlen zum Schlaf bei Angst- und Zwangsstörungen enthalten die für diesen Beitrag ausgewerteten Quellen nicht.

Arbeit und Ausbildung

Gesichtslose Figur sitzt angespannt am Schreibtisch, ein blaugrüner Lichtsaum an Schultern und Brust zeigt die innere Anspannung.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Besonders bei einer Arbeitsplatzphobie führt Vermeidung nach der S3-Leitlinie oft zu langer Arbeitsunfähigkeit.18

Nach schwedischen Registerdaten schlossen Menschen mit Zwangsstörung seltener die weiterführende Schule ab (adjustierte Odds Ratio 0,43), begannen seltener ein Studium (0,72) und schlossen es seltener ab (0,59). Ähnliche Ergebnisse zeigten sich im Vergleich mit Geschwistern ohne Zwangsstörung.72

Sie erhielten viel häufiger eine Erwerbsminderungsrente (adjustierte Hazard Ratio 16,36; 95%-Konfidenzintervall 15,34 bis 17,45) und waren öfter langzeitkrank (3,07).69

Das sind Gruppenwerte aus einem anderen Sozialsystem. Auf einzelne Menschen oder auf Deutschland lassen sie sich nicht übertragen.

Partnerschaft, Familie und Freizeit

In einer US-Befragung berichteten 65,3 % der Menschen mit Zwangsstörung in den letzten zwölf Monaten eine schwere Beeinträchtigung ihrer Alltagsrollen.30

Als betroffene Bereiche nennt die S3-Leitlinie Arbeit, Familienleben, Freizeit, Haushalt, Mobilität und Selbstversorgung.17

Oft werden Angehörige in Rituale, Rückversicherung oder Vermeidung einbezogen. Was das bedeutet und wie Behandlung darauf eingeht, beschreibt das Kapitel zu den Angehörigen. Wie sich das im Einzelnen zeigen kann, veranschaulichen die Fallvignetten.

Erklärvideo · 37 s

Im Alltag: wo Angst und Zwang einschränken

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Angst- und Zwangsstörungen reichen in Beruf, Partnerschaft, Familie und Freizeit hinein. Beim Hausarzt klagen Betroffene nach der S3-Leitlinie oft eher über Schmerzen oder Schlafstörungen als über Angst. Besonders bei einer Arbeitsplatzphobie führt Vermeidung oft zu langer Arbeitsunfähigkeit. In einer US-Befragung berichteten 65,3 Prozent der Menschen mit Zwangsstörung eine schwere Beeinträchtigung ihrer Alltagsrollen in den letzten zwölf Monaten. Oft werden auch Angehörige in Rituale, Rückversicherung oder Vermeidung einbezogen.17,18,30


Angstkreislauf und Zwangskreislauf

Beide Störungsgruppen folgen oft einem Kreislauf, der die Beschwerden festigt. Die folgenden Beschreibungen sind Erklärungsmodelle. Sie zeigen, wie sich Beschwerden aufrechterhalten können, und sagen nichts darüber, was bei einer einzelnen Person der Anlass war.

ErklärungsmodellAngstkreislauf
  1. 1Harmloses Körpersignal18
  2. 2Deutung als Gefahr18
  3. 3Mehr Angstzeichen18
  4. 4Vermeidung bringt kurz Erleichterung6,10,11,15,16,17

Vereinfachtes Modell; es erklärt nicht jeden Verlauf.

Der Angstkreislauf

Nach dem kognitiven Modell der Panikstörung werden harmlose Körpersignale wie Herzklopfen als bedrohlich missdeutet; das löst weitere Angstzeichen aus.18

Hinzu kommt die Vermeidung: Sie verschafft kurzfristig Erleichterung.16

Ob sie Folge der Angst ist oder zu ihr beiträgt, lässt sich nach einer aktuellen Übersicht nicht pauschal sagen.73

Erklärvideo · 34 s

Der Angstkreislauf

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Warum hält sich Angst oft selbst in Gang? Das kognitive Modell der Panikstörung beschreibt einen Kreislauf. Ein harmloses Körpersignal wie Herzklopfen wird als bedrohlich missdeutet. Diese Deutung löst weitere Angstzeichen aus, und der Kreislauf schließt sich. Hinzu kommt die Vermeidung. Sie verschafft kurzfristig Erleichterung. Ob sie Folge der Angst ist oder zu ihr beiträgt, lässt sich nach einer aktuellen Übersicht nicht pauschal sagen. Das Modell erklärt, wie Beschwerden andauern, nicht ihren Anlass.16,18,73

ErklärungsmodellZwangskreislauf
  1. 1Aufdrängender Gedanke17
  2. 2Bewertung als bedrohlich17
  3. 3Anspannung, Angst oder Unvollständigkeit11
  4. 4Zwangshandlung oder Ritual17
  5. 5Kurzfristige Erleichterung17
  6. 6Kein Umlernen17

Vereinfachtes Modell; es erklärt nicht jeden Verlauf.

Der Zwangskreislauf

Nach dem kognitiv-behavioralen Modell werden normale, sich aufdrängende Gedanken als bedrohlich oder unannehmbar gedeutet.17

Nicht der Gedanke selbst, sondern seine Bewertung hält das Problem in Gang.

Rituale verringern kurzfristig die negativen Gefühle und festigen sich dadurch. Zugleich verhindern sie, die eigene Einschätzung zu überprüfen.17

Das Modell ist nach einer Lancet-Übersicht zum Teil empirisch gestützt, erklärt die Störung aber nicht vollständig.12

In einer Geburtskohorte aus Dunedin (Neuseeland) sagten Zwangssymptome im Alter von 11 Jahren ein erhöhtes Risiko für eine Zwangsstörung im Erwachsenenalter voraus. Die Autorinnen und Autoren folgern, dass Zwangssymptome oft schon in der Kindheit wurzeln.74

Erklärvideo · 35 s

Der Zwangskreislauf

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Auch die Zwangsstörung folgt oft einem Kreislauf. Nach dem kognitiv-behavioralen Modell werden normale, sich aufdrängende Gedanken als bedrohlich oder unannehmbar gedeutet. Es folgen Anspannung, Angst oder ein Gefühl der Unvollständigkeit. Ein Ritual verringert diese Gefühle kurzfristig und festigt sich dadurch. Zugleich verhindert es, die eigene Einschätzung zu überprüfen. Hier setzt die Exposition mit Reaktionsmanagement an: Betroffene setzen sich dem gefürchteten Auslöser gezielt aus und lassen die gewohnte Zwangshandlung weg.11,17

Schematischer KI-Film (Sinnbild): Ein Kreislauf öffnet sich. Kein Wirkversprechen, keine Messdaten.

Angst, Zwang oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen

Ähnliche Beschwerden können körperliche Ursachen haben, durch Substanzen entstehen oder zu einer anderen psychischen Erkrankung gehören. Zur Diagnose gehört deshalb eine Abgrenzung in alle drei Richtungen, bei Angst ebenso wie bei Zwang.

Herz, Schilddrüse und Gehirn als gläserne, blaugrün leuchtende Organe nebeneinander, verbunden durch eine goldene Linie, als Sinnbild der körperlichen Abklärung.
KI-generierte schematische Illustration

Angst: körperliche Ursachen

Nach der S3-Leitlinie sind unter anderem Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, Anfälle und Migräne abzugrenzen.18

Bildgebung hat bei der Diagnose von Angststörungen nur zum Ausschluss anderer Ursachen eine Rolle, und Bluttests sind für die Einzelfalldiagnose nicht geeignet.15

Ausführlich lesen

Angst: Substanzen und Medikamente

Auch Stimulanzien und der Entzug etwa von Alkohol können deutliche Angstsymptome auslösen.15

Sorge, Zwangsgedanke oder Grübeln?

Wiederkehrende Gedanken kommen bei mehreren Erkrankungen vor. Die Tabelle fasst die Unterschiede nach dem WHO-Leitfaden zur ICD-11 zusammen.

ErkrankungTypische wiederkehrende Gedanken
Generalisierte AngststörungSorgen über mögliche Ereignisse in Arbeit, Finanzen, Gesundheit, Familie
Zwangsstörungaufdrängend, Inhalt oft seltsam oder irrational, meist mit Zwangshandlungen
DepressionGrübeln mit gedrückter Stimmung, Schuld, Hoffnungslosigkeit

Quellen 11

Zwang: andere psychische Erkrankungen

Auch die Zwangsstörung wird nach dem WHO-Leitfaden gegen mehrere Erkrankungen abgegrenzt.

Abgrenzung vonWorauf es ankommt
Psychosekeine Halluzinationen; geringe Einsicht allein ist keine Psychose
Tic-StörungTics unwillkürlich, Zwangshandlungen absichtlich
Autismus-SpektrumWiederholungen ohne den Drang, Angst zu mindern
Anankastische PersönlichkeitsstörungPerfektionismus und starre Kontrolle als Muster

Quellen 11

Zwang: neurologische und körperliche Ursachen

Beginnt eine Zwangsstörung jenseits des 50. Lebensjahres, soll nach der Leitlinie eine hirnorganische Abklärung erfolgen.17

Ein plötzlicher oder später Beginn sollte nach dem WHO-Leitfaden weiter abgeklärt werden, etwa auf einen Schlaganfall der Basalganglien.11

Bleibt eine Behandlung ohne Erfolg, lohnt nach einer Übersicht im Nervenarzt ein zweiter Blick: Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem eine falsche Diagnose, Begleiterkrankungen, Substanzkonsum und organische Ursachen.75

Mehrere Diagnosen können auch nebeneinander bestehen. Wie häufig das ist, beschreibt das folgende Kapitel.

Erklärvideo · 43 s

Herzrasen: Panikattacke oder Herz?

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Plötzliches Herzrasen, Atemnot und Schwindel können zu einer Panikattacke gehören. Nach der S3-Leitlinie beginnt sie plötzlich und steigert sich über etwa zehn Minuten. Dieselben Beschwerden können aber auch körperliche Ursachen haben. Zur Abklärung empfiehlt die Leitlinie unter anderem Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, den Schilddrüsenwert TSH und ein EKG. Abzugrenzen sind etwa Herzrhythmusstörungen, eine Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, Stimulanzien oder ein Alkoholentzug. Bei neuen oder unklaren Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht rufen Sie den Notruf 112.6,15,18

Angst, Zwang oder etwas anderes?

Wie sich Angst- und Zwangsstörung nach der ICD-11 unterscheiden und was ärztlich abgegrenzt werden sollte: körperliche Ursachen, Substanzen und andere psychische Erkrankungen.

Ähnliche Beschwerden können körperliche Ursachen haben, durch Substanzen entstehen oder zu einer anderen psychischen Erkrankung gehören. Zur Diagnose gehört deshalb eine Abgrenzung in alle drei Richtungen, bei Angst ebenso wie bei Zwang.

Angst oder Zwang?

MerkmalAngststörungenZwangsstörung
Gruppe in der ICD-11angst- oder furchtbezogene StörungenZwangsstörung und verwandte Störungen
Kern des ErlebensSorgen, soziale Ängste, Panikattackenaufdrängende, unerwünschte Gedanken, Bilder oder Impulse
Typische ReaktionVermeidung, auch unauffälliges Sich-Stützen auf Gegenstände oder Personenwiederholte Handlungen oder Rituale
Kurzfristige WirkungVermeidung verringert Beschwerden kurzfristigRituale mindern Anspannung oder Angst

Nach ICD-11 und WHO-Leitfaden10116151617

Was sonst dahinterstecken kann

Abgrenzung vonRichtungbetrifftWorauf es ankommt
Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, Anfälle, MigränekörperlichAngstNach der S3-Leitlinie sind unter anderem Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, Anfälle und Migräne abzugrenzen.18
Körperliche AbklärungkörperlichAngstZum Ausschluss körperlicher Ursachen empfiehlt die S3-Leitlinie unter anderem Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, TSH und EKG.18
Bildgebung und BluttestskörperlichAngstBildgebung hat bei der Diagnose von Angststörungen nur zum Ausschluss anderer Ursachen eine Rolle, und Bluttests sind für die Einzelfalldiagnose nicht geeignet.15
Stimulanzien, AlkoholentzugSubstanzenAngstAuch Stimulanzien und der Entzug etwa von Alkohol können deutliche Angstsymptome auslösen.15
Generalisierte Angststörungandere psychische ErkrankungAngst und ZwangSorgen über mögliche Ereignisse in Arbeit, Finanzen, Gesundheit, Familie11
Zwangsstörungandere psychische ErkrankungAngst und Zwangaufdrängend, Inhalt oft seltsam oder irrational, meist mit Zwangshandlungen11
Depressionandere psychische ErkrankungAngst und ZwangGrübeln mit gedrückter Stimmung, Schuld, Hoffnungslosigkeit11
Psychoseandere psychische ErkrankungZwangkeine Halluzinationen; geringe Einsicht allein ist keine Psychose11
Tic-Störungandere psychische ErkrankungZwangTics unwillkürlich, Zwangshandlungen absichtlich11
Autismus-Spektrumandere psychische ErkrankungZwangWiederholungen ohne den Drang, Angst zu mindern11
Anankastische Persönlichkeitsstörungandere psychische ErkrankungZwangPerfektionismus und starre Kontrolle als Muster11
Panikstörung, soziale Angststörung, Agoraphobie untereinanderandere psychische ErkrankungAngstFurcht vor Panikattacken spricht eher für Panikstörung, vor Beobachtung für soziale Angst, vor Eingeschlossensein für Agoraphobie.1
Beginn jenseits des 50. Lebensjahresneurologisch / hirnorganischZwangBeginnt eine Zwangsstörung jenseits des 50. Lebensjahres, soll nach der Leitlinie eine hirnorganische Abklärung erfolgen.17
Plötzlicher oder später Beginnneurologisch / hirnorganischZwangEin plötzlicher oder später Beginn sollte nach dem WHO-Leitfaden weiter abgeklärt werden, etwa auf einen Schlaganfall der Basalganglien.11
Behandlung ohne Erfolgneurologisch / hirnorganischAngst und ZwangBleibt eine Behandlung ohne Erfolg, lohnt nach einer Übersicht im Nervenarzt ein zweiter Blick: Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem eine falsche Diagnose, Begleiterkrankungen, Substanzkonsum und organische Ursachen.75

15 von 15 Zeilen

Bei neuen oder unklaren Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht rufen Sie den Notruf 112. Ob es sich um eine Panikattacke handelt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.

  • körperlich
  • Substanzen
  • andere psychische Erkrankung
  • neurologisch

KernsatzMehrere Diagnosen können auch nebeneinander bestehen.

Quellen: 1; 6; 10; 11; 15; 16; 17; 18; 75


Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

Verlauf bei Angststörungen

Angststörungen gehören zu den beständigsten psychischen Störungen: In Längsschnittstudien trat ein spontanes Abklingen (Remission) ohne Behandlung in höchstens 23 % der Fälle auf, in einer kleinen Studie bei etwa 40 %.15

In einer 12-jährigen US-Verlaufsstudie (Harvard/Brown) an Erwachsenen mit Angststörungen verlief die Mehrheit chronisch. Die soziale Phobie hatte die geringste Erholungswahrscheinlichkeit.76

Wer sich zwischenzeitlich erholt hatte, erlitt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rückfall.76

Ausführlich lesen

In Längsschnittstudien waren nach zwei Jahren bei etwa 70 % der Menschen mit Panikstörung ohne Agoraphobie oder mit generalisierter Angststörung die Beschwerden abgeklungen, bei mehreren Angststörungen bei 43 %.1

Die Formen verlaufen unterschiedlich. Die soziale Angststörung beginnt nach NICE im Median mit 13 Jahren und gehört zu den beständigsten Angststörungen; nur etwa die Hälfte der Betroffenen sucht jemals Behandlung.26

Die generalisierte Angststörung beginnt nach der weltweiten WHO-Befragung dagegen typischerweise im Erwachsenenalter und besteht dann fort.77

Einen anhaltenden Verlauf sagten in einer Übersicht von 48 Studien vor allem stärkere und länger bestehende Vermeidung, niedrige Extraversion, höhere Angstsensitivität und stärkere Verhaltenshemmung voraus. Das sind Gruppenwerte und keine Prognose.78

Rückfälle nach erfolgreicher Verhaltenstherapie wurden nur in sechs Studien erfasst, überwiegend bei Panikstörung; dort lagen sie drei bis zwölf Monate nach Therapieende zwischen 0 und 14 %.79

Verlauf bei Zwangsstörungen

Der Verlauf ist häufig chronisch, mit schwankenden Beschwerden.17

In einer schwedischen Kohorte von Menschen, die 1947 bis 1953 stationär behandelt wurden, hatten sich nach rund 40 Jahren 83 % gebessert; 20 % waren vollständig genesen, weitere 28 % hatten nur noch leichte Restsymptome. Die Behandlung damals ist mit heute nicht vergleichbar.80

In der niederländischen NOCDA-Kohorte (n = 270) war ein früheres seelisches Trauma mit einem höheren Risiko verbunden, dass die Zwangsstörung innerhalb von zwei Jahren chronisch wurde (Odds Ratio 1,98; 95%-Konfidenzintervall 1,22 bis 3,22). Eine längere Krankheitsdauer war damit verbunden, dass sie chronisch blieb (1,46).81

Begleiterkrankungen

Bei 48 bis 68 % der Erwachsenen mit einer Angststörung liegt zusätzlich eine weitere Angststörung vor, bei der Hälfte bis zwei Dritteln eine Major Depression.1

Angststörungen gehen mit einem erhöhten Risiko für spätere Depressionen einher; für spätere Suchterkrankungen ist der Zusammenhang schwächer und zeigte sich vor allem bei Panikstörung und sozialer Angststörung.15

Bei sozialer Angststörung bestehen nach NICE häufig zusätzlich eine Depression (19 %) oder eine Substanzgebrauchsstörung (17 %).26

Seelische Erkrankungen, darunter Angststörungen, gingen außerdem mit einem erhöhten Risiko für später beginnende chronische körperliche Erkrankungen einher (Odds Ratios 1,2 bis 2,0). Das sind Zusammenhänge, keine Ursachennachweise.20

Bei der Zwangsstörung erfüllten in der US-Befragung 90 % im Lauf des Lebens auch die Kriterien einer weiteren psychischen Störung, am häufigsten von Angststörungen (75,8 %), Stimmungsstörungen (63,3 %), Impulskontrollstörungen (55,9 %) und Suchterkrankungen (38,6 %).30

In schwedischen Registerdaten war die Zwangsstörung mit einem deutlich erhöhten Risiko für Substanzmissbrauch verbunden (Hazard Ratio 3,68; 95%-Konfidenzintervall 3,52 bis 3,85).31

Suizidgedanken

In einer niederländischen Bevölkerungsstudie hing eine zuvor bestehende Angststörung auch nach Berücksichtigung anderer psychischer Störungen mit späteren Suizidgedanken (Odds Ratio 2,32) und Suizidversuchen (3,64) zusammen.19

Bei Zwangsstörung war das Risiko in einer schwedischen Registerstudie mit 36.788 Betroffenen ebenfalls erhöht, ein Suizid blieb aber ein seltenes Ereignis (545 Fälle im Beobachtungszeitraum). Beide Werte beschreiben Gruppen, nicht den Einzelfall.32

Erklärvideo · 37 s

Verlauf: was Langzeitstudien zeigen

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Angst- und Zwangsstörungen verlaufen oft lang. Ohne Behandlung klangen Angststörungen in Längsschnittstudien in höchstens 23 Prozent der Fälle ab, in einer kleinen Studie bei etwa 40 Prozent. Wer sich erholt hatte, erlitt in einer zwölfjährigen Studie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rückfall. Bei der Zwangsstörung hatten sich in einer schwedischen Kohorte nach rund 40 Jahren 83 Prozent gebessert. 20 Prozent waren vollständig genesen, weitere 28 Prozent hatten nur leichte Restsymptome. Das sind Gruppenwerte und keine Vorhersage für Sie.15,17,76,80

Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

Was Langzeitstudien über Monate bis Jahrzehnte gefunden haben. Jede Studie steht für sich; die Werte sind Gruppenwerte und keine Vorhersage für Einzelne.

Keine gemeinsame Verlaufskurve: Studien, Populationen und Zeiträume unterscheiden sich. Gruppenwerte, keine Vorhersage für Sie.

Angststörungen
Zwangsstörung

Beobachtungsdauer, logarithmische Achse. Jede Markierung ist eine eigene Studie.

So lesen

Einen Zeitpunkt auswählen

Für einen durchgehenden Verlauf mit Konfidenzband liegen in den ausgewerteten Quellen keine Daten vor. Die Grafik zeigt deshalb einzelne Zeitpunkte aus verschiedenen Studien, ohne sie zu einer Kurve zu verbinden.

Ansprechen auf Psychotherapie, 441 Studien: Anteil mit mindestens halbierten Symptomen, 95-%-KI8

Zwangsstörung020406038 %30 bis 47
Panikstörung020406038 %33 bis 43
Generalisierte Angststörung020406036 %30 bis 42

Ansprechen: mindestens halbierte Symptome; keine Rangliste.

Zwangsstörung: Risiko, dass sie innerhalb von zwei Jahren chronisch wurde, nach früherem seelischem Trauma (Odds Ratio, 95-%-KI, logarithmisch)81

Trauma in der Vorgeschichte0,51241,981,22 bis 3,22
← geringeres Risikohöheres Risiko →

Zwangsstörung: Substanzmissbrauch (Hazard Ratio, 95-%-KI, logarithmisch)31

Mit gegenüber ohne Zwangsstörung0,512483,683,52 bis 3,85

Zusammenhänge in Beobachtungsdaten, keine Ursachennachweise und keine Vorhersage für Einzelne.

Zwang: 40-Jahres-Verlauf einer Kohorte (1947 bis 1953 stationär)80

Gruppenwerte; damalige Behandlung.

  • Angststörungen
  • Zwangsstörung
  • Psychotherapie
  • kein Unterschied (1 bzw. 0)

KernsatzDas sind Gruppenwerte und keine Prognose.78

Verlaufsdaten als Tabelle
StörungZeitraumBefundBeleg
Angststörungen3 bis 12 MonateRückfall nach Verhaltenstherapie: 0 bis 14 %79
Angststörungen2 JahreAbgeklungen nach zwei Jahren: etwa 70 %1
Angststörungen12 JahreChronischer Verlauf bei der Mehrheit: Mehrheit76
AngststörungenLängsschnittstudienSpontanes Abklingen (Remission) ohne Behandlung: höchstens 23 %15
Zwangsstörung2 JahreTrauma und chronischer Verlauf (NOCDA): Odds Ratio 1,9881
Zwangsstörung40 Jahre (Kohorte 1947 bis 1953 stationär)Gebessert: 83 %80

Quellen: 1; 8; 15; 76; 78; 79; 80; 81; 31


Was passiert im Gehirn? Konkurrierende Modelle

Wie Angst- und Zwangsstörungen im Gehirn entstehen, ist nicht vollständig aufgeklärt. Die Neurobiologie der einzelnen Angststörungen ist größtenteils unbekannt. Beschrieben wurden vor allem Veränderungen im limbischen System, eine gestörte Stressachse und genetische Faktoren.15

Dieses Kapitel ordnet die Modelle nach dem Stand der Belege: Was wir wissen, was wir vermuten und was offen ist. Die Tabelle zeigt den Evidenzstand, den die Recherche aus den Quellen ableitet. Sie ist eine Einordnung der Redaktion und kein Studienergebnis.

Redaktionelle Einordnung nach Stand der Belege

ModellGilt fürEvidenzstand
Furchtnetzwerk und Amygdala-ReaktivitätAngststörungenteilweise gestützt
Furchtlöschung und FurchtgeneralisierungAngststörungen und Zwangteilweise gestützt
Unsicherheit und Körperwahrnehmung (Insula)Angststörungen, besonders Panikvorläufig
Botenstoff-Ungleichgewicht bei AngstAngststörungenumstritten
Stressachse (HPA)Angststörungenvorläufig
Genetik der AngststörungenAngststörungengut gestützt
Temperament und frühe EntwicklungAngststörungenteilweise gestützt
CSTC-Schleifen bei ZwangZwangsstörungteilweise gestützt
Gewohnheitslernen bei ZwangZwangsstörungteilweise gestützt
Fehlersignale bei ZwangZwangsstörungteilweise gestützt
Serotonin-Hypothese bei ZwangZwangsstörungumstritten
Glutamat-Hypothese bei ZwangZwangsstörungvorläufig
Genetik der ZwangsstörungZwangsstörunggut gestützt
Entzündung und Autoimmunität (PANDAS/PANS)Zwangsstörungvorläufig
  • gut gestützt
  • teilweise gestützt
  • vorläufig
  • umstritten

Zwei Netzwerkmodelle: Furchtnetzwerk und CSTC-Schleife

Gehirn in Seitenansicht: Die Amygdala leuchtet blaugrün und ist mit dem vorderen Gyrus cinguli und dem Stirnhirn verbunden; eine helle Linie zur Hirnanhangsdrüse steht für die Stressachse.
KI-generierte schematische Illustration, qualitatives Modell, keine Messwerte

Furchtnetzwerk (Angststörungen)

  1. Die Amygdala steht im Mittelpunkt der Furchtforschung.73
  2. Insula und vorderer Gyrus cinguli sind bei Angst stärker beteiligt.82,83
  3. Der ventromediale präfrontale Kortex ist beim Abruf gelöschter Furcht geringer aktiviert.84
  4. Die Stressachse wird für anhaltende Angst diskutiert, die Befunde sind uneinheitlich.73,85
Gehirn in Seitenansicht mit einer goldenen Lichtschleife vom Stirnhirn über die Basalganglien und den Thalamus zurück zum Stirnhirn, als Modell der CSTC-Schleife.
KI-generierte schematische Illustration, qualitatives Modell, keine Messwerte

CSTC-Schleife (Zwangsstörung)

  1. Stirnhirn und Basalganglien steuern zielgerichtetes Verhalten und Gewohnheiten.86
  2. In den Regionen der CSTC-Schleife zeigt sich wiederholt erhöhte Aktivität.87
  3. Gewohnheitsbasiertes Handeln überwiegt in Laboraufgaben.88
  4. Das Fehlersignal ist verstärkt und bleibt nach Verhaltenstherapie bestehen.89

Qualitative Modelle auf Gruppenebene; keine Messwerte, keine Diagnose, keine individuelle Aussage.

Die Modelle im Einzelnen

Gut gestützt ist die Erblichkeit

Am besten gestützt ist die Erblichkeit. Familienstudien fanden für Panikstörung, generalisierte Angst, Phobien und Zwang bei Verwandten ersten Grades eine 4- bis 6-fach erhöhte Chance (Odds Ratio), selbst zu erkranken. Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit auf etwa 43 % für die Panikstörung und 32 % für die generalisierte Angststörung. Für Phobien und Zwang gab es nur wenige Zwillingsstudien, und bei Frauen mit generalisierter Angst schloss die Analyse einen Einfluss der Familienumwelt nicht aus.90

In einer schwedischen Registerstudie (24.768 Betroffene) stieg das Zwangsrisiko mit dem Verwandtschaftsgrad. In der Zwillingsauswertung derselben Studie (16.383 Zwillinge) gingen etwa 47 % (95%-Konfidenzintervall 42 bis 52 %) auf erbliche Faktoren zurück; ein Einfluss der gemeinsamen Familienumwelt war nicht nachweisbar. Nicht mit der Familie geteilte Umwelteinflüsse waren nach den Autoren mindestens ebenso wichtig.39

Hinter der Erblichkeit stehen viele Gene mit kleinen Beiträgen. In einer Genomstudie mit 25.453 Betroffenen und 58.113 Kontrollen erklärten häufige Genvarianten etwa 26 % der Veranlagung zu Angststörungen.91

Für die Zwangsstörung erreichte in einer gemeinsamen Auswertung zweier Genomstudien von 2018 mit 2.688 Betroffenen noch keine einzelne Variante genomweite Signifikanz; die SNP-Heritabilität lag bei 0,28.92

Nach heutigem Stand tragen häufige und seltene Genvarianten zum Zwangsrisiko bei. Eine Exom-Sequenzierung bei 3.964 Menschen mit Zwangsstörung, chronischen Tics oder beidem fand 2026 36 Risikogene mit seltenen, aber starken Mutationen; vier davon überlappen mit Genorten aus genomweiten Zwangsstudien.93,94

Gentests werden für Angststörungen nach einer Lancet-Übersicht noch nicht empfohlen (Stand 2021).1

Bei der Zwangsstörung sind die gefundenen kognitiven und gefühlsbezogenen Veränderungen noch nicht empfindlich oder spezifisch genug, um die klinische Praxis zu leiten.2

Selbst große Auswertungen finden nur kleine Unterschiede: In der ENIGMA-OCD-Studie (1.830 Betroffene, 1.759 Kontrollen) lagen die Effekte bei Erwachsenen bei Cohen d = −0,13 für den Hippocampus und +0,16 für das Pallidum; bei medizierten Betroffenen waren sie stärker.40

Das Furchtnetzwerk bei Angststörungen

Im Mittelpunkt der Forschung zu Angststörungen steht die Amygdala. Nach einer aktuellen Übersicht ist sie zentral für Furcht, während die Stressachse stärker für anhaltende Angst zuständig scheint.73

In einer Meta-Analyse bildgebender Studien waren Amygdala und Insula bei sozialer Angststörung, spezifischer Phobie oder posttraumatischer Belastungsstörung bei negativen Emotionen stärker aktiv als bei Vergleichspersonen.82

Über viele psychische Erkrankungen hinweg war die Amygdala bei Gefühlsaufgaben stärker aktiv, mittlere und seitliche Stirnhirnregionen dagegen schwächer.95

Bei Angststörungen war die Ruhe-Verbindung der Amygdala zum vorderen Gyrus cinguli geringer als bei Gesunden (Hedges g = −0,54; 95%-Konfidenzintervall −0,73 bis −0,35; 378 Patientinnen und Patienten, 405 Kontrollen). Nach strenger Korrektur blieb das der einzige robuste Befund.83

Die Befunde sind weniger eindeutig, als dieses Bild nahelegt. Überaktivierungen in vorderem Gyrus cinguli, Amygdala und Thalamus fand eine große Meta-Analyse über Stimmungs-, Angst- und posttraumatische Störungen hinweg nur bei weniger strengem statistischem Schwellenwert.96

Strukturell sind die Unterschiede sehr klein: Bei sozialer Angststörung waren die Putamen-Volumina beidseits minimal kleiner als bei Kontrollen (Cohen d −0,077 und −0,104). Ob die Überaktivität Ursache, Folge oder Ausgleich ist, ist offen.97

Furchtlöschung und Exposition

Ein zweites Modell betrifft das Löschen gelernter Furcht, die Extinktion. Menschen mit Angststörungen (61 Betroffene, 21 Gesunde) zeigten beim Abruf einer gelernten Extinktion eine geringere Aktivierung des ventromedialen präfrontalen Kortex als Gesunde.84

Eine zweite Auswertung derselben Arbeitsgruppe aus demselben Erhebungszeitraum (114 Erwachsene) fand das in allen untersuchten Angstgruppen; eine unabhängige Wiederholung ist das nicht.98

Bei Zwangsstörung (21 Betroffene, 21 Gesunde) war der Abruf der Extinktion ebenfalls beeinträchtigt. Die Symptomschwere hing aber unerwartet mit stärkerem, nicht schwächerem Abruf zusammen.99

Das Verständnis der Furchtlöschung bildet die Grundlage der Expositionsbestandteile der Verhaltenstherapie.13

Die Messung ist allerdings uneinheitlich: Für den Extinktions-Retentionsindex gibt es 16 unterschiedliche Berechnungen.100

D-Cycloserin, ein Wirkstoff, der die Furchtlöschung verstärken sollte, verstärkte die Expositionstherapie in einer Einzeldaten-Meta-Analyse nur geringfügig (Cohen d −0,25 am Behandlungsende; zur Halbzeit und bei der Nachbeobachtung nicht signifikant).101

Botenstoffe und Stressachse

Verschiedene Botenstoffsysteme werden mit Angststörungen in Verbindung gebracht, ohne dass eines als Ursache gesichert wäre. Bei sozialer Angst war die Serotonin-1A-Bindung in der Amygdala um rund 21 % geringer (12 unmedizierte Männer, 18 Gesunde).102

Eine andere PET-Studie (18 bzw. 26 Betroffene) fand dagegen Hinweise auf ein überaktives Serotoninsystem. Eine einfache Mangelerklärung stützen diese Befunde nicht.103

Bei der Zwangsstörung hat die Wirksamkeit der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bisher weder zur Entdeckung serotonerger Auffälligkeiten noch zu neuen serotonergen Medikamenten geführt.87

Auch für die Stressachse sind die Befunde uneinheitlich. Menschen mit sozialer Angststörung (18 Personen) hatten stärkere Cortisolantworten auf sozialen Stress als Gesunde (22 Personen).104

Für die Panikstörung bezeichneten die Autorinnen und Autoren einer Studie aus dem Jahr 2000 die Befunde zur Stressachse als uneinheitlich; sie selbst fanden bei 25 Betroffenen während spontaner Panikattacken einen leichten Cortisolanstieg.85

Körperwahrnehmung und Unsicherheit

Ein drittes Modell stellt Ungewissheit und die Wahrnehmung des eigenen Körpers in den Mittelpunkt. Ungewissheit über eine mögliche künftige Bedrohung erschwert Vermeiden und Gegensteuern und führt dadurch zu Angst.105

Über mehrere psychische Erkrankungen hinweg, darunter Angst, war die Aktivierung der linken mittleren dorsalen Insula bei Aufgaben zur Körperwahrnehmung verändert.106

Bei Verwandten ersten Grades von Menschen mit Panikstörung zeigten 32,6 % beim CO2-Atemtest eine paradoxe Abnahme des Atemminutenvolumens, in der Kontrollgruppe 2,6 %. Die Gruppenmittelwerte unterschieden sich nicht, nur die Verteilung (46 Personen mit erkrankten Verwandten, 39 ohne). Dieses Modell gilt als vorläufig.107

Schleifen zwischen Stirnhirn und Basalganglien bei Zwang

Funktionelle Bildgebung zeigt bei Zwangsstörung wiederholt erhöhte Aktivität in den Regionen der kortiko-striato-thalamo-kortikalen Schleife, kurz CSTC-Schleife. Neuromodulation stützt dieses Modell zusätzlich.87

Zwanghaftes Verhalten beruht nach heutigem Stand auf fronto-striatalen Systemen für zielgerichtetes Verhalten und Gewohnheiten.86

Große Auswertungen zeichnen ein weniger klares Bild. In der Ruhe-fMRT zeigte sich bei Zwangsstörung eine globale Unterverbindung, aber keine fronto-striatalen Auffälligkeiten, und die Unterscheidung von Gesunden gelang nur schwach (AUC 0,57 bis 0,67).108

Die Effekte in der Hirnrinde lagen im kleinen Bereich (Cohen d −0,10 bis −0,33).109

Nach dem Gewohnheitsmodell überwiegt gewohnheitsbasiertes über zielgerichtetes Handeln: Menschen mit Zwangsstörung verließen sich in einer Laboraufgabe stärker auf Gewohnheiten.88

Die Autorinnen und Autoren einer späteren Studie deuten ihren Befund eher als Störung des zielgerichteten Systems.110

Das Fehlersignal-Modell nimmt eine überaktive Fehlerverarbeitung an: Das EEG-Fehlersignal war bei Zwangsstörung verstärkt und blieb nach erfolgreicher Verhaltenstherapie bestehen.89

Für eine Entzündungskomponente gibt es erste Hinweise. In einer kleinen PET-Studie war ein Marker aktivierter Mikroglia in den Regionen der CSTC-Schleife im Mittel um 32 % erhöht (20 Betroffene, 20 Gesunde).111

In dänischen Registerdaten hatten Kinder nach einem positiven Streptokokken-Test ein erhöhtes Zwangsrisiko im Vergleich zu Kindern ohne Streptokokken-Test (Inzidenzratenverhältnis 1,51; 95%-Konfidenzintervall 1,28 bis 1,77), nach anderen Racheninfektionen ebenfalls (1,28). Das ist ein Zusammenhang, kein Nachweis der PANDAS-Ursachenkette.112

Was offen bleibt

Offen ist, welche Befunde Ursache, Folge oder Ausgleich sind, welche für eine einzelne Störung gelten und welche für mehrere, wie Gene und Umwelt zusammenwirken und warum Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken, obwohl keine serotonerge Auffälligkeit gesichert ist.


Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

Alle Befunde dieses Kapitels beschreiben Gruppen. Sie erklären nicht, warum eine bestimmte Person erkrankt ist, und sie begründen keine Schuld, weder bei Betroffenen noch bei Eltern. Die meisten Menschen mit einem Risikofaktor erkranken nicht, und viele Erkrankte haben keinen der bekannten Faktoren.

Bei der Zwangsstörung beschreibt eine Übersicht in Nature Reviews Neuroscience eine mehrursächliche familiäre Erkrankung mit polygenen und Umweltfaktoren.113

  1. Veranlagung, Temperament, Persönlichkeit

    Ein früh sichtbares scheues Temperament, die Verhaltenshemmung, geht mit einem erhöhten Risiko für spätere soziale Angst einher. In einer Hochrisikostichprobe trat die soziale Angststörung bei gehemmten Kindern häufiger auf (17 %) als bei nicht gehemmten (5 %).114

    Nach einer Übersicht entwickeln rund 60 % dieser Kinder später keine soziale Angststörung.115

    Hohe Neurotizismus-Werte gehen Angst häufig voraus. Nach Abzug früherer Beschwerden halbiert sich der Zusammenhang, bleibt aber bestehen (59 Studien, 443.313 Teilnehmende).116

  2. Erziehung und Bindung

    Die Zusammenhänge mit Erziehung sind schwach und wurden rückblickend erhoben. Jugendliche mit sozialer Phobie beschrieben ihre Eltern in einer Gemeindestudie häufiger als überbehütend oder ablehnend (Odds Ratio je 1,4).117

    In einer Zwillingsstudie mit 1.033 Frauenpaaren ließ sich die familiäre Häufung der generalisierten Angst weitgehend durch gemeinsame Gene erklären. Eine spätere Meta-Analyse hielt einen Einfluss der Familienumwelt bei Frauen jedoch für möglich, aber unsicher. Eine Schuld der Eltern lässt sich aus solchen Daten nicht ableiten.90,118

  3. Belastende Kindheitserfahrungen, Mobbing, Lebensereignisse

    In einer US-Bevölkerungsumfrage ordneten Berechnungen belastende Kindheitserfahrungen etwa 45 % der in der Kindheit beginnenden und 26 bis 32 % der später beginnenden seelischen Störungen zu. Das sind Modellrechnungen auf Grundlage rückblickender Angaben.119

    Erwachsene, die von belastenden Kindheitserfahrungen berichteten, hatten eine etwa doppelt so hohe Chance auf eine Panikstörung (Odds Ratio 2,2; 95%-Konfidenzintervall 1,82 bis 2,58; 34 Studien). Die Autoren sprechen von leichten bis mittleren Zusammenhängen.120

    Rückblickend und vorausschauend erfasste Belastungen stimmen allerdings schlecht überein (Kappa 0,19).121

    Kinder, die gemobbt wurden, hatten im jungen Erwachsenenalter häufiger Agoraphobie (Odds Ratio 4,6), generalisierte Angst (2,7) und Panikstörung (3,1).122

    In einer britischen Geburtskohorte hatten häufig gemobbte Kinder noch mit 45 Jahren öfter Angststörungen (Odds Ratio 1,65).123

    Für die Zwangsstörung beschreibt eine schwedische Registerstudie mit 2,4 Millionen Geburten kleine Risikoerhöhungen im Zusammenhang mit Komplikationen rund um die Geburt, von Hazard Ratio 1,11 bei einem Ereignis bis 1,51 bei fünf oder mehr. Der Zusammenhang blieb im Geschwistervergleich bestehen.124

  4. Beginn und Vorläufer

    In einer neuseeländischen Geburtskohorte hatten 73,9 % der 26-Jährigen mit einer psychischen Störung schon vor dem 18. Lebensjahr eine Diagnose, häufig der gleichen Art.125

    Etwa die Hälfte der Erwachsenen mit einer Angststörung hatte bis zum Alter von 15 Jahren eine psychische Störung, ein Drittel eine Angststörung.126

    Eine Angst- oder depressive Störung im Jugendalter sagte ein etwa zwei- bis dreifaches Risiko für eine solche Störung im jungen Erwachsenenalter voraus. Die meisten Störungen des Jugendalters waren im Erwachsenenalter aber nicht mehr vorhanden.127

  5. Was offen bleibt

    In den für diesen Beitrag ausgewerteten Quellen fanden sich keine gesicherten Schutzfaktoren für Angst- und Zwangsstörungen; zur Bindung fanden sich nur Modellbeschreibungen.


Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

Psychologische Modelle beschreiben, wie Angst und Zwang entstehen oder sich festigen können. Sie sind kein Beweis für eine Ursache im Einzelfall. Dass eine aus einem Modell abgeleitete Therapie wirkt, belegt außerdem nicht, dass das Modell die Entstehung richtig beschreibt.

ModellKerngedankeEinordnung
Lerntheorie der PhobienPhobien entwickeln sich in Stufen: von Furcht über Vermeidung bis zur Diagnosenicht jede Furcht wird zur Phobie
Kognitives Modell der sozialen Angst (Clark und Wells)Selbstfokus und Sicherheitsverhalten halten die Angst aufrechtTherapie nach diesem Modell empfiehlt NICE; das belegt ihre Wirkung, nicht die Entstehung
Kognitiv-behaviorales Zwangsmodell (Salkovskis)normale aufdrängende Gedanken werden als bedrohlich gedeutetzum Teil empirisch gestützt, erklärt die Störung nicht vollständig
UnsicherheitsmodellUngewissheit über künftige Gefahr erschwert Ausweichen und führt zu AngstRahmenmodell, kein Ursachenbeweis
Psychodynamische ModelleAngstsymptome entstehen durch früh entstandene KonflikteWirksamkeit psychodynamischer Therapie bei häufigen psychischen Erkrankungen in 64 randomisierten Studien belegt; für Zwang sieht NICE keinen überzeugenden Beleg
Transdiagnostisches ModellAngststörungen als Ausdrucksformen einer gemeinsamen Anfälligkeit (Annahme der Autoren, kein Analyseergebnis)Unified Protocol in einer Studie gleichwertig mit störungsspezifischen Programmen; das belegt Wirksamkeit, nicht den Mechanismus

Quellen 12,14,16,17,18,26,61,105,128,129

Bei sozialer Angststörung erreichten in einer multizentrischen Studie mit 495 Erwachsenen nach der Behandlung 36 % unter Verhaltenstherapie, 26 % unter psychodynamischer Therapie und 9 % auf der Warteliste eine Remission. Verhaltenstherapie war bei der Remission signifikant überlegen, beim Ansprechen nicht; die Unterschiede zwischen den Therapien waren klein.27

In einem Netzwerkvergleich mit 101 Studien war psychodynamische Therapie gegenüber der Warteliste wirksam, Einzel-Verhaltenstherapie wirkte stärker.130

Die Modelle schließen einander nicht aus. Für die Behandlung zählt, welches Verfahren bei welcher Störung die beste Evidenz hat. Das beschreibt das Kapitel zur Psychotherapie.


Wie wird eine Angst- oder Zwangsstörung festgestellt?

  1. Das Gespräch und die Kriterien

    In Deutschland sollen Angststörungen nach der S3-Leitlinie von 2021 nach der ICD-10-GM diagnostiziert werden.18

  2. Körperliche Abklärung

    Zum Ausschluss körperlicher Ursachen empfiehlt die S3-Leitlinie unter anderem Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, TSH und EKG.18

  3. Fragebögen und ihre Grenzen

    Kurze Fragebögen können Anlass zur weiteren Abklärung geben, sie stellen aber keine Diagnose.

    NICE empfiehlt bei Verdacht auf eine soziale Angststörung den Mini-SPIN mit drei Fragen; ab 6 Punkten soll eine umfassende Beurteilung erfolgen.26

    Bei Verdacht auf eine Angststörung rät NICE zum Zwei-Fragen-Test GAD-2 nach Angst und Kontrolle der Sorgen.25

    Für die Zwangsstörung besteht die Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS) aus zehn Items, die ein Untersucher mit 0 bis 4 bewertet. Der Gesamtwert reicht von 0 bis 40.131

  4. Selbsttests als Orientierung

    Online-Selbsttests können eine Orientierung geben, ersetzen aber keine Diagnose. Das Ergebnis ist ein Hinweis, keine Diagnose.


Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition

Für die kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT, liegen bei Angststörungen die meisten Wirksamkeitsstudien vor. Gegenüber psychologischem oder Tabletten-Placebo zeigte sie nach einer JAMA-Übersicht bei generalisierter Angst einen großen Effekt (Hedges g 1,01), bei sozialer Angst (0,41) und Panikstörung (0,39) kleine bis mittlere Effekte.6

In einer einheitlichen Auswertung von 375 Studien mit Erwachsenen lagen die Effektstärken der KVT gegenüber inaktiven Kontrollbedingungen bei Panikstörung, sozialer Angst, generalisierter Angst und Zwang zwischen 0,5 und 1,0. Sie hängen von der Vergleichsgruppe ab: In Studien mit Wartelisten waren sie groß, in Studien mit üblicher Behandlung bescheidener.41

Exposition mit Reaktionsmanagement bei Zwang

Bei der Zwangsstörung besteht die Psychotherapie der ersten Wahl aus störungsspezifischer kognitiver Verhaltenstherapie mit Exposition (Empfehlungsgrad A).17

Exposition bedeutet, sich gezielt und geplant dem gefürchteten Auslöser auszusetzen. Reaktionsmanagement bedeutet, die gewohnte Zwangshandlung währenddessen nicht auszuführen.

Computer- und onlinebasierte Verhaltenstherapie senkte Zwangssymptome nach einer JAMA-Übersicht klinisch bedeutsam, wenn geschulte Therapeutinnen und Therapeuten sie begleiteten.7

Wie lange die Wirkung anhält

Bei Zwangsstörung blieb der Vorteil der KVT gegenüber Kontrollbedingungen bis zu zwölf Monate nach Therapieende erkennbar (Effektstärken 0,70 bis 0,85). Randomisierte Studien mit längerer Nachbeobachtung fehlten.79

Zwölf Monate oder länger nach Therapieende war der Vorteil bei generalisierter Angststörung noch nachweisbar (kleiner Effekt), bei Panikstörung nicht.79

Wie viele ansprechen

In 441 Studien (33.881 Patientinnen und Patienten) sprachen auf Psychotherapie bei Zwang 38 %, bei Panikstörung 38 % und bei generalisierter Angst 36 % an, gemessen als mindestens halbierte Symptome.8

Die Autorinnen und Autoren halten die absoluten Ansprechraten für bescheiden. Für Menschen, die auf eine erste Behandlung nicht ansprechen, würden wirksamere Behandlungen gebraucht.8

Weitere Verfahren und Formate

Bei sozialer Angststörung lag das Ansprechen zwei Jahre nach Therapieende in beiden Verfahren, Verhaltenstherapie und psychodynamischer Therapie, bei rund 70 %.132

NICE empfiehlt bei sozialer Angststörung Einzel-Verhaltenstherapie, die speziell dafür entwickelt wurde.26

Bei Zwangsstörung sieht NICE für Psychoanalyse und einige andere Verfahren bisher keinen überzeugenden Beleg für einen klinisch bedeutsamen Effekt.61

Therapeutengestützte Internet-Verhaltenstherapie führte bei Angststörungen deutlich häufiger zu einer klinisch bedeutsamen Besserung als Wartelisten und ähnliche Kontrollen (Risiko-Verhältnis 3,75). Die Qualität der Belege ist laut Cochrane gering.133

Eine relevante Minderheit der Nutzenden erlebt negative Effekte, mit ähnlichen Verschlechterungsraten wie bei Präsenzbehandlung.134

Eine achtwöchige Achtsamkeitsschulung war in einer US-Studie mit 276 Erwachsenen mit Angststörungen dem Antidepressivum Escitalopram nicht unterlegen (Angstschwere bei den 208 Auswertbaren im Mittel −1,35 gegenüber −1,43 Punkte auf der Skala CGI-S). Die Studie hatte keinen Placebo-Arm; die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten, die Bewertung erfolgte verblindet.22

Gesichtslose Figur setzt den Fuß auf die erste Stufe einer schwebenden Lichttreppe, deren Stufen von Blaugrün zu Gold aufsteigen, als Sinnbild der schrittweisen Konfrontation.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

Angststörungen

Schnitt durch eine Synapse: Bläschen geben blaugrüne Botenstoffe frei, Rezeptoren nehmen sie auf, ein goldenes Wirkstoffmolekül blockiert den Wiederaufnahme-Transporter.
KI-generierte schematische Illustration

Für die generalisierte Angststörung zeigte ein Netzwerkvergleich von 89 Studien (25.441 Personen), dass unter anderem Duloxetin, Pregabalin, Venlafaxin und Escitalopram wirksamer waren als Placebo und relativ gut vertragen wurden. Eine Rangfolge der Substanzen lässt sich daraus nicht ableiten.28

Das Scheitern einer ersten medikamentösen Behandlung muss nach den Autorinnen und Autoren kein Grund sein, die medikamentöse Strategie aufzugeben.28

Bei Panikstörung fand ein Cochrane-Netzwerkvergleich (70 Studien), dass SSRI, Venlafaxin, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer und Benzodiazepine wirksam sein können. Die Belege sind allerdings unsicher, weil alle Studien ein unklares oder hohes Verzerrungsrisiko hatten; untersucht wurde die Akutbehandlung.135

Benzodiazepine

Benzodiazepine waren bei generalisierter Angststörung ebenfalls wirksam, wurden aber schlechter vertragen.28

NICE rät, bei generalisierter Angststörung kein Benzodiazepin anzubieten, außer als kurzfristige Maßnahme in Krisen. Bei Panikstörung sollen sie nicht verordnet werden, weil sie mit einem schlechteren Langzeitergebnis verbunden sind.25

Zwangsstörung

Ein Cochrane-Review mit 17 Studien (3.097 Teilnehmende) fand: Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) senkten Zwangssymptome innerhalb von 6 bis 13 Wochen stärker als Placebo (Unterschied im Y-BOCS im Mittel 3,21 Punkte; 95%-Konfidenzintervall 2,57 bis 3,84).33

Ein klinisches Ansprechen erreichten deutlich mehr Menschen als unter Placebo (Risiko-Verhältnis 1,84). Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.33

Ein Netzwerkvergleich mit 54 Studien bestätigte die SSRI als Gruppe. Clomipramin war nicht stärker wirksam als die SSRI.34

Auch unter Placebo bessern sich die Beschwerden deutlich: In den jeweils zehn hochwertigsten und neuesten Studien je Diagnose lag die Vorher-nachher-Effektstärke unter Placebo bei Zwang bei 0,65, bei generalisierter Angst bei 1,23. Darin stecken auch natürlicher Verlauf und unspezifische Effekte; ein Maß für die Wirkung eines Medikaments ist das nicht.136

Höhere SSRI-Dosen waren in einer Auswertung von 9 Studien wirksamer als niedrige oder mittlere, dafür brachen mehr Menschen wegen Nebenwirkungen ab. Dosisentscheidungen gehören deshalb in ärztliche Hände.137

Rückfall und Absetzen

In einer Studie mit 101 Erwachsenen, die nach Expositionstherapie kaum noch Zwangssymptome hatten, ging es denen, die ihr Antidepressivum doppelblind und ärztlich begleitet ausschlichen (51 Personen), nach 24 Wochen im Mittel nicht schlechter als denen, die es weiter einnahmen (50 Personen). Allerdings verschlechterten sich in der Ausschleich-Gruppe 45 % klinisch, gegenüber 24 % bei Weiterführung.46

Dosis, Wirkung, Nebenwirkung: was Studien zeigen

Eine Geschichte in fünf Schritten. Studiendosen erscheinen als Stufen, nicht in Milligramm. Modellierte Kurven sind als Modell gekennzeichnet. Das ist keine Dosierungsempfehlung.

Keine Dosierungsempfehlung. Studiendosen erscheinen bewusst ohne Milligramm-Angabe. Beenden oder verändern Sie Ihre Medikation deshalb nie auf eigene Faust, sondern immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Schritt 1 von 5

Mehr Dosis heißt nicht automatisch mehr Wirkung.

Mittlere HAM-A-Abnahme nach 4 Wochen: Placebo −8,4; Pregabalin Studiendosis A −12,2, B −11,0, C −11,8; Alprazolam −10,9 (jeweils ± 0,8).53

Die Werte stammen aus zwei getrennten Studien und werden nicht zusammengerechnet.

Studie 1 (4 Wochen): mittlere HAM-A-Abnahme in Punkten, ± 0,8 Standardfehler53

Studie 2 (276 Behandelte, 4 Wochen): mittlere HAM-A-Abnahme in Punkten138

Schritt 2 von 5

Manchmal zeigt sich ein Unterschied nur bei der höchsten Studiendosis.

In einer Fixdosis-Studie zur Panikstörung (278 Randomisierte, 10 Wochen) waren 86,0 % unter der höchsten Paroxetin-Studiendosis, 65,2 % und 67,4 % unter den niedrigeren und 50,0 % unter Placebo in den letzten zwei Wochen frei von vollen Panikattacken.139

Anteil frei von vollen Panikattacken in den letzten zwei Wochen139

Die Studie nennt die Werte der beiden niedrigeren Studiendosen gemeinsam; die Zuordnung zu einer bestimmten Dosis ist im Beleg nicht eindeutig. Nur die höchste Studiendosis unterschied sich signifikant von Placebo.

Schritt 3 von 5

Zwangsstörung: Wirkung und Nebenwirkung steigen gemeinsam.

Höhere SSRI-Dosen waren in einer Auswertung von 9 Studien wirksamer als niedrige oder mittlere, dafür brachen mehr Menschen wegen Nebenwirkungen ab.137

Eine Meta-Analyse von 9 Fixdosis-Studien (2.268 Personen) fand bei Zwangsstörung: Höhere SSRI-Dosen wirkten besser als niedrige oder mittlere, führten aber häufiger zu Abbrüchen wegen Nebenwirkungen; die Gesamtabbrüche hingen nicht von der Dosis ab.137

Eine einzelne Fixdosis-Studie zeigte allerdings keinen gleichmäßigen Anstieg: In der Fixdosis-Studie war Sertralin bei der niedrigsten und der höchsten Studiendosis auf allen drei Hauptmaßen besser als Placebo, bei der mittleren nur auf einem; Nebenwirkungen schienen dosisabhängig.49

Wirkung

größer als bei niedriger oder mittlerer Dosis

Abbrüche wegen Nebenwirkungen

häufiger

Abbrüche insgesamt

hingen nicht von der Dosis ab

Qualitativ: Der Abstract der Meta-Analyse nennt keine Effektzahlen, deshalb zeigt die Grafik keine Werte und keine Kurve.137

Schritt 4 von 5

Wirkung und Nebenwirkung lassen sich nur gemeinsam lesen.

Dosis-Wirkung nach 4 Wochen (Differenz zu Placebo im HAM-A): Studiendosis A −1,2 (95-%-KI −6,0 bis 3,5), B −1,8 (−7,6 bis 4,0), C −5,0 (−9,6 bis −0,4), D −6,0 (−9,8 bis −2,0); nur C und D unterschieden sich signifikant von Placebo.29

Visuelle Wahrnehmungsveränderungen nahmen mit der Studiendosis zu: 46,2 %, 75,0 %, 92,5 % und 100 % gegenüber 10,3 % unter Placebo; Übelkeit 7,7 %, 27,5 %, 40,0 %, 60,0 % gegenüber 7,7 %.29

Die Studiensubstanz ist nicht zugelassen. Studiendosen A bis D statt Milligramm.

Wirkung: Differenz zu Placebo im HAM-A nach 4 Wochen (Punkte), 95-%-KI29

630−3−6−9−12−2,5
PlaceboBezug
A−1,2
B−1,8
C−5,0
D−6,0

Gestrichelte Goldlinie bei −2,5: kleinster klinisch relevanter Unterschied laut Studie.29

Modell Gestrichelte Verbindungslinie nur zur Orientierung, kein Messwert. Die Autoren werteten den Dosis-Wirkungs-Verlauf mit einem statistischen Modell (MCP-Mod) aus; dessen Kurve ist hier nicht nachgezeichnet. Gemessen sind nur die Punkte mit Konfidenzintervall.

Nebenwirkungen bei Studiendosis D29

Zum Vergleich: Placebo

Studiendosis D: Differenz −6,0 Punkte (95-%-KI −9,8 bis −2,0); visuelle Wahrnehmungsveränderungen 100,0 %, Übelkeit 60,0 %, Kopfschmerz 27,5 %.

Schritt 5 von 5

Auch unter Placebo bessert sich vieles.

Auch unter Placebo bessern sich die Beschwerden deutlich: In den jeweils zehn hochwertigsten und neuesten Studien je Diagnose lag die Vorher-nachher-Effektstärke unter Placebo bei Zwang bei 0,65, bei generalisierter Angst bei 1,23. Darin stecken auch natürlicher Verlauf und unspezifische Effekte; ein Maß für die Wirkung eines Medikaments ist das nicht.136

Vorher-nachher-Effektstärke unter Placebo (je zehn hochwertigste und neueste Studien)136

Getrennte Diagnosegruppen, kein Vergleich zwischen ihnen.

Schritt 1 von 5
  • Studiendosis (gemessen)
  • Vergleichsmedikament
  • Placebo
  • Nebenwirkung
  • Modell bzw. Orientierungslinie

KernsatzDosisentscheidungen gehören deshalb in ärztliche Hände.137

Alle Werte der Geschichte als Tabelle
StudieArmWert
Pregabalin, Studie 1Placebo−8,4 Punkte
Pregabalin, Studie 1A−12,2 Punkte
Pregabalin, Studie 1B−11,0 Punkte
Pregabalin, Studie 1C−11,8 Punkte
Pregabalin, Studie 1Alprazolam−10,9 Punkte
Pregabalin, Studie 2Placebo−6,8 Punkte
Pregabalin, Studie 2niedrigere Dosis−9,2 Punkte
Pregabalin, Studie 2höhere Dosis−10,3 Punkte
Pregabalin, Studie 2Lorazepam−12,0 Punkte
Paroxetin, PanikstörungPlacebo50,0 % frei von Attacken
Paroxetin, Panikstörungniedrigere Dosen65,2 und 67,4 % frei von Attacken
Paroxetin, Panikstörunghöchste Dosis86,0 % frei von Attacken
MM120, Differenz zu PlaceboA−1,2 Punkte (95-%-KI −6,0 bis 3,5)
MM120, Differenz zu PlaceboB−1,8 Punkte (95-%-KI −7,6 bis 4,0)
MM120, Differenz zu PlaceboC−5,0 Punkte (95-%-KI −9,6 bis −0,4)
MM120, Differenz zu PlaceboD−6,0 Punkte (95-%-KI −9,8 bis −2,0)
MM120, NebenwirkungenPlacebovisuell 10,3 %, Übelkeit 7,7 %, Kopfschmerz 23,1 %
MM120, NebenwirkungenAvisuell 46,2 %, Übelkeit 7,7 %, Kopfschmerz 12,8 %
MM120, NebenwirkungenBvisuell 75,0 %, Übelkeit 27,5 %, Kopfschmerz 22,5 %
MM120, NebenwirkungenCvisuell 92,5 %, Übelkeit 40,0 %, Kopfschmerz 35,0 %
MM120, NebenwirkungenDvisuell 100,0 %, Übelkeit 60,0 %, Kopfschmerz 27,5 %
Placebo-EffektstärkeZwang / generalisierte Angst0,65 / 1,23

Quellen: 138; 53; 49; 139; 136; 137; 29

Wann zeigte sich ein Unterschied zu Placebo?

Erster berichteter Unterschied zu Placebo in vier Studien. Jede Markierung gehört zu einer eigenen Studie; eine gemeinsame Kurve gibt es nicht.

Keine gemeinsame Kurve: Jede Zeile ist eine eigene Studie mit eigener Population und Messgröße. Markiert ist der erste berichtete Unterschied zur Placebogruppe, nicht der Zeitpunkt, ab dem sich jemand persönlich besser fühlt.

Pregabalin · generalisierte Angst · Studie 1
Pregabalin · generalisierte Angst · Studie 2
Venlafaxin XR · generalisierte Angstbis Woche 28 →
Paroxetin · Panikstörung, höchste Studiendosis

So lesen

Eine Markierung auswählen

Der helle Balken zeigt, wie lange die Studie beobachtet hat; die Markierung den ersten berichteten Unterschied.

  • Beobachtungsdauer der Studie
  • erster berichteter Unterschied

KernsatzMedikamente setzen Sie nie eigenständig ab oder um.

Wirkbeginn als Tabelle
StudieErster berichteter UnterschiedBeobachtungsdauerArt
Pregabalin · generalisierte Angst · Studie 153Woche 14 Wochengemessen
Pregabalin · generalisierte Angst · Studie 2138nach einer Woche4 Wochengemessen
Venlafaxin XR · generalisierte Angst54Woche 1 oder 228 Wochengemessen
Paroxetin · Panikstörung, höchste Studiendosis139meist ab Woche 410 Wochengemessen

Quellen: 54; 138; 53; 139

Nebenwirkungen: was die Studien berichten

Filterbare Übersicht der in den Studien berichteten unerwünschten Wirkungen. Fachinformationen werden hier nicht ausgewertet.

Jede Zeile stammt aus einer anderen Studie mit eigener Erfassung. Häufigkeiten lassen sich nicht zwischen Zeilen vergleichen; eine fehlende Zahl heißt: im Beleg nicht berichtet.

BehandlungPopulationWas berichtet wurdeEinordnung
SSRI (Gruppe)ZwangsstörungIn SSRI-Studien bei Zwangsstörung gehörten Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit stets zu den häufigsten Nebenwirkungen; die Nebenwirkungsraten lagen fast immer über Placebo.33Nebenwirkungsdaten laut Review begrenzt; Langzeitverträglichkeit offen.
ClomipraminZwangsstörungUnter Clomipramin traten vor allem die für trizyklische Antidepressiva typischen Nebenwirkungen auf; selten, aber potenziell ernst waren Krampfanfälle und erhöhte Leberwerte.56Keine Häufigkeiten im Abstract.
EscitalopramGeneralisierte Angst, ab 60 JahrenUnter Escitalopram traten häufiger als unter Placebo Müdigkeit oder Schläfrigkeit (41,1 %), Schlafstörungen (14,1 %) und Harnwegsbeschwerden (9,4 %) auf.50Ältere Menschen; Placebo-Prozentwerte fehlen im Abstract.
Escitalopram und AchtsamkeitskursAngststörungenMindestens ein studienbezogenes unerwünschtes Ereignis hatten 78,6 % in der Escitalopram-Gruppe und 15,4 % in der Achtsamkeitsgruppe; wegen Nebenwirkungen brachen 10 (8 %) Escitalopram-Behandelte ab, in der Achtsamkeitsgruppe niemand.22Ereigniserfassung nicht verblindet.
Venlafaxin XRGeneralisierte AngstHäufigste behandlungsbedingte Nebenwirkung unter Venlafaxin XR war Übelkeit, gefolgt von Schläfrigkeit und Mundtrockenheit.54Keine Prozentwerte im Abstract.
Pregabalin und LorazepamGeneralisierte AngstHäufigste Nebenwirkungen unter Pregabalin und Lorazepam waren Schläfrigkeit und Schwindel; die Studie abgeschlossen haben 90 % (niedrige Pregabalin-Dosis), 71 % (hohe Dosis), 73 % (Placebo) und 59 % (Lorazepam).138Abschluss ist kein reines Nebenwirkungsmaß.
Quetiapin, Paroxetin, BenzodiazepineGeneralisierte Angst (Netzwerkvergleich)Im Netzwerkvergleich zur generalisierten Angststörung (89 Studien, 25.441 Personen) war Quetiapin am stärksten wirksam, wurde aber schlecht vertragen (Odds Ratio für Abbruch 1,44; 95-%-Glaubwürdigkeitsintervall 1,16 bis 1,80); auch Paroxetin und Benzodiazepine wurden schlecht vertragen.28Netzwerkvergleich; nicht als Rangliste darstellen. Erratum (Lancet 2019) verzeichnet, Inhalt nicht geprüft.
MM120 (Studiensubstanz)Generalisierte AngstVisuelle Wahrnehmungsveränderungen nahmen mit der Studiendosis zu: 46,2 %, 75,0 %, 92,5 % und 100 % gegenüber 10,3 % unter Placebo; Übelkeit 7,7 %, 27,5 %, 40,0 %, 60,0 % gegenüber 7,7 %.29Erschwert die Verblindung.
MM120 (Studiensubstanz)Generalisierte AngstKopfschmerz trat unter den vier Studiendosen bei 12,8 %, 22,5 %, 35,0 % und 27,5 % auf, unter Placebo bei 23,1 %.29Kein klarer Dosisverlauf.
LSD-gestützte Therapie (Studie)AngstVorübergehende, leichte akute unerwünschte Wirkungen berichteten 8 Patient:innen (19 %); ein behandlungsbezogenes schweres Ereignis (akute vorübergehende Angst) trat auf (2 %).57Sehr kleine Zahl; nicht zugelassene Anwendung.

10 von 10 Einträgen

KernsatzBeenden oder verändern Sie Ihre Medikation deshalb nie auf eigene Faust, sondern immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Quellen: 54; 138; 56; 50; 22; 28; 33; 57; 29

Erklärvideo · 40 s

Wirkung, Dosis, Nebenwirkung

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Wirkung und Nebenwirkung hängen zusammen. Bei Zwangsstörung wirkten höhere SSRI-Dosen in einer Auswertung von neun Studien besser als niedrige oder mittlere. Dafür brachen mehr Menschen wegen Nebenwirkungen ab. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Auch unter Placebo bessern sich Beschwerden, weil natürlicher Verlauf und unspezifische Effekte mitwirken. Dosis, Wechsel und Absetzen gehören deshalb in ärztliche Hände. Verändern Sie Ihre Medikation nie auf eigene Faust.33,136,137


Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

Kombination

Eine Meta-Analyse von 52 Studien mit Depression und Angststörungen fand die Kombination aus Antidepressivum und Psychotherapie insgesamt wirksamer als das Antidepressivum allein (Hedges g 0,43; Number needed to treat 4,2). Ausreichend belegt war der Vorteil für Depression, Panikstörung und Zwang.42

Bei Zwangsstörung sprachen in einer Studie mit 122 Erwachsenen nach zwölf Wochen 62 % auf intensive Expositionstherapie an, 42 % auf Clomipramin, 70 % auf die Kombination und 8 % auf Placebo. Die Kombination war nicht besser als die Expositionstherapie allein.45

Die Autorinnen und Autoren eines Netzwerkvergleichs halten die Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten dagegen wahrscheinlich für wirksamer als Psychotherapie allein, zumindest bei schwerer Zwangsstörung. Die Datenlage ist also nicht einheitlich.34

NICE empfiehlt bei Zwangsstörung mit schwerer Beeinträchtigung die Kombination aus einem SSRI und kognitiver Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung.61

Bei mittlerer Beeinträchtigung soll nach NICE die Wahl zwischen einem SSRI und intensiverer Verhaltenstherapie angeboten werden, da beide ähnlich wirksam erscheinen.61

Bestanden Zwangssymptome trotz eines Serotonin-Wiederaufnahmehemmers fort, sprachen in einer Studie mit 100 Erwachsenen nach acht Wochen 80 % auf zusätzliche Expositionstherapie an (Rückgang im Y-BOCS um mindestens 25 %), 23 % auf das zusätzliche Antipsychotikum Risperidon und 15 % auf Placebo.35

Neuromodulation

Gehirn in Seitenansicht, darüber eine goldene Magnetspule, deren Feldlinien bis in den vorderen Stirnhirnbereich reichen, als Schema der transkraniellen Magnetstimulation.
KI-generierte Illustration, schematisch, klassische Spule; in Zwangsstudien wird eine H-Spule verwendet.

Die tiefe transkranielle Magnetstimulation verbesserte in einer Studie mit 99 Betroffenen die Zwangssymptome stärker als eine Scheinbehandlung: Das Ansprechen lag nach sechs Wochen bei 38,1 % gegenüber 11,1 %. Ansprechen hieß hier ein Rückgang im Y-BOCS um mindestens 30 %. Die Autoren sehen das Verfahren als Möglichkeit für Menschen, die auf Medikamente und Psychotherapie nicht ausreichend ansprechen.36

Die US-Behörde FDA hat ein Gerät zur tiefen transkraniellen Magnetstimulation als Zusatzbehandlung für Erwachsene mit Zwangsstörung für den US-Markt freigegeben (De-Novo-Verfahren; Abruf 5. Oktober 2026).37

Die tiefe Hirnstimulation kann bei schwerstbetroffenen Menschen, bei denen mehrere leitliniengerechte Therapien nicht angeschlagen haben, nach kritischer Abwägung erwogen werden (Empfehlungsgrad 0), in erfahrenen psychiatrischen Zentren.17

In einer kleinen Langzeitserie aus einem einzelnen Zentrum mit 24 Menschen mit schwerer, therapieresistenter Zwangsstörung, mit einer verblindeten Phase bei 17 Personen, verringerte die Stimulation Zwangsgedanken, Zwangshandlungen sowie Angst- und Depressionssymptome.140

Nach der Konsensaussage einer neurochirurgischen Fachgesellschaft gilt sie als aufkommende, aber noch nicht etablierte Therapie.141

In den USA ist sie seit dem 10. Februar 2009 als Humanitarian Device Exemption zugelassen, nach Versagen von mindestens drei SSRI. Diese Zulassungsform prüft vor allem die Sicherheit, nicht den Nachweis der Wirksamkeit.38

Wenn die Behandlung nicht ausreichend wirkt

Bei Zwangsstörung spricht ein erheblicher Teil nicht ausreichend auf Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement und/oder auf SSRI an. Eine Behandlungsresistenz wird bei einer Abnahme des Y-BOCS um weniger als 25 % angenommen.75

Wie viele erfolglose Behandlungsversuche für eine Therapieresistenz nötig sind, ist unterschiedlich definiert.75

Erklärvideo · 42 s

Studiendesign: Exposition, Clomipramin oder beides?

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Wie lassen sich Psychotherapie und Medikament fair vergleichen? Eine Studie an drei Zentren teilte 122 Erwachsene mit Zwangsstörung per Zufall in vier Gruppen ein: intensive Exposition mit Reaktionsverhinderung, das Medikament Clomipramin, die Kombination oder Placebo. Nach zwölf Wochen sprachen 62 Prozent auf die Exposition an, 42 Prozent auf Clomipramin, 70 Prozent auf die Kombination und 8 Prozent auf Placebo. Die Kombination war nicht besser als die Exposition allein. Das ist eine Studie aus Spezialzentren und keine Prognose für Einzelne.45


Neue Forschung und ihre Grenzen

Neue Verfahren werden hier nur als Studienlage beschrieben. Eine Studie ist noch kein Behandlungsstandard.

In einer Phase-II-Studie mit 42 Menschen mit Angst (mit und ohne lebensbedrohliche Erkrankung) senkte LSD-begleitete Therapie die Angstwerte 16 Wochen nach der Behandlung deutlich stärker als Placebo (Unterschied −16,2 Punkte im STAI; 95%-Konfidenzintervall −27,8 bis −4,5).57

Bei 198 Erwachsenen mit generalisierter Angststörung senkte in einer Phase-2b-Studie eine einmalige Behandlung mit dem LSD-Präparat MM120 die Angstwerte nach vier Wochen bei den zwei höchsten Studiendosen im Mittel um 5,0 bis 6,0 Punkte (Skala HAM-A) stärker als Placebo; die zwei niedrigeren Dosen unterschieden sich nicht von Placebo. Die Studie dient der Planung von Phase-3-Studien.29

Visuelle Wahrnehmungsveränderungen traten bei 92,5 bis 100 % der Teilnehmenden mit den höchsten Studiendosen auf, gegenüber 10,3 % unter Placebo.29

Nicht jeder neue Ansatz bestätigt sich: In einer kleinen offenen Studie reagierte keiner von zehn Menschen mit therapieresistenter Zwangsstörung innerhalb von drei Tagen auf Ketamin, die Zwangssymptome besserten sich um weniger als 12 %.142

Bei der tiefen Hirnstimulation untersucht die Forschung, welche Verbindungen für die Wirkung wichtig sind. Die Analyse von 534 Stimulationselektroden zeigte, dass bei Zwangsstörung Verbindungen zum ventromedialen präfrontalen und zum vorderen cingulären Kortex relevant sind. Die Elektroden stammten von Menschen mit vier Erkrankungen: Dystonie, Tourette-Syndrom, Parkinson und Zwang.143

In einem ersten Einzelfall einer reaktiven Stimulation korrelierten Zwangssymptome mit der elektrischen Aktivität im ventralen Striatum, und eine daran gekoppelte Stimulation besserte die Symptome. Das ist ein Konzeptnachweis ohne Aussage zur Wirksamkeit insgesamt.144


Wichtige Studien verständlich gelesen

Die folgenden Karten stellen acht Studien vor, auf die sich dieser Beitrag stützt. Sie zeigen Gruppenwerte und keine Prognose für einzelne Menschen. Ein Konfidenzintervall gibt den Bereich an, in dem der wahre Wert mit großer Wahrscheinlichkeit liegt. Odds Ratio und Hazard Ratio sind relative Maße und keine Wahrscheinlichkeiten für den Einzelfall. Die Studien lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen, weil sie verschiedene Fragen, Gruppen und Zeiträume betrachten.

Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum. Keine Rangfolge.

  • Der Nervenarzt2014

    DEGS1-MH

    5.303 Personen in der Auswertung

    Zwölf-Monats-Häufigkeit psychischer Störungen insgesamt und Versorgungskontakt

  • Molecular Psychiatry2022

    Beginnalter-Meta-Analyse (Solmi 2022)

    708.561 Personen in der Auswertung

    Anteil mit erstem Auftreten vor dem 14., 18. und 25. Lebensjahr

  • JAMA Psychiatry2013

    Schwedische Familienstudie zur Zwangsstörung

    24.768 Personen in der Auswertung

    Anteil erblicher (additiv genetischer) Faktoren am Zwangsrisiko

  • American Journal of Psychiatry2017

    ENIGMA-OCD (Hirnvolumina)

    1.830 Personen in der Auswertung

    Subkortikale Hirnvolumina im Vergleich mit 1.759 Kontrollen

  • JAMA Psychiatry2025

    KVT-Effektstärken (Cuijpers 2025)

    32.968 Personen in der Auswertung

    Effektstärke (Hedges g) der kognitiven Verhaltenstherapie in 375 Studien

  • American Journal of Psychiatry2005

    Foa-Studie (Expositionstherapie und Clomipramin)

    122 Personen in der Auswertung

    Ansprechrate nach zwölf Wochen, alle Behandelten gerechnet

  • JAMA Psychiatry2013

    Simpson-Studie (Zusatzbehandlung bei Zwang)

    100 Personen in der Auswertung

    Ansprechen (mindestens 25 % Abnahme im Y-BOCS) nach acht Wochen

  • Cochrane Database of Systematic Reviews2008

    Cochrane-Review zu SSRI bei Zwang

    3.097 Personen in der Auswertung

    Veränderung im Y-BOCS nach 6 bis 13 Wochen und klinisches Ansprechen

Studie 1 von 8

DEGS1-MH

Wer und was
Erwachsene von 18 bis 79 Jahren in Deutschland; repräsentative Bevölkerungsstudie mit klinischem Interview
Personen
5.303
Endpunkt
Zwölf-Monats-Häufigkeit psychischer Störungen insgesamt und Versorgungskontakt
Ergebnis
27,8 % (korrigiert 2016) erfüllten innerhalb eines Jahres die Kriterien einer psychischen Störung; weniger als die Hälfte berichtete einen Kontakt zum Versorgungssystem.23,24
Grenzen
Alle psychischen Störungen, nicht nur Angst. Erhebung 2008 bis 2011. Ein Erratum (2016) korrigierte Stichprobe, Gesamthäufigkeit, die Major Depression und einzelne Angstwerte um 0,1 Prozentpunkte (Angst gesamt 15,4 %); die Zwangsstörung bleibt bei 3,6 %.

Studie 2 von 8

Beginnalter-Meta-Analyse (Solmi 2022)

Wer und was
Meta-Analyse von 192 epidemiologischen Studien zum Beginn psychischer Störungen
Personen
708.561
Endpunkt
Anteil mit erstem Auftreten vor dem 14., 18. und 25. Lebensjahr
Ergebnis
Angst- und Furchtstörungen: 38,1 %, 51,8 % und 73,3 %. Zwangs- und verwandte Störungen: 24,6 %, 45,1 % und 64,0 %.5
Grenzen
Der Beginn wurde rückblickend erfragt. Die Blöcke fassen verschiedene Störungen zusammen (Median 17 Jahre bei Angst, 19 Jahre bei Zwang).

Studie 3 von 8

Schwedische Familienstudie zur Zwangsstörung

Wer und was
Registerbasierte Familien- und Zwillingsstudie in Schweden (1969 bis 2009)
Personen
24.768
Endpunkt
Anteil erblicher (additiv genetischer) Faktoren am Zwangsrisiko
Ergebnis
47 % (95%-Konfidenzintervall 42 bis 52 %); ein Einfluss der gemeinsamen Familienumwelt war nicht nachweisbar.39
Grenzen
Nur im Patientenregister diagnostizierte Fälle. Gruppenwert, nicht auf Einzelne übertragbar; nicht geteilte Umweltfaktoren sind mindestens ebenso wichtig.

Studie 4 von 8

ENIGMA-OCD (Hirnvolumina)

Wer und was
Meta- und Mega-Analyse mit Daten aus Zentren weltweit; Kinder und Erwachsene mit Zwangsstörung (n = 1.830) und 1.759 Kontrollen; die genannten Effekte betreffen Erwachsene
Personen
1.830
Endpunkt
Subkortikale Hirnvolumina im Vergleich mit 1.759 Kontrollen
Ergebnis
Erwachsene: Hippocampus Cohen d = −0,13, Pallidum d = +0,16; die Effekte sind klein.40
Grenzen
Querschnitt ohne Ursachenaussage. Medikation verstärkte die Effekte. Ein Erratum-Eintrag wurde nur nach dem Titel gesichtet.

Studie 5 von 8

KVT-Effektstärken (Cuijpers 2025)

Wer und was
Erwachsene mit Panikstörung, sozialer Angst, generalisierter Angst, Zwang und weiteren Störungen; kognitive Verhaltenstherapie gegen inaktive Kontrollen
Personen
32.968
Endpunkt
Effektstärke (Hedges g) der kognitiven Verhaltenstherapie in 375 Studien
Ergebnis
Zwischen 0,5 und 1,0 bei Panikstörung, sozialer Angst, generalisierter Angst und Zwang; die Effektstärken hängen von der Art der Vergleichsgruppe ab.41
Grenzen
Wartelisten-Vergleiche überschätzen den Nutzen tendenziell. Die Spanne über alle Störungen reicht von 0,31 bis 1,27.

Studie 6 von 8

Foa-Studie (Expositionstherapie und Clomipramin)

Wer und was
Erwachsene mit Zwangsstörung; Expositionstherapie, Clomipramin, Kombination oder Placebo; doppelblind in drei Zentren
Personen
122
Endpunkt
Ansprechrate nach zwölf Wochen, alle Behandelten gerechnet
Ergebnis
Expositionstherapie 62 %, Clomipramin 42 %, Kombination 70 %, Placebo 8 %. Die Kombination war nicht besser als die Expositionstherapie allein.45
Grenzen
Spezialisierte Zentren, intensive Expositionstherapie, Studie von 2005. Clomipramin ist laut Leitlinie nicht erste Wahl.

Studie 7 von 8

Simpson-Studie (Zusatzbehandlung bei Zwang)

Wer und was
Erwachsene mit Zwangsstörung trotz Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; zusätzliche Expositionstherapie, Risperidon oder Placebo
Personen
100
Endpunkt
Ansprechen (mindestens 25 % Abnahme im Y-BOCS) nach acht Wochen
Ergebnis
Zusätzliche Expositionstherapie 80 %, Risperidon 23 %, Placebo 15 %.35
Grenzen
Zwei Spezialzentren, acht Wochen, 17 Sitzungen Expositionstherapie. Ansprechen ist hier als mindestens 25 % Y-BOCS-Abnahme definiert.

Studie 8 von 8

Cochrane-Review zu SSRI bei Zwang

Wer und was
Erwachsene mit Zwangsstörung; Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gegen Placebo
Personen
3.097
Endpunkt
Veränderung im Y-BOCS nach 6 bis 13 Wochen und klinisches Ansprechen
Ergebnis
Unterschied im Y-BOCS im Mittel −3,21 Punkte (95%-Konfidenzintervall −3,84 bis −2,57); Ansprechen Risiko-Verhältnis 1,84 (1,56 bis 2,17).33
Grenzen
Kurzzeitdaten, Langzeitwirkung laut Autorinnen und Autoren nicht etabliert; Daten bis 2007.

Schlüsselstudien: wie sie aufgebaut waren

Wählen Sie eine Studie und sehen Sie das Design Schritt für Schritt: Einschluss, Randomisierung, Arme, Dauer, Endpunkt, Ergebnis und Grenzen. Jede Karte steht für sich, eine Rangliste gibt es nicht.

Jede Kachel steht für sich: eigene Population, eigener Endpunkt, eigene Ansprechdefinition (≥ 25, ≥ 30 oder ≥ 50 %). Die Studien bilden keine Rangfolge; Werte nicht über Kacheln hinweg vergleichen.

19 von 19 Studien

  • 1991Clomipramin-Studien56Archives of General Psychiatry

    MedikamentZwang

    Wirkt Clomipramin bei Zwangsstörung stärker als Placebo?

    n randomisiert
    520
    Dauer
    10 Wochen
    Population
    Erwachsene mit Zwangsstörung; zwei parallele Studien (Krankheitsdauer mindestens zwei bzw. ein Jahr)
  • 1995Sertralin, drei feste Dosen49Archives of General Psychiatry

    MedikamentZwang

    Macht bei Sertralin die Höhe einer festen Dosis einen Unterschied?

    n randomisiert
    324
    Dauer
    12 Wochen
    Population
    Nicht depressive Erwachsene mit Zwangsstörung
  • 2004POTS43JAMA

    MedikamentPsychotherapieZwang

    Kinder und Jugendliche: Verhaltenstherapie, Sertralin oder beides?

    n randomisiert
    112
    Dauer
    12 Wochen
    Population
    Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahren mit Zwangsstörung
  • 2005Exposition und Clomipramin45American Journal of Psychiatry

    MedikamentPsychotherapieZwang

    Exposition, Clomipramin oder beides bei Erwachsenen mit Zwangsstörung?

    n randomisiert
    122
    Dauer
    12 Wochen
    Population
    Erwachsene mit Zwangsstörung
  • 2013Zusatzbehandlung bei SRI35JAMA Psychiatry

    MedikamentPsychotherapieZwang

    Was hilft zusätzlich, wenn Zwänge unter einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bleiben?

    n randomisiert
    100
    Dauer
    8 Wochen
    Population
    Erwachsene mit Zwangsstörung trotz mindestens 12 Wochen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • 2019Tiefe TMS36American Journal of Psychiatry

    NeurostimulationZwang

    Bessert tiefe transkranielle Magnetstimulation Zwänge stärker als eine Scheinbehandlung?

    n randomisiert
    99
    Dauer
    6 Wochen + 1 Monat
    Population
    Menschen mit Zwangsstörung; Zusatz zu laufender Therapie
  • 2012Internet-KVT bei Zwang47Psychological Medicine

    PsychotherapieZwang

    Wirkt therapeutengestützte Internet-Verhaltenstherapie bei Zwangsstörung?

    n randomisiert
    101
    Dauer
    10 Wochen
    Population
    Menschen mit Zwangsstörung, Schweden
  • 2021Gestufte Internet-KVT48JAMA

    PsychotherapieZwang

    Kinder und Jugendliche: Ist ein gestuftes Online-Programm der Präsenztherapie nicht unterlegen?

    n randomisiert
    152
    Dauer
    16 Wochen + bis 6 Monate
    Population
    Kinder und Jugendliche von 8 bis 17 Jahren mit Zwangsstörung
  • 2005Pregabalin und Alprazolam53Archives of General Psychiatry

    MedikamentAngst

    Generalisierte Angststörung: Wie verändern drei Pregabalin-Studiendosen die Angstwerte?

    n randomisiert
    454
    Dauer
    4 Wochen
    Population
    Menschen mit generalisierter Angststörung
  • 2000Venlafaxin XR über sechs Monate54JAMA

    MedikamentAngst

    Generalisierte Angststörung: Hält die Wirkung von Venlafaxin über sechs Monate?

    n randomisiert
    251
    Dauer
    28 Wochen
    Population
    Nicht depressive Erwachsene mit generalisierter Angststörung
  • 2009Escitalopram ab 60 Jahren50JAMA

    MedikamentAngst

    Generalisierte Angststörung ab 60 Jahren: Wie viele sprechen auf Escitalopram an?

    n randomisiert
    177
    Dauer
    12 Wochen
    Population
    Erwachsene ab 60 Jahren mit generalisierter Angststörung
  • 2023Achtsamkeit oder Escitalopram (TAME)22JAMA Psychiatry

    PsychotherapieMedikamentAngst

    Ist ein achtwöchiger Achtsamkeitskurs dem Medikament Escitalopram nicht unterlegen?

    n randomisiert
    276
    Dauer
    8 Wochen + bis Woche 24
    Population
    Erwachsene mit Angststörung
  • 2025MM120 (LSD-Präparat), Phase 2b29JAMA

    Nicht zugelassen · nur Studienlage

    ForschungAngst

    Wie hängt die Wirkung einer einmaligen Gabe von der Studiendosis ab?

    n randomisiert
    198
    Dauer
    einmalig, Endpunkt Woche 4
    Population
    Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer generalisierter Angststörung
  • 2023LSD-gestützte Therapie, Crossover57Biological Psychiatry

    Nicht zugelassen · nur Studienlage

    ForschungAngst

    Senkt LSD-gestützte Therapie Angstwerte stärker als Placebo?

    n randomisiert
    42
    Dauer
    2 Perioden + 16 Wochen
    Population
    42 Menschen mit Angst, mit und ohne lebensbedrohliche Erkrankung
  • 2000KVT und Imipramin bei Panikstörung44JAMA

    MedikamentPsychotherapieAngst

    Panikstörung: Verhaltenstherapie, Imipramin oder beides, und was bleibt nach dem Ende?

    n randomisiert
    312
    Dauer
    3 + 6 + 6 Monate
    Population
    Menschen mit Panikstörung
  • 1998Paroxetin bei sozialer Angst51JAMA

    MedikamentAngst

    Soziale Angststörung: Wie viele sprechen auf Paroxetin an?

    n randomisiert
    187
    Dauer
    1 + 11 Wochen
    Population
    Erwachsene mit generalisierter sozialer Phobie
  • 2010Rückfallprävention: Venlafaxin55Archives of General Psychiatry

    RückfallMedikamentAngst

    Generalisierte Angststörung: Was passiert, wenn nach Besserung weiterbehandelt oder auf Placebo umgestellt wird?

    n randomisiert
    136
    Dauer
    6 + 6 Monate
    Population
    Gebesserte Menschen mit generalisierter Angststörung
  • 2002Rückfallprävention: Sertralin52American Journal of Psychiatry

    RückfallMedikamentZwang

    Zwangsstörung: Was passiert nach einem Jahr Ansprechen bei Fortführung oder Placebo?

    n randomisiert
    223
    Dauer
    52 + 28 Wochen
    Population
    Menschen mit Zwangsstörung nach 52 Wochen Ansprechen
  • 2022Ausschleichen nach Exposition46JAMA Psychiatry

    RückfallPsychotherapieZwang

    Wer nach Exposition kaum noch Zwänge hat: Geht es nach ärztlich begleitetem Ausschleichen schlechter?

    n randomisiert
    101
    Dauer
    bis 25 Sitzungen + 24 Wochen
    Population
    Erwachsene mit Zwangsstörung unter SRI, nach Exposition symptomarm
  • Psychotherapie
  • Medikament
  • Kombination
  • Stimulation
  • Studiensubstanz
  • Placebo oder Kontrolle

KernsatzEine Studie ist noch kein Behandlungsstandard.

Alle Studiendesigns als Tabelle
StudiePopulation / nEndpunktErgebnis (wie berichtet)Grenze
Clomipramin-Studien (1991)56Erwachsene mit Zwangsstörung; zwei parallele Studien (Krankheitsdauer mindestens zwei bzw. ein Jahr); n = 520Y-BOCS und NIMH-Global-Skala für Zwangssymptome−38 % / −44 % vs. −3 % / −5 % mittlere Y-BOCS-AbnahmeKein Konfidenzintervall im Abstract; prozentuale Abnahme, kein Gruppenunterschied in Punkten.
Sertralin, drei feste Dosen (1995)49Nicht depressive Erwachsene mit Zwangsstörung; n = 324Drei Hauptwirksamkeitsmaßeniedrige und hohe Dosis auf allen 3 Maßen besser als Placebo, mittlere auf 1 SignifikanzKein monotoner Dosis-Wirkungs-Verlauf in dieser einen Studie; keine Effektgrößen im Abstract.
POTS (2004)43Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahren mit Zwangsstörung; n = 112CY-BOCS-Veränderung über 12 Wochen; Remission bei CY-BOCS ≤ 1053,6 / 39,3 / 21,4 / 3,6 % RemissionBreite KI; Kombination nicht signifikant besser als KVT allein bei der Remission (P = .42).
Exposition und Clomipramin (2005)45Erwachsene mit Zwangsstörung; n = 122Y-BOCS-Gesamtwert; Ansprechen nach CGI62 / 42 / 70 / 8 % Ansprechen (alle Behandelten)Kein KI im Abstract; Kombination nicht besser als Exposition allein.
Zusatzbehandlung bei SRI (2013)35Erwachsene mit Zwangsstörung trotz mindestens 12 Wochen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; n = 100Y-BOCS; Ansprechen = Abnahme um mindestens 25 %80 / 23 / 15 % Ansprechen (≥ 25 % Y-BOCS-Abnahme)Ansprechen hier als ≥ 25 % definiert (abweichend von anderen Studien).
Tiefe TMS (2019)36Menschen mit Zwangsstörung; Zusatz zu laufender Therapie; n = 99Y-BOCS-Veränderung bis Behandlungsende; Ansprechen = Abnahme um mindestens 30 %−6,0 vs. −3,3 Punkte; Ansprechen 38,1 vs. 11,1 % Y-BOCS; %Kein KI im Abstract; Ansprechen ≥ 30 % (abweichende Definition).
Internet-KVT bei Zwang (2012)47Menschen mit Zwangsstörung, Schweden; n = 101Y-BOCS, verblindet erhoben1,12; 60 vs. 6 Cohen d; % klinisch bedeutsame BesserungEine Studie, ein Land; Autoren fordern Replikation.
Gestufte Internet-KVT (2021)48Kinder und Jugendliche von 8 bis 17 Jahren mit Zwangsstörung; n = 152CY-BOCS nach 6 Monaten (Nicht-Unterlegenheit, Grenze 4 Punkte)0,91 CY-BOCS-Punkte DifferenzKinder/Jugendliche, Spezialambulanzen in Schweden; nicht auf Erwachsene übertragbar.
Pregabalin und Alprazolam (2005)53Menschen mit generalisierter Angststörung; n = 454HAM-A-Veränderung−12,2 / −11,0 / −11,8 / −10,9 vs. −8,4 HAM-A (± 0,8 SE)Gemessen, kein Modell; keine Dosis-Wirkungs-Steigerung in diesem Bereich. Nur 4 Wochen.
Venlafaxin XR über sechs Monate (2000)54Nicht depressive Erwachsene mit generalisierter Angststörung; n = 251HAM-A, HAM-A psychische Angst, CGI−13,4 vs. −8,7 HAM-A-VeränderungLOCF-Analyse; Herstellerbeteiligung möglich (nicht im Abstract geprüft).
Escitalopram ab 60 Jahren (2009)50Erwachsene ab 60 Jahren mit generalisierter Angststörung; n = 177Kumulatives Ansprechen (CGI-I viel oder sehr viel besser)69 vs. 51 (ITT: 57 vs. 45, n. s.) %Ergebnis hängt von der Analyse ab; ältere Population.
Achtsamkeit oder Escitalopram (TAME) (2023)22Erwachsene mit Angststörung; n = 276CGI-S nach 8 Wochen; Nicht-Unterlegenheitsgrenze −0,495−1,35 vs. −1,43; Differenz −0,07 CGI-SKein Placebo-Arm; Teilnehmende nicht verblindet.
MM120 (LSD-Präparat), Phase 2b (2025)29Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer generalisierter Angststörung; n = 198Dosis-Wirkungs-Beziehung für die HAM-A-Veränderung in Woche 4 (statistisches Modell MCP-Mod)−5,0 (C) und −6,0 (D) vs. Placebo HAM-A-PunkteNicht zugelassene Studiensubstanz; Dosisfindungsstudie. Verblindung durch Wahrnehmungseffekte erschwert.
LSD-gestützte Therapie, Crossover (2023)5742 Menschen mit Angst, mit und ohne lebensbedrohliche Erkrankung; n = 42STAI-G 16 Wochen nach der letzten Sitzung−16,2 STAI-G-DifferenzKleine Studie; Übertragungseffekte, deshalb primär Periode 1; Verblindung durch Substanzwirkung erschwert.
KVT und Imipramin bei Panikstörung (2000)44Menschen mit Panikstörung; n = 312Ansprechen nach PDSS und CGI45,8 / 48,7 / 21,7 % Ansprechen akut (PDSS, ITT: Imipramin / KVT / Placebo)Kleiner Placebo-Arm (n = 24); Erratum zur Studie verzeichnet, Inhalt nicht geprüft.
Paroxetin bei sozialer Angst (1998)51Erwachsene mit generalisierter sozialer Phobie; n = 187Ansprechen (CGI) und LSAS-Veränderung55,0 vs. 23,9; OR 3,88 % AnsprechenKurzzeitstudie (11 Wochen).
Rückfallprävention: Venlafaxin (2010)55Gebesserte Menschen mit generalisierter Angststörung; n = 136Rückfall9,8 vs. 53,7 % Rückfall Monat 6 bis 12Nur gebesserte Teilnehmende randomisiert; strenge Rückfalldefinition; Absetzen nur ärztlich begleitet.
Rückfallprävention: Sertralin (2002)52Menschen mit Zwangsstörung nach 52 Wochen Ansprechen; n = 223Abbruch wegen Rückfall oder unzureichendem Ansprechen; akute Verschlechterung9 vs. 24; 12 vs. 35 %Auf einem von drei primären Endpunkten (voller Rückfall) kein signifikanter Unterschied laut Abstract-Formulierung („two of three“).
Ausschleichen nach Exposition (2022)46Erwachsene mit Zwangsstörung unter SRI, nach Exposition symptomarm; n = 101Y-BOCS in Woche 24 (Nicht-Unterlegenheit)11,47 vs. 11,51 Y-BOCSNur für Menschen, die nach ERP symptomarm waren; Absetzen nur ärztlich begleitet.

Quellen: 44; 54; 52; 43; 53; 56; 50; 55; 47; 48; 49; 51; 22; 46; 45; 35; 36; 57; 29; 145; 37


Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

Die vier Fallvignetten zeigen, wie Ärztinnen und Ärzte bei Angst- und Zwangsbeschwerden differenzialdiagnostisch vorgehen: vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung bis zur vorläufigen Einordnung und zum weiteren Vorgehen. Eine Vignette hat einen neurologischen Bezug. Es sind Fallvignetten zur Veranschaulichung, keine realen Personen und keine Praxisfälle. Sie zeigen keinen typischen Verlauf für alle, keine Prognose und keine Behandlungsempfehlung.

  • Gesichtslose Figur sitzt nachts auf der Bettkante, eine Hand auf der Brust, um die Brust blaugrüne Pulsringe (Fallvignette, keine reale Person).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    1Herzrasen aus heiterem Himmel

  • Leeres Rednerpult mit Mikrofon vor leeren Sitzreihen in einem Hörsaal (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    2Angst vor dem Vortrag

  • Gesichtslose Porzellanhände unter einem Wasserhahn, durchscheinende Kopien zeigen dieselbe Waschbewegung vielfach wiederholt (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    3Kontrollieren und Händewaschen

  • Stilisierte Schnittbildschicht des Gehirns, die Basalganglien golden umrandet, darüber ein goldener Ring als Sinnbild der neurologischen Abklärung.
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    4Neue Zwänge im höheren Lebensalter

Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

Wählen Sie eine Vignette und decken Sie Schritt für Schritt auf. Vor jedem Schritt steht die Frage: Was würden Sie als Nächstes abklären? Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall.

Zur Diagnose gehört deshalb eine Abgrenzung in alle drei Richtungen, bei Angst ebenso wie bei Zwang. Die Vignetten veranschaulichen den Denkweg. Sie ersetzen keine Untersuchung und sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose.

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Fallvignette 1: Herzrasen aus heiterem Himmel

Verdacht auf Panikstörung; Abgrenzung von Herz, Schilddrüse und Substanzen

Bei neuen oder unklaren Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht rufen Sie den Notruf 112.

  1. 1 Beschwerdebild Ausgangslage

    Eine erwachsene Person erlebt wiederholt plötzlich Herzrasen, Atemnot und Schwindel.6

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  2. 2 Leitfragen Im ersten Gespräch

    Gefragt wird nach unerwarteten oder ausgelösten Attacken, nach Erwartungsangst und nach Vermeidung.6

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  3. 3 Abklärung Vor jeder Einordnung

    Die S3-Leitlinie empfiehlt unter anderem Blutbild, Blutzucker, Schilddrüsenwert und EKG.18

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  4. 4 Abgrenzung Parallel

    Abzugrenzen sind auch Stimulanzien oder ein Alkoholentzug.15

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  5. 5 Vorläufige Einordnung Bei unauffälligen Befunden

    Bei Verdacht auf Panikstörung wird auch eine Agoraphobie geprüft; beide Diagnosen sind möglich.10

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  6. 6 Weiteres Vorgehen Danach

    Infrage kommen Verhaltenstherapie, SSRI oder SNRI; die Wahl wird ärztlich besprochen.6

Was die Vignette zeigt: Wie bei Herzrasen und Atemnot körperliche Ursachen, Substanzen und eine Angststörung Schritt für Schritt geprüft werden.

Was sie nicht zeigt: Kein typischer Verlauf, keine Prognose, keine Behandlungsempfehlung. Bei Brustschmerz: Notruf 112.781

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Fallvignette 2: Angst vor dem Vortrag

Verdacht auf soziale Angststörung; Abgrenzung von Schüchternheit und Depression

  1. 1 Beschwerdebild Ausgangslage

    Eine erwachsene Person meidet seit der Jugend Vorträge. Die soziale Angststörung beginnt nach NICE im Median mit 13 Jahren.26

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  2. 2 Leitfragen Im ersten Gespräch

    Ein Fragebogen wie der Mini-SPIN kann eine umfassende Beurteilung anstoßen.26

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  3. 3 Abklärung Begleiterkrankungen

    Gefragt wird nach Begleiterkrankungen wie einer Depression, die häufig zusätzlich besteht.26

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  4. 4 Abgrenzung Schüchternheit oder Erkrankung

    Ein scheues Temperament allein ist keine Erkrankung: Knapp 60 % der Kinder mit Verhaltenshemmung entwickeln später keine soziale Angststörung.115

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  5. 5 Vorläufige Einordnung Nach dem Gespräch

    Steht Furcht vor Beobachtung im Vordergrund, spricht das eher für soziale Angst.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  6. 6 Weiteres Vorgehen Danach

    NICE empfiehlt eigens entwickelte Einzel-Verhaltenstherapie. In einer Studie sprachen nach zwei Jahren rund 70 % an, nach Verhaltens- wie nach psychodynamischer Therapie; ein Gruppenwert, keine Vorhersage. Welche Behandlung passt, wird ärztlich besprochen.26132

Was die Vignette zeigt: Wie soziale Angst von Schüchternheit abgegrenzt wird und warum nach Begleiterkrankungen gefragt wird.

Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt keinen typischen Verlauf für alle, keine Prognose und keine Behandlungsempfehlung.78

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Fallvignette 3: Kontrollieren und Händewaschen

Verdacht auf Zwangsstörung; Abgrenzung von depressivem Grübeln

  1. 1 Beschwerdebild Ausgangslage

    Eine Person kontrolliert Herd und Tür mehrfach und wäscht sich wiederholt die Hände. Kontrollieren und Reinigen gehören zu den Themen, die Faktorenanalysen übereinstimmend fanden.60

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  2. 2 Leitfragen Im ersten Gespräch

    Gefragt wird nach typischen Themen wie Ordnen, Horten, Verschmutzung und Kontrollieren.60

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  3. 3 Abklärung Gezielt nachfragen

    In der Hausarztversorgung wird die Zwangsstörung oft übersehen; deshalb wird gezielt nachgefragt.7

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  4. 4 Abgrenzung Sorge, Grübeln oder Zwang

    Zwangsgedanken wirken, anders als depressives Grübeln, aufdrängend.11

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  5. 5 Vorläufige Einordnung Schweregrad

    Den Schweregrad misst die Y-BOCS mit Werten von 0 bis 40.131

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  6. 6 Weiteres Vorgehen Danach

    Als bevorzugte erste Behandlung gilt Verhaltenstherapie mit oder ohne SSRI; welche Behandlung passt, wird ärztlich besprochen.7

Was die Vignette zeigt: Wie Zwangsgedanken von depressivem Grübeln abgegrenzt werden und warum gezielt nachgefragt wird.

Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt keine Prognose und keine Behandlungsempfehlung. Nicht jede Person mit Zwangsstörung kontrolliert oder wäscht.60

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Fallvignette 4: Neue Zwänge im höheren Lebensalter

Neurologischer Bezug: später Beginn von Zwangssymptomen

  1. 1 Beschwerdebild Ausgangslage

    Eine Person im höheren Lebensalter entwickelt erstmals Kontrollrituale. Das ist ungewöhnlich: Bei Zwangs- und verwandten Störungen liegt der Median des Beginnalters bei 19 Jahren.5

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  2. 2 Leitfragen Im ersten Gespräch

    Begann es plötzlich? Ein später Beginn verlangt nach dem WHO-Leitfaden weitere Abklärung.11

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  3. 3 Abklärung Neurologisch

    Bei Beginn jenseits des 50. Lebensjahres soll nach der S3-Leitlinie eine hirnorganische Abklärung erfolgen.17

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  4. 4 Abgrenzung Parallel

    Gesucht wird etwa nach einem Basalganglien-Schlaganfall.11

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  5. 5 Vorläufige Einordnung Bis die Befunde vorliegen

    Die Einordnung bleibt offen, bis die Befunde vorliegen. Eine falsche Diagnose und organische Ursachen gehören zu den Gründen, warum eine Behandlung nicht wirkt.75

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

  6. 6 Weiteres Vorgehen Danach

    Findet sich keine andere Ursache, wird die Zwangsstörung behandelt, bevorzugt mit Verhaltenstherapie mit oder ohne SSRI; welche Behandlung passt, wird ärztlich besprochen.7

Was die Vignette zeigt: Warum ein später oder plötzlicher Beginn von Zwängen neurologisch abgeklärt wird.

Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt nicht, wie häufig eine neurologische Ursache ist, und keine Prognose oder Behandlungsempfehlung.75

  • aufgedeckt
  • noch verdeckt

KernsatzVier Fallvignetten zur Veranschaulichung: Beschwerdebild, Leitfragen, Abklärung und Abgrenzung, vorläufige Einordnung, weiteres Vorgehen. Keine reale Person, kein Praxisfall.

Quellen: 1; 5; 6; 7; 10; 131; 132; 11; 15; 17; 18; 60; 75; 26; 78; 115


Die Rolle der Angehörigen

Zwei gesichtslose Figuren auf einem Sofa; die eine legt der anderen, nach vorn gebeugten, unterstützend die Hand auf die Schulter.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Mit Familienakkommodation sind Verhaltensweisen von Angehörigen gemeint, die die Symptome begünstigen, statt ihnen zu widersprechen, etwa Rückversicherung auf Zweifel, Hilfe beim Vermeiden oder Mitmachen bei Ritualen.2

In einer kleinen Befragung von 34 Partnerinnen, Partnern oder Eltern berichteten 30 (88,2 %), Zwangsritualen entgegenzukommen, etwa durch Mitmachen oder Anpassen von Abläufen. Die Autoren vermuten, dass Angehörige so die Angst der Betroffenen verringern wollen.146

Die NICE-Leitlinie empfiehlt, Angehörige einzubeziehen, die in Zwangshandlungen, Vermeidung oder Rückversicherung hineingezogen wurden. Behandlungspläne sollen ihnen helfen, ihre Beteiligung einfühlsam und unterstützend zu verringern.61


Selbsthilfe, digitale Angebote und Wartezeiten

Digitale Angebote gegen Angst wirkten in 47 Studien (4.958 Teilnehmende) im Mittel groß verglichen mit Warteliste oder üblicher Behandlung (g = 0,80). Gegenüber Therapie in Präsenz fand sich kein signifikanter Unterschied, allerdings bei nur 9 Vergleichen.21

Auch ein Cochrane-Review fand bei Angststörungen keinen klaren Unterschied zwischen therapeutengestützter Online-Therapie und Verhaltenstherapie in Präsenz, bei geringer Qualität der Evidenz.133

Wartezeiten

Nach einer von der S3-Leitlinie zitierten Befragung (Erhebung November 2017) warteten Betroffene im Mittel 5,7 Wochen auf eine psychotherapeutische Sprechstunde und 19,9 Wochen auf eine Richtlinientherapie.18

Aktuelle Wartezeiten können abweichen.

Weitere belegte Alltagsmaßnahmen enthält die ausgewertete Literatur für Angst- und Zwangsstörungen nicht. Praktische Anregungen ohne Studienbeleg stehen deshalb nicht in diesem Beitrag, sondern gehören in das Gespräch mit Ihrer Behandlerin oder Ihrem Behandler.


Wann Sie Hilfe suchen sollten

Hilfe in der Krise

Akute Krise und Suizidgedanken

Wenn Sie an Suizid denken oder sich in einer akuten Notlage befinden, rufen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. Sprechen Sie mit einer Person, der Sie vertrauen. Dieser Beitrag nennt keine Methoden und kein Vorgehen in einer Krise außer dieser Hilfestruktur.

Unklare Brust- oder Atembeschwerden

Diese Hinweise ersetzen keinen persönlichen Notfallplan. Besprechen Sie Ihr Vorgehen mit Ihrem Behandlungsteam.


So bereiten Sie das Gespräch vor

Sie brauchen keine perfekte Dokumentation. Ein paar Notizen genügen als Einstieg.

  • Seit wann bestehen die Beschwerden, und wie häufig treten sie auf?
  • In welchen Situationen treten Angst, Sorgen oder Zwangsgedanken auf, und was tun Sie dann?
  • Welche Situationen oder Orte meiden Sie inzwischen?
  • Wie viel Zeit nehmen Rituale, Kontrollen oder Grübeln am Tag in Anspruch?
  • Welche körperlichen Erkrankungen, Medikamente, Alkohol, Koffein oder andere Substanzen sind für das Gespräch wichtig?
  • Welche Behandlungen gab es bisher, und was hat geholfen oder nicht?
  • Was soll sich für Sie im Alltag verändern?

Bringen Sie einen aktuellen Medikamentenplan und vorhandene Befunde mit. Wenn Sie möchten, ergänzt eine vertraute Person, was sie beobachtet hat. Wählen Sie zunächst die zwei oder drei Punkte aus, die Ihnen am wichtigsten sind.


Versorgung bei NEVPAZ in Hamburg

Die Privatpraxis NEVPAZ GmbH am Dammtorwall 7a, 20354 Hamburg, ist eine Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie arbeiten hier interdisziplinär zusammen. Zur Abklärung von Angst- und Zwangsbeschwerden gehören auch körperliche und neurologische Ursachen.

Die Praxis bietet die diagnostische Abklärung und Behandlung von Angst- und Zwangsstörungen in Hamburg an. Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich, auch für Menschen außerhalb Hamburgs. Ob ein Termin per Video im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach dem anerkannten fachlichen Standard (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä); oft ist ein persönlicher Termin nötig. Die körperliche und neurologische Untersuchung oder ein EKG finden vor Ort statt.

Einen Termin können Sie über die Kontaktseite oder telefonisch unter 040 238 353 790 anfragen; die Sprechzeiten sind laut Praxiswebseite montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr. Im ersten Gespräch werden die Beschwerden eingeordnet, und Sie erhalten eine Beratung zu Behandlungsmöglichkeiten. In einer akuten Krise wenden Sie sich bitte nicht an das Kontaktformular, sondern an den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117.

Termin anfragen 040 238 353 790 Kontakt und Anfahrt Dammtorwall 7a, 20354 Hamburg

Häufige Fragen zu Angst- und Zwangsstörungen

Was ist eine Angststörung?

Typisch sind Sorgen, soziale und Leistungsängste, Panikattacken, Erwartungsangst und Vermeidung, dazu Herzklopfen, Atemnot oder Schwindel. Ob eine Angststörung vorliegt, klärt eine ärztliche Untersuchung.6

Welche Angststörungen gibt es?

Im amerikanischen DSM-5 bilden die Angststörungen ein eigenes Kapitel, zu dem auch Trennungsangst und selektiver Mutismus gehören. Zwangsstörungen, trauma- und belastungsbezogene sowie dissoziative Störungen stehen getrennt. Die einzelnen Formen beschreibt das Kapitel „Angststörung: Symptome und Formen“.59

Ist eine Angststörung eine Krankheit?

Ja, wenn Angst unverhältnismäßig wird, lange anhält oder beeinträchtigt. Furcht ist ein bewusstes Gefühl bei Bedrohung, Angst die Erwartung einer künftigen Gefahr; beide sind oft sinnvoll und werden erst dann zum Krankheitsbild.1

Panikattacke oder Herzinfarkt?

Das kann nur eine ärztliche Untersuchung klären. Menschen mit Panikstörung kommen oft mit vermeintlichen Herzproblemen in die Notfallmedizin. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht rufen Sie den Notruf 112.1

Was tun bei einer akuten Panikattacke?

Eine einzelne belegte Soforttechnik nennen die ausgewerteten Quellen nicht. In der Behandlung zählt die Verhaltenstherapie mit Exposition, deren Grundlage das Verständnis der Furchtlöschung ist. Wiederholte Attacken sollten ärztlich abgeklärt werden.13

Was ist eine soziale Phobie, und ist das nur Schüchternheit?

Ein scheues Temperament allein ist keine soziale Angststörung. Verhaltenshemmung, ein früh sichtbares scheues Temperament, gilt aber als einer der bekanntesten Risikofaktoren: Knapp 60 % dieser Kinder entwickeln später keine soziale Angststörung, die übrigen schon. Ob eine Erkrankung vorliegt, klärt ein ärztliches Gespräch.115

Was ist eine generalisierte Angststörung?

NICE nennt übermäßige, schwer kontrollierbare Sorgen über mehrere Lebensbereiche an den meisten Tagen über mindestens sechs Monate. Die ICD-11 legt keine feste Mindestdauer mehr fest.10,25

Was ist Agoraphobie?

Kern der Agoraphobie ist nach der ICD-11 die Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig wäre oder in denen keine Hilfe verfügbar ist. Gefürchtet werden etwa Panikattacken oder peinliche Körpersymptome.10

Ist eine Angststörung heilbar?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Angststörungen verlaufen oft lang: In einer 12-jährigen Verlaufsstudie verlief die Mehrheit chronisch, und nach einer Erholung waren Rückfälle häufig. In Therapiestudien halbierten sich die Beschwerden bei Panikstörung und generalisierter Angst bei etwa 36 bis 38 % der Behandelten. Das sind Gruppenwerte aus verschiedenen Studienarten und keine Prognose für Sie.8,76

Sind Angststörung und Depression das Gleiche?

Nein, es sind verschiedene Erkrankungen, die aber eng zusammenhängen. In einer Verlaufsstudie sagte eine Angst- oder depressive Störung im Jugendalter ein etwa zwei- bis dreifaches Risiko für eine solche Störung im jungen Erwachsenenalter voraus. Häufig bestehen beide zugleich; Zahlen dazu nennt das Kapitel zum Verlauf.127

Ist eine Angststörung vererbbar, und welche Ursachen gibt es?

Angststörungen haben keine einzelne Ursache. Erbliche Faktoren tragen bei: Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit auf etwa 43 % (Panikstörung) und 32 % (generalisierte Angststörung); den Rest erklären vor allem Umwelteinflüsse, bei Frauen mit generalisierter Angst möglicherweise auch die Familienumwelt. In einer großen Genomstudie ließen sich etwa 26 % der Unterschiede in der Anfälligkeit auf häufige Genvarianten zurückführen. Keine dieser Zahlen erklärt, warum eine bestimmte Person erkrankt.90,91

Welche Behandlung hilft bei einer Angststörung?

Als Behandlungen der ersten Wahl nennt eine JAMA-Übersicht kognitive Verhaltenstherapie sowie die Antidepressiva-Gruppen SSRI und SNRI. Welche Behandlung passt, wird ärztlich besprochen.6

Welche Medikamente werden bei Angststörungen eingesetzt?

Bei generalisierter Angststörung waren in einem Netzwerkvergleich unter anderem Duloxetin, Pregabalin, Venlafaxin und Escitalopram wirksamer als Placebo; eine Rangfolge lässt sich nicht ableiten. NICE rät, kein Benzodiazepin anzubieten, außer kurzfristig in Krisen. Dosierungen und Präparate gehören in ärztliche Hände.25,28

Was ist eine Zwangsstörung?

Für eine Zwangsstörung genügt es nicht, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu haben: Sie müssen zu deutlichem Leidensdruck oder zu Beeinträchtigungen im Alltag führen. Was Zwangsgedanken und Zwangshandlungen genau sind, erklärt das Kapitel zur Zwangsstörung.2

Was sind Zwangsgedanken? Nennen Sie Beispiele.

Faktorenanalysen fanden übereinstimmend mindestens vier Themenbereiche: Symmetrie und Ordnen, Horten, Verschmutzung und Reinigen sowie Zwangsgedanken und Kontrollieren. Die Bereiche können zugleich bestehen.60

Sind aggressive oder sexuelle Zwangsgedanken gefährlich?

Aufdrängende sexuelle, aggressive oder todesbezogene Gedanken sind bei Zwangsstörung in jedem Alter häufig und werden nach NICE oft fälschlich als Hinweis auf eine tatsächliche Gefahr gedeutet. Sprechen Sie darüber ärztlich; bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.61

Wann ist Waschzwang oder Kontrollzwang eine Erkrankung?

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen kamen in einer neuseeländischen Geburtskohorte häufig vor, auch bei Menschen ohne seelische Störung. Gründliches Waschen oder Kontrollieren allein ist deshalb noch keine Diagnose. Ob eine Zwangsstörung vorliegt, klärt ein ärztliches Gespräch.74

Wie wird eine Zwangsstörung behandelt?

Als bevorzugte erste Behandlung gilt kognitive Verhaltenstherapie mit oder ohne SSRI. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer senkten Zwangssymptome in einem Cochrane-Review stärker als Placebo. Welche Behandlung passt, wird ärztlich besprochen.7,33

Wie unterscheiden sich Angst- und Zwangsstörung?

Das amerikanische DSM-5 führt Zwangsstörungen in einem eigenen Kapitel. Die American Psychiatric Association begründet das mit der zunehmenden Evidenz für die Verwandtschaft dieser Störungen untereinander und ihre Abgrenzung von den Angststörungen.3

Können Angst oder Zwang zusammen mit ADHS oder Depression auftreten?

Ja. Menschen mit Zwangsstörung hatten in einer US-Befragung im Lauf des Lebens zu 63,3 % auch eine Stimmungsstörung und zu 75,8 % eine Angststörung. Zu ADHS liefern die ausgewerteten Quellen keine belastbare Häufigkeit.30

Wie hilfreich sind Online-Tests wie der GAD-7?

Fragebögen wie der GAD-7 können die Diagnose unterstützen, stellen sie aber nicht und ersetzen keine ärztliche Abklärung.6

Wie läuft die Abklärung in der Privatpraxis NEVPAZ in Hamburg ab?

Die Privatpraxis NEVPAZ am Dammtorwall 7a in Hamburg ist eine Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, in der Fachärztinnen und Fachärzte beider Gebiete zusammenarbeiten. Sie können über die Kontaktseite oder telefonisch einen Termin anfragen. Im Gespräch werden Ihre Beschwerden eingeordnet, und Sie erhalten eine Beratung zu Behandlungsmöglichkeiten. Den genauen Ablauf besprechen wir bei der Terminvereinbarung.

Sind Termine bei NEVPAZ auch per Video möglich?

Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich. Ob das im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach dem anerkannten fachlichen Standard (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä); oft ist ein persönlicher Termin nötig, etwa für die körperliche und neurologische Untersuchung.

Wann sollte man mit einer Angst- oder Zwangsstörung zum Arzt gehen?

Wenn Angst, Sorgen oder Zwänge Sie belasten oder Ihren Alltag einschränken, sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt. Viele warten lange: In einer US-Befragung (2001 bis 2003) vergingen bei Angststörungen unter denen, die irgendwann Hilfe suchten, 9 bis 23 Jahre bis zum ersten Behandlungskontakt. In einer akuten Krise oder bei Suizidgedanken gilt der Notruf 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117; die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.9

Welche körperlichen Ursachen können ähnliche Beschwerden machen?

Die ICD-11 kennt ein „sekundäres Angstsyndrom“ bei körperlichen Erkrankungen. Was geprüft wird, beschreibt das Kapitel zu den Differenzialdiagnosen.10


Quellen und Einordnung

Dieser Beitrag beruht auf einer gezielten narrativen Recherche. Er ist kein systematischer Review. Recherchestand ist der 5. Oktober 2026. Aufgenommen wurden nur Aussagen aus den im Rechercheauftrag zugelassenen Journalen, Leitlinien und Behörden. Jede medizinische Aussage verweist auf ihre Quellen im Quellenverzeichnis; dort stehen auch Zugriffstiefe (Abstract oder Volltext) und die Grenzen der Quelle.

Die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen liegt in Version 2.0 vom 6. April 2021 vor. Ihre nächste Überprüfung war laut Leitlinie für April 2026 geplant; eine neuere Fassung lag am 5. Oktober 2026 nicht vor. Die S3-Leitlinie Zwangsstörungen (erste Revision, Stand 30. Juni 2022) ist bis zum 30. Juni 2027 gültig.

Zu mehreren verwendeten Arbeiten sind Korrekturen verzeichnet. Berücksichtigt sind die Berichtigungen zur deutschen Studie DEGS1-MH (Jacobi 2014; Stichprobe, Gesamthäufigkeit und einzelne Angstwerte; im Text stehen die berichtigten Werte) und zu van Dis 2020 (Wortlaut der Nachbeobachtungszeit). Die Korrekturen zu Stein 2019 und Craske 2017 betreffen keine hier verwendete Aussage. Nicht eingesehen werden konnten die Korrekturen zu Penninx 2021, Slee 2019, Leichsenring 2013, Boedhoe 2017, Kessler 2005, Mataix-Cols 2017, Bruin 2023 und Otowa 2016, weil der Verlagstext nicht zugänglich war.

Epidemiologische Zahlen aus verschiedenen Studien (DEGS1-MH, WHO-Befragungen, Global Burden of Disease, US-Erhebungen) beruhen auf unterschiedlichen Definitionen und Zeiträumen und sind nicht vergleichbar. Zahlen nach ICD-11 oder DSM-5 liegen für Deutschland in den ausgewerteten Quellen nicht vor.

Wischen Sie durch die Quellen oder filtern Sie nach Art der Quelle. Jede Quelle ist über DOI oder PubMed nachprüfbar.

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Übersichtsarbeitgeprüft: Volltext

Zitiert in: Angst- und Zwangsstörungen: erkennen, abgrenzen, behandeln, Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?

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Age at onset of mental disorders worldwide: large-scale meta-analysis of 192 epidemiological studies

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Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition

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Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Angststörung: Symptome und Formen

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Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

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Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

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Psychodynamic therapy and cognitive-behavioral therapy in social anxiety disorder: a multicenter randomized controlled trial

Leichsenring F, Salzer S, Beutel ME, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

28The Lancet2019

Pharmacological treatments for generalised anxiety disorder: a systematic review and network meta-analysis

Slee A, Nazareth I, Bondaronek P et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

29JAMA2025

Single Treatment With MM120 (Lysergide) in Generalized Anxiety Disorder: A Randomized Clinical Trial

Robison R, Barrow R, Conant C et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

30Molecular Psychiatry2010

The epidemiology of obsessive-compulsive disorder in the National Comorbidity Survey Replication

Ruscio AM, Stein DJ, Chiu WT, Kessler RC

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Zwangsstörung: Symptome, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

31JAMA Network Open2022

Association of Obsessive-Compulsive Disorder and Obsessive-Compulsive Symptoms With Substance Misuse in 2 Longitudinal Cohorts in Sweden

Virtanen S, Kuja-Halkola R, Sidorchuk A, Fernández de la Cruz L, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

32Molecular Psychiatry2017

Suicide in obsessive-compulsive disorder: a population-based study of 36 788 Swedish patients

Fernández de la Cruz L, Rydell M, Runeson B, D'Onofrio BM, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

33Cochrane Database of Systematic Reviews2008

Selective serotonin re-uptake inhibitors (SSRIs) versus placebo for obsessive compulsive disorder (OCD)

Soomro GM, Altman D, Rajagopal S et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

34The Lancet Psychiatry2016

Pharmacological and psychotherapeutic interventions for management of obsessive-compulsive disorder in adults: a systematic review and network meta-analysis

Skapinakis P, Caldwell DM, Hollingworth W et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

35JAMA Psychiatry2013

Cognitive-behavioral therapy vs risperidone for augmenting serotonin reuptake inhibitors in obsessive-compulsive disorder: a randomized clinical trial

Simpson HB, Foa EB, Liebowitz MR et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

36American Journal of Psychiatry2019

Efficacy and Safety of Deep Transcranial Magnetic Stimulation for Obsessive-Compulsive Disorder: A Prospective Multicenter Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Trial

Carmi L, Tendler A, Bystritsky A et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

37FDA (Behörde)2018

De Novo Classification Request for Brainsway Deep TMS System (DEN170078)

U.S. Food and Drug Administration

Behörde (Zulassungsstand)geprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

38FDA (Behörde)2009

Humanitarian Device Exemption H050003, Medtronic (Tiefe Hirnstimulation bei Zwangsstörung)

U.S. Food and Drug Administration

Behörde (Zulassungsstand)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

39JAMA Psychiatry2013

Population-based, multigenerational family clustering study of obsessive-compulsive disorder

Mataix-Cols D et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Was passiert im Gehirn?

40American Journal of Psychiatry2017

Distinct Subcortical Volume Alterations in Pediatric and Adult OCD: A Worldwide Meta- and Mega-Analysis

Boedhoe PS et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Was passiert im Gehirn?

41JAMA Psychiatry2025

Cognitive Behavior Therapy for Mental Disorders in Adults: A Unified Series of Meta-Analyses

Cuijpers P, Harrer M, Miguel C et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition

42World Psychiatry2014

Adding psychotherapy to antidepressant medication in depression and anxiety disorders: a meta-analysis

Cuijpers P, Sijbrandij M, Koole SL et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

43JAMA2004

Cognitive-behavior therapy, sertraline, and their combination for children and adolescents with obsessive-compulsive disorder: the Pediatric OCD Treatment Study (POTS) randomized controlled trial

Pediatric OCD Treatment Study (POTS) Team

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

44JAMA2000

Cognitive-behavioral therapy, imipramine, or their combination for panic disorder: A randomized controlled trial

Barlow DH, Gorman JM, Shear MK, Woods SW

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

45American Journal of Psychiatry2005

Randomized, placebo-controlled trial of exposure and ritual prevention, clomipramine, and their combination in the treatment of obsessive-compulsive disorder

Foa EB, Liebowitz MR, Kozak MJ et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

46JAMA Psychiatry2022

Maintenance of Wellness in Patients With Obsessive-Compulsive Disorder Who Discontinue Medication After Exposure/Response Prevention Augmentation: A Randomized Clinical Trial

Foa EB, Simpson HB, Gallagher T et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

47Psychological Medicine2012

Internet-based cognitive behaviour therapy for obsessive-compulsive disorder: a randomized controlled trial

Andersson E, Enander J, Andrén P, Hedman E et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

48JAMA2021

Effect of an Internet-Delivered Stepped-Care Program vs In-Person Cognitive Behavioral Therapy on Obsessive-Compulsive Disorder Symptoms in Children and Adolescents: A Randomized Clinical Trial

Aspvall K, Andersson E, Melin K, Norlin L et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

49Archives of General Psychiatry1995

Double-blind parallel comparison of three dosages of sertraline and placebo in outpatients with obsessive-compulsive disorder

Greist J, Chouinard G, DuBoff E, Halaris A et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

50JAMA2009

Escitalopram for older adults with generalized anxiety disorder: a randomized controlled trial

Lenze EJ, Rollman BL, Shear MK, Dew MA et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

51JAMA1998

Paroxetine treatment of generalized social phobia (social anxiety disorder): a randomized controlled trial

Stein MB, Liebowitz MR, Lydiard RB, Pitts CD et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

52American Journal of Psychiatry2002

Efficacy of sertraline in the long-term treatment of obsessive-compulsive disorder

Koran LM, Hackett E, Rubin A, Wolkow R et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

53Archives of General Psychiatry2005

Pregabalin for treatment of generalized anxiety disorder: a 4-week, multicenter, double-blind, placebo-controlled trial of pregabalin and alprazolam

Rickels K, Pollack MH, Feltner DE, Lydiard RB et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

54JAMA2000

Efficacy of venlafaxine extended-release capsules in nondepressed outpatients with generalized anxiety disorder: A 6-month randomized controlled trial

Gelenberg AJ, Lydiard RB, Rudolph RL, Aguiar L et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

55Archives of General Psychiatry2010

Time to relapse after 6 and 12 months' treatment of generalized anxiety disorder with venlafaxine extended release

Rickels K, Etemad B, Khalid-Khan S, Lohoff FW et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Wichtige Studien verständlich gelesen

56Archives of General Psychiatry1991

Clomipramine in the treatment of patients with obsessive-compulsive disorder. The Clomipramine Collaborative Study Group

Clomipramine Collaborative Study Group

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

57Biological Psychiatry2023

Lysergic Acid Diethylamide-Assisted Therapy in Patients With Anxiety With and Without a Life-Threatening Illness: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Phase II Study

Holze F, Gasser P, Müller F et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Angst-, was eine Zwangsstörung?, Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

58American Journal of Psychiatry2015

Pediatric-Onset and Adult-Onset Separation Anxiety Disorder Across Countries in the World Mental Health Survey

Silove D, Alonso J, Bromet E, Gruber M, Sampson N, Scott K et al

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Angststörung: Symptome und Formen

59Der Nervenarzt2014

[Anxiety disorders in DSM-5: an overview on changes in structure and content]

Wittchen HU, Heinig I, Beesdo-Baum K

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Angststörung: Symptome und Formen, Häufige Fragen

60American Journal of Psychiatry2005

A multidimensional model of obsessive-compulsive disorder

Mataix-Cols D, Rosario-Campos MC, Leckman JF

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Zwangsstörung: Symptome, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

61NICE-Leitlinie2005

Obsessive-compulsive disorder and body dysmorphic disorder: treatment (CG31)

National Institute for Health and Care Excellence

Leitliniegeprüft: Volltext

Zitiert in: Zwangsstörung: Symptome, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

62Der Nervenarzt2022

[Obsessive-compulsive and related disorders according to ICD-11 and DSM-5 : With brief consideration of the new obsessive-compulsive disorders olfactory reference disorder and hypochondriasis]

Zaudig M

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Zwangsstörung: Symptome, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

63The Lancet Psychiatry2022

Global, regional, and national burden of 12 mental disorders in 204 countries and territories, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019

GBD 2019 Mental Disorders Collaborators

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

64BMJ2024

All cause and cause specific mortality in obsessive-compulsive disorder: nationwide matched cohort and sibling cohort study

Fernández de la Cruz L, Isomura K, Lichtenstein P, Larsson H, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

65Der Nervenarzt2011

[Epidemiology and health care situation of obsessive-compulsive disorders]

Voderholzer U, Schlegl S, Külz AK

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

66World Psychiatry2007

Lifetime prevalence and age-of-onset distributions of mental disorders in the World Health Organization's World Mental Health Survey Initiative

Kessler RC, Angermeyer M, Anthony JC, DE Graaf R, Demyttenaere K, Gasquet I et al

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

67The Lancet2021

Global prevalence and burden of depressive and anxiety disorders in 204 countries and territories in 2020 due to the COVID-19 pandemic

COVID-19 Mental Disorders Collaborators

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

68Molecular Psychiatry2024

Genome-Wide Association Study of Obsessive-Compulsive Symptoms including 33,943 individuals from the general population

Strom NI, Burton CL, Iyegbe C, Silzer T, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

69Psychological Medicine2019

Labour market marginalisation in obsessive-compulsive disorder: a nationwide register-based sibling control study

Pérez-Vigil A, Mittendorfer-Rutz E, Helgesson M, Fernández de la Cruz L, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?, Alltag

70Archives of General Psychiatry2005

Lifetime prevalence and age-of-onset distributions of DSM-IV disorders in the National Comorbidity Survey Replication

Kessler RC, Berglund P, Demler O, Jin R, Merikangas KR, Walters EE

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

71JAMA Psychiatry2020

Incidence Rates and Cumulative Incidences of the Full Spectrum of Diagnosed Mental Disorders in Childhood and Adolescence

Dalsgaard S, Thorsteinsson E, Trabjerg BB, Schullehner J, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie häufig sind Angst- und Zwangsstörungen?

72JAMA Psychiatry2018

Association of Obsessive-Compulsive Disorder With Objective Indicators of Educational Attainment: A Nationwide Register-Based Sibling Control Study

Pérez-Vigil A, Fernández de la Cruz L, Brander G, Isomura K, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Alltag

73Molecular Psychiatry2025

Clinical features and genetic mechanisms of anxiety, fear, and avoidance: A comprehensive review of five anxiety disorders

Ohi K, Fujikane D, Takai K, et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Angstkreislauf und Zwangskreislauf, Was passiert im Gehirn?

74American Journal of Psychiatry2009

Obsessions and compulsions in the community: prevalence, interference, help-seeking, developmental stability, and co-occurring psychiatric conditions

Fullana MA, Mataix-Cols D, Caspi A, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Angstkreislauf und Zwangskreislauf, Häufige Fragen

75Der Nervenarzt2024

Therapieresistente Zwangsstörungen

Endres D, Jelinek L, Domschke K, Voderholzer U

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Differenzialdiagnosen, Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

76American Journal of Psychiatry2005

Influence of psychiatric comorbidity on recovery and recurrence in generalized anxiety disorder, social phobia, and panic disorder: a 12-year prospective study

Bruce SE, Yonkers KA, Otto MW, Eisen JL, Weisberg RB, Pagano M et al

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?, Häufige Fragen

77JAMA Psychiatry2017

Cross-sectional Comparison of the Epidemiology of DSM-5 Generalized Anxiety Disorder Across the Globe

Ruscio AM, Hallion LS, Lim CCW, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

78The Lancet Psychiatry2021

Predictors of persistence of anxiety disorders across the lifespan: a systematic review

Hovenkamp-Hermelink JHM, Jeronimus BF, Myroniuk S, et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?, Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

79JAMA Psychiatry2020

Long-term Outcomes of Cognitive Behavioral Therapy for Anxiety-Related Disorders: A Systematic Review and Meta-analysis

van Dis EAM, van Veen SC, Hagenaars MA et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?, Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition

80Archives of General Psychiatry1999

A 40-year follow-up of patients with obsessive-compulsive disorder

Skoog G, Skoog I

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

81Psychological Medicine2018

Chronic obsessive-compulsive disorder: prognostic factors

van Oudheusden LJB, Eikelenboom M, van Megen HJGM, Visser HAD, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Wie verlaufen Angst- und Zwangsstörungen?

82American Journal of Psychiatry2007

Functional neuroimaging of anxiety: a meta-analysis of emotional processing in PTSD, social anxiety disorder, and specific phobia

Etkin A et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

83Psychological Medicine2026

Altered amygdala resting-state functional connectivity in anxiety disorders: a coordinate-based meta-analysis

Lu L et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

84JAMA Psychiatry2017

Skin Conductance Responses and Neural Activations During Fear Conditioning and Extinction Recall Across Anxiety Disorders

Marin MF et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

85American Journal of Psychiatry2000

Salivary cortisol in panic attacks

Bandelow B et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

86Nature Reviews Neuroscience2024

From compulsivity to compulsion: the neural basis of compulsive disorders

Robbins TW et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

87American Journal of Psychiatry2021

Harmonizing the Neurobiology and Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder

Goodman WK et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

88American Journal of Psychiatry2011

Disruption in the balance between goal-directed behavior and habit learning in obsessive-compulsive disorder

Gillan CM et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

89American Journal of Psychiatry2015

Overactive Performance Monitoring as an Endophenotype for Obsessive-Compulsive Disorder: Evidence From a Treatment Study

Riesel A et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

90American Journal of Psychiatry2001

A review and meta-analysis of the genetic epidemiology of anxiety disorders

Hettema JM et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?, Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

91Molecular Psychiatry2020

A major role for common genetic variation in anxiety disorders

Purves KL et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?, Häufige Fragen

92Molecular Psychiatry2018

Revealing the complex genetic architecture of obsessive-compulsive disorder using meta-analysis

International OCD Foundation Genetics Collaborative (IOCDF-GC) und OCD Collaborative Genetics Association Studies (OCGAS)

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

93Molecular Psychiatry2025

A burden of rare copy number variants in obsessive-compulsive disorder

Halvorsen MW, de Schipper E, Bäckman J, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

94Nature Neuroscience2026

Whole-exome sequencing in individuals with obsessive-compulsive disorder and chronic tic disorders identifies 36 large-effect risk genes

Wang B, Tran MN, Wang S, et al.; Tourette International Collaborative Genetics

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

95American Journal of Psychiatry2020

Identification of Common Neural Circuit Disruptions in Emotional Processing Across Psychiatric Disorders

McTeague LM et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

96JAMA Psychiatry2020

Shared Neural Phenotypes for Mood and Anxiety Disorders: A Meta-analysis of 226 Task-Related Functional Imaging Studies

Janiri D et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

97Molecular Psychiatry2023

Volume of subcortical brain regions in social anxiety disorder: mega-analytic results from 37 samples in the ENIGMA-Anxiety Working Group

Groenewold NA et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

98JAMA Psychiatry2020

Multimodal Categorical and Dimensional Approaches to Understanding Threat Conditioning and Its Extinction in Individuals With Anxiety Disorders

Marin MF et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

99JAMA Psychiatry2013

Deficits in conditioned fear extinction in obsessive-compulsive disorder and neurobiological changes in the fear circuit

Milad MR et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

100Biological Psychiatry2019

Fear Extinction Retention: Is It What We Think It Is?

Lonsdorf TB et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

101JAMA Psychiatry2017

D-Cycloserine Augmentation of Exposure-Based Cognitive Behavior Therapy for Anxiety, Obsessive-Compulsive, and Posttraumatic Stress Disorders: A Systematic Review and Meta-analysis of Individual Participant Data

Mataix-Cols D et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

102Biological Psychiatry2007

Reduced serotonin-1A receptor binding in social anxiety disorder

Lanzenberger RR et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

103JAMA Psychiatry2015

Serotonin Synthesis and Reuptake in Social Anxiety Disorder: A Positron Emission Tomography Study

Frick A et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

104Biological Psychiatry2009

Hypothalamus-pituitary-adrenal axis hyperresponsiveness is associated with increased social avoidance behavior in social phobia

Roelofs K et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

105Nature Reviews Neuroscience2013

Uncertainty and anticipation in anxiety: an integrated neurobiological and psychological perspective

Grupe DW et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?, Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

106American Journal of Psychiatry2021

Disrupted Dorsal Mid-Insula Activation During Interoception Across Psychiatric Disorders

Nord CL et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

107Biological Psychiatry2001

Aberrant respiratory sensitivity to CO(2) as a trait of familial panic disorder

Coryell W et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

108Molecular Psychiatry2023

The functional connectome in obsessive-compulsive disorder: resting-state mega-analysis and machine learning classification for the ENIGMA-OCD consortium

Bruin WB et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

109American Journal of Psychiatry2018

Cortical Abnormalities Associated With Pediatric and Adult Obsessive-Compulsive Disorder: Findings From the ENIGMA Obsessive-Compulsive Disorder Working Group

Boedhoe PSW et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

110American Journal of Psychiatry2015

Functional neuroimaging of avoidance habits in obsessive-compulsive disorder

Gillan CM et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

111JAMA Psychiatry2017

Inflammation in the Neurocircuitry of Obsessive-Compulsive Disorder

Attwells S et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

112JAMA Psychiatry2017

Association of Streptococcal Throat Infection With Mental Disorders: Testing Key Aspects of the PANDAS Hypothesis in a Nationwide Study

Orlovska S et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was passiert im Gehirn?

113Nature Reviews Neuroscience2014

Obsessive-compulsive disorder: an integrative genetic and neurobiological perspective

Pauls DL et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

114American Journal of Psychiatry2001

Further evidence of association between behavioral inhibition and social anxiety in children

Biederman J, Hirshfeld-Becker DR, Rosenbaum JF, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

115Biological Psychiatry2021

Understanding the Emergence of Social Anxiety in Children With Behavioral Inhibition

Fox NA et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf, Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

116Psychological Medicine2016

Neuroticism's prospective association with mental disorders halves after adjustment for baseline symptoms and psychiatric history, but the adjusted association hardly decays with time: a meta-analysis on 59 longitudinal/prospective studies with 443 313 participants

Jeronimus BF, Kotov R, Riese H, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

117Archives of General Psychiatry2000

Parental psychopathology, parenting styles, and the risk of social phobia in offspring: a prospective-longitudinal community study

Lieb R, Wittchen HU, Höfler M, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

118Archives of General Psychiatry1992

Generalized anxiety disorder in women. A population-based twin study

Kendler KS, Neale MC, Kessler RC, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

119Archives of General Psychiatry2010

Childhood adversities and adult psychiatric disorders in the national comorbidity survey replication I: associations with first onset of DSM-IV disorders

Green JG, McLaughlin KA, Berglund PA, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

120Psychological Medicine2023

Association between panic disorder and childhood adversities: a systematic review and meta-analysis

Zhang J, Wiecaszek P, Sami S, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

121JAMA Psychiatry2019

Agreement Between Prospective and Retrospective Measures of Childhood Maltreatment: A Systematic Review and Meta-analysis

Baldwin JR, Reuben A, Newbury JB, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

122JAMA Psychiatry2013

Adult psychiatric outcomes of bullying and being bullied by peers in childhood and adolescence

Copeland WE, Wolke D, Angold A, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

123American Journal of Psychiatry2014

Adult health outcomes of childhood bullying victimization: evidence from a five-decade longitudinal British birth cohort

Takizawa R, Maughan B, Arseneault L

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

124JAMA Psychiatry2016

Association of Perinatal Risk Factors With Obsessive-Compulsive Disorder: A Population-Based Birth Cohort, Sibling Control Study

Brander G, Rydell M, Kuja-Halkola R, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

125Archives of General Psychiatry2003

Prior juvenile diagnoses in adults with mental disorder: developmental follow-back of a prospective-longitudinal cohort

Kim-Cohen J, Caspi A, Moffitt TE, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

126American Journal of Psychiatry2007

Juvenile mental health histories of adults with anxiety disorders

Gregory AM, Caspi A, Moffitt TE, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf

127Archives of General Psychiatry1998

The risk for early-adulthood anxiety and depressive disorders in adolescents with anxiety and depressive disorders

Pine DS, Cohen P, Gurley D, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Ursachen und Risikofaktoren im Lebenslauf, Häufige Fragen

128The Lancet Psychiatry2015

Psychodynamic therapy meets evidence-based medicine: a systematic review using updated criteria

Leichsenring F, Luyten P, Hilsenroth MJ, et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

129Molecular Psychiatry2016

Meta-analysis of genome-wide association studies of anxiety disorders

Otowa T, Hek K, Lee M, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

130The Lancet Psychiatry2014

Psychological and pharmacological interventions for social anxiety disorder in adults: a systematic review and network meta-analysis

Mayo-Wilson E, Dias S, Mavranezouli I, et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Psychologische Erklärungsmodelle im Vergleich

131Archives of General Psychiatry1989

The Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale. I. Development, use, and reliability

Goodman WK, Price LH, Rasmussen SA, Mazure C, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Diagnose, Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

132American Journal of Psychiatry2014

Long-term outcome of psychodynamic therapy and cognitive-behavioral therapy in social anxiety disorder

Leichsenring F, Salzer S, Beutel ME et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition, Fallvignetten: differenzialdiagnostisch denken

133Cochrane Database of Systematic Reviews2016

Therapist-supported Internet cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in adults

Olthuis JV, Watt MC, Bailey K et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition, Selbsthilfe, digitale Angebote und Wartezeiten

134World Psychiatry2019

Internet-delivered psychological treatments: from innovation to implementation

Andersson G, Titov N, Dear BF et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Therapie: Verhaltenstherapie und Exposition

135Cochrane Database of Systematic Reviews2023

Pharmacological treatments in panic disorder in adults: a network meta-analysis

Guaiana G, Meader N, Barbui C et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

136JAMA Psychiatry2024

Differential Outcomes of Placebo Treatment Across 9 Psychiatric Disorders: A Systematic Review and Meta-Analysis

Bschor T, Nagel L, Unger J et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

137Molecular Psychiatry2010

Meta-analysis of the dose-response relationship of SSRI in obsessive-compulsive disorder

Bloch MH, McGuire J, Landeros-Weisenberger A et al.

Meta-Analysegeprüft: Abstract

Zitiert in: Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

138American Journal of Psychiatry2003

Pregabalin in generalized anxiety disorder: a placebo-controlled trial

Pande AC, Crockatt JG, Feltner DE, Janney CA et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

139American Journal of Psychiatry1998

Double-blind, fixed-dose, placebo-controlled study of paroxetine in the treatment of panic disorder

Ballenger JC, Wheadon DE, Steiner M, Bushnell W et al.

Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Medikamente bei Angst- und Zwangsstörungen

140Molecular Psychiatry2016

Electrical stimulation in the bed nucleus of the stria terminalis alleviates severe obsessive-compulsive disorder

Luyten L, Hendrickx S, Raymaekers S et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

141Molecular Psychiatry2021

Deep brain stimulation for refractory obsessive-compulsive disorder (OCD): emerging or established therapy?

Wu H et al.

Übersichtsarbeitgeprüft: Abstract

Zitiert in: Kombination, Neuromodulation und Therapieresistenz

142Biological Psychiatry2012

Effects of ketamine in treatment-refractory obsessive-compulsive disorder

Bloch MH et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Neue Forschung und ihre Grenzen

143Nature Neuroscience2024

Mapping dysfunctional circuits in the frontal cortex using deep brain stimulation

Hollunder B et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Neue Forschung und ihre Grenzen

144Neuron2024

Responsive deep brain stimulation guided by ventral striatal electrophysiology of obsession durably ameliorates compulsion

Nho YH et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Neue Forschung und ihre Grenzen

145EMA (Behörde)2026

EU-Produktinformation (EPAR) Pregabalin, abgerufen am 5. Oktober 2026

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)

Behörde (Zulassungsstand)Ergänzende Quelle (Grafiken)

Zitiert in: Wichtige Studien verständlich gelesen

146American Journal of Psychiatry1995

Family accommodation in obsessive-compulsive disorder

Calvocoressi L, Lewis B, Harris M, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Die Rolle der Angehörigen

Alle 146 Quellen als Liste
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Stand 05.10.2026 · Gezielte narrative Recherche; kein systematischer Review · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Dr. med. Amir Golsari

Fachärztliche Prüfung

Dr. med. Amir Golsari

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Ausbildung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Mitautor klinischer Studien in der Schlaganfall-Bildgebung (u. a. WAKE-UP, NEJM 2018). Ärztlicher Leiter der Privatpraxis NEVPAZ in Hamburg.

Zuletzt fachärztlich geprüft am 13.10.2026 durch Dr. med. Amir Golsari

Autor und vorgesehener fachärztlicher Prüfer: Dr. med. Amir Golsari · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung.