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Autismus-Spektrumim Erwachsenenalter
Autismus ist eine Besonderheit der Wahrnehmung und des sozialen Miteinanders, die seit der Kindheit besteht und oft erst spät erkannt wird. Die Privatpraxis Nevpaz nimmt sich Zeit für Gespräch, Einordnung und die Planung der nächsten Schritte.
- Nach aktueller Leitlinie, mit Quellen belegt
- Hamburg und bundesweit per Video
- Privatpatienten und Selbstzahler
Was Autismus im Erwachsenenalter bedeutet
ICD-10: F84.0 Frühkindlicher Autismus, F84.1 Atypischer Autismus, F84.5 Asperger-Syndrom
- Weltweit liegt die Häufigkeit von Autismus in Studien im Median bei etwa 100 von 10.000 Menschen, also bei rund 1 Prozent5.
- Die Diagnose wird klinisch gestellt, aus Gespräch, Entwicklungsgeschichte und Beobachtung. Ein technisches oder biologisches Nachweisverfahren gibt es nicht3.
- Es gibt kein Medikament, das die Kernmerkmale von Autismus verändert. Ziel der Begleitung sind Lebensqualität und Teilhabe2.
- Begleitdiagnosen sind häufig: In einer Metaanalyse lag der Anteil mit ADHS bei 28 Prozent, mit Angststörungen bei 20 Prozent4.
Autismus-Spektrum-Störung ist der medizinische Begriff für eine Entwicklungsbesonderheit, die von früher Kindheit an besteht und ein Leben lang bleibt1. Kennzeichnend sind zwei Bereiche: Der soziale Austausch und die Kommunikation verlaufen anders, und Verhalten und Interessen sind enger gefasst und wiederholen sich1. Das Wort Spektrum steht dafür, wie unterschiedlich diese Merkmale ausgeprägt sein können. Autismus wird nicht geheilt. Ziel jeder Unterstützung ist mehr Lebensqualität und Teilhabe2.
Weltweit liegt die Häufigkeit in Studien im Median bei etwa 100 von 10.000 Menschen5. Für Deutschland nennt das IQWiG rund 1 % der Bevölkerung6. Bei Männern wird Autismus häufiger festgestellt als bei Frauen. Die Leitlinie geht von einem Verhältnis von etwa 2 bis 3 zu 1 aus und weist darauf hin, dass Frauen häufiger unerkannt bleiben und ihre Diagnose später erhalten1.
Im Laufe der Jahre eignen sich viele Erwachsene Strategien an, mit denen sie autistische Merkmale überdecken, um nicht aufzufallen. Das erschwert die Diagnose6. Eine erste Diagnose im Erwachsenenalter folgt häufig auf eine Überlastung im privaten oder beruflichen Umfeld3. Eine sorgfältige Abklärung kann helfen, die eigene Lebensgeschichte einzuordnen, Begleiterkrankungen zu erkennen und passende Unterstützung zu planen.
Woran sich Autismus zeigen kann
Die folgenden Merkmale können auf Autismus hinweisen, kommen aber auch bei anderen Ursachen vor. Die Übersicht ist kein Selbsttest und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
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Soziale Situationen einschätzen
Körpersprache und unausgesprochene Erwartungen werden weniger intuitiv erfasst. Small Talk und Gespräche, in denen es vor allem um die Beziehung geht, können deshalb anstrengend sein3.
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Sprache wörtlich verstehen
Sprache wird oft sehr konkret aufgefasst. Im Gespräch steht die sachliche Information im Vordergrund, die emotionale Ebene wird weniger leicht erfasst3.
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Intensive Interessen und Routinen
Ausgeprägte Spezialinteressen und sich wiederholende Verhaltensweisen gehören zu den Kernmerkmalen1. Feste Abläufe geben vielen Betroffenen Sicherheit im Alltag.
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Empfindliche Sinneswahrnehmung
Geräusche, Berührungen oder Gerüche können deutlich stärker oder schwächer wahrgenommen werden. Eine tickende Uhr oder eine leichte Berührung kann als sehr unangenehm erlebt werden3.
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Maskieren und Anpassen
Manche Menschen halten Blickkontakt bewusst aufrecht, unterdrücken Bewegungen oder nutzen eingeübte Formulierungen. In Studien ging stärkeres Maskieren mit mehr Stress, Angst und Depression einher3.
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Erschöpfung und Rückzug
Soziale Anforderungen und ständiges Anpassen können viel Kraft kosten. Sich wiederholende Bewegungen dienen häufig dazu, starke Gefühle zu regulieren und sich zu beruhigen3.
Wann Sie sofort Hilfe holen sollten
Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, bei konkreten Plänen oder wenn Sie sich oder andere akut gefährdet sehen, wählen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Notaufnahme. Auch eine schwere Krise, in der der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist, sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Wie die Abklärung abläuft
Die Diagnose stützt sich auf das klinische Gesamtbild und auf die Entwicklung seit der Kindheit3. Im Erstgespräch wird besprochen, welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sind.
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Ausführliches Erstgespräch
Am Anfang steht ein Gespräch über Ihre Fragen, Ihre Stärken und die Situationen, die Ihnen schwerfallen. Die Privatpraxis Nevpaz nimmt sich dafür bewusst viel Zeit, persönlich in Hamburg oder per Videosprechstunde.
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Entwicklungsgeschichte und Fremdanamnese
Weil die Merkmale seit früher Kindheit bestehen, wird die Entwicklung genau erfragt1. Hilfreich sind Angaben einer Person, die Sie als Kind erlebt hat, etwa ein Elternteil oder ältere Geschwister, sowie Schulzeugnisse3.
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Standardisierte Verfahren
Strukturierte Interviews und Beobachtungsverfahren können die Einschätzung ergänzen. Ihre Aussagekraft ist für Erwachsene bisher nur begrenzt untersucht, deshalb ersetzen sie die klinische Beurteilung nicht3.
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Abgrenzung und Begleitdiagnosen
Zur Abklärung gehört, andere Erklärungen für die Beschwerden zu prüfen und nach Begleiterkrankungen wie Depression, Angststörung oder ADHS zu fragen3. Daraus ergibt sich die Planung der nächsten Schritte.
Unterstützung und Begleitung
Es geht nicht darum, Autismus zu beseitigen. Die Leitlinie nennt als übergeordnetes Ziel, die Lebensqualität und die Möglichkeiten zur Teilhabe zu verbessern2.
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Wissen und Therapieziele
Wissen über Autismus und über die eigenen Stärken und Grenzen, die sogenannte Psychoedukation, ist ein Baustein der Begleitung. Die Leitlinie empfiehlt, Betroffene an konkreten und realistischen Therapiezielen zu beteiligen, die zum persönlichen Bedarf passen2.
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Psychotherapeutische Unterstützung
Erwachsenen ohne Intelligenzminderung soll laut Leitlinie eine auf 3 bis 6 Monate befristete Therapie in der Gruppe angeboten werden, die den sozialen Austausch stärkt2. Themen sind zum Beispiel Gesprächsführung, Kontaktaufbau und der Umgang mit Stress, Gefühlen und Konflikten3.
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Begleiterkrankungen behandeln
Psychische und körperliche Begleiterkrankungen sollen nach der Diagnose zeitnah behandelt werden2. Ein Medikament für die Kernmerkmale von Autismus gibt es nicht. Bei begleitender ADHS, Angststörung oder depressiver Episode kann eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein2.
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Alltag und Beruf
Berufliche Entwicklung und Beziehungen sind im Erwachsenenalter häufig erschwert3. Unterstützen können ein Arbeitsumfeld, das an die Person angepasst ist, und Bewerbungstraining3 sowie der Austausch in Selbsthilfegruppen6. Welche Hilfen passen, wird gemeinsam besprochen.
Die Unterstützung wird individuell geplant, diese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung.
Begleitdiagnosen in Zahlen
Viele Menschen mit Autismus haben eine weitere psychische Diagnose. Das Diagramm zeigt fünf der acht Diagnosegruppen einer Metaanalyse. In klinischen Stichproben lagen die Werte höher als in Bevölkerungs- und Registerstudien4.
Häufige Begleitdiagnosen bei Autismus
Zusammengefasste Häufigkeit gesicherter Begleitdiagnosen bei Menschen mit Autismus, Metaanalyse von 96 Studien, in Prozent
ADHS und Angststörungen sind die häufigsten Begleitdiagnosen: In der Metaanalyse betreffen sie 28 und 20 Prozent der Menschen mit Autismus.
Quelle: Lai MC, Kassee C, Besney R et al. Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2019; 6(10): 819-8294
Ihr Termin bei Nevpaz
Vor Ort am Dammtorwall 7a in Hamburg oder bundesweit per Videosprechstunde. Nur für Privatpatienten und Selbstzahler.
Häufige Fragen
Kann Autismus erst im Erwachsenenalter festgestellt werden?
Ja. Die Merkmale bestehen von früher Kindheit an und bleiben lebenslang1. Viele Erwachsene haben aber gelernt, sie zu überdecken, sodass die Diagnose schwieriger ist als bei Kindern6. Häufig führt erst eine Phase der Überlastung im privaten oder beruflichen Umfeld zur Abklärung3. Deshalb ist der Blick auf die Kindheit wichtig, auch wenn die Fragen erst heute entstehen.
Gibt es einen Test, der Autismus sicher nachweist?
Nein. Es gibt bisher kein technisches oder biologisches Verfahren, das die Diagnose bestätigt3. Fragebögen aus dem Internet können eine Diagnose weder stellen noch ausschließen. Entscheidend ist die klinische Beurteilung, gestützt auf Gespräch, Entwicklungsgeschichte, Angaben von Bezugspersonen und Beobachtung3. Das Ergebnis einer Abklärung ist offen.
Muss ein Elternteil an der Abklärung beteiligt sein?
Nicht zwingend, es ist aber hilfreich. Empfohlen wird, jemanden zu befragen, der Sie als Kind gut kannte, etwa ein Elternteil oder ältere Geschwister3. Ist das nicht möglich, können Kommentare in Schulzeugnissen oder frühere psychiatrische Berichte wichtige Hinweise geben3. Solche Unterlagen können Sie zum Erstgespräch mitbringen.
Gibt es Medikamente gegen Autismus?
Nein. Laut Leitlinie gibt es derzeit kein Medikament, das soziale Interaktion und Kommunikation verbessert. Für dieses Ziel sollen Medikamente deshalb nicht eingesetzt werden2. Anders ist es bei Begleiterkrankungen: Kommt eine ADHS, eine Angststörung oder eine depressive Episode hinzu, kann eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein2. Ob das für Sie infrage kommt, wird im persönlichen Gespräch geklärt.
Können Autismus und ADHS gemeinsam vorkommen?
Ja. In einer Metaanalyse hatten 28 Prozent der Menschen mit Autismus zusätzlich eine ADHS-Diagnose4. Deshalb gehört die Frage nach ADHS und anderen Begleiterkrankungen zur Abklärung3. Informationen zu ADHS im Erwachsenenalter finden Sie bei unserer Schwesterpraxis, der ADHS-Spezialambulanz (adhs-spezialambulanz.de).
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 028-018, Stand 23.02.2016 (Gültigkeit abgelaufen, Leitlinie in Überarbeitung). Zur Quelle
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 028-047, Kurzversion, Stand Mai 2021. Zur Quelle
- Roy M, Strate P. Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter. Deutsches Ärzteblatt International 2023; 120: 87-93. DOI 10.3238/arztebl.m2022.0379. Zur Quelle
- Lai MC, Kassee C, Besney R, Bonato S, Hull L, Mandy W, Szatmari P, Ameis SH. Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2019; 6(10): 819-829. DOI 10.1016/S2215-0366(19)30289-5. Zur Quelle
- Zeidan J, Fombonne E, Scorah J, Ibrahim A, Durkin MS, Saxena S, Yusuf A, Shih A, Elsabbagh M. Global prevalence of autism: A systematic review update. Autism Research 2022; 15(5): 778-790. DOI 10.1002/aur.2696. Zur Quelle
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Autismus. gesundheitsinformation.de, erstellt am 19.06.2024. Zur Quelle
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Ärztlich geprüft von Dr. med. Amir Golsari, Ärztliche Leitung. Stand: .