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Schlaganfall-Nachsorgeund Vorbeugung
Nach einem Schlaganfall oder einer TIA geht es darum, einem weiteren Ereignis vorzubeugen und Folgen wie Erschöpfung oder Depression ernst zu nehmen. Wir ordnen Ihre Befunde ein und planen mit Ihnen die Nachsorge, in Hamburg oder per Videosprechstunde.
- Nach aktueller Leitlinie, mit Quellen belegt
- Hamburg und bundesweit per Video
- Privatpatienten und Selbstzahler
Warum Nachsorge nach einem Schlaganfall wichtig ist
ICD-10: I63 Hirninfarkt, G45 Zerebrale transitorische Ischämie und verwandte Syndrome, I69 Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit
- Fünf Jahre nach einem ersten Schlaganfall hatten in einer deutschen Kassendatenanalyse 19,4 % der Betroffenen einen weiteren Schlaganfall erlitten.4
- Als Zielwerte nennt die Leitlinie einen Blutdruck dauerhaft unterhalb von 140/90 mmHg und ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl.1
- Bei Vorhofflimmern empfiehlt die Leitlinie eine orale Antikoagulation, sonst in der Regel einen Thrombozytenfunktionshemmer.1
- Plötzliche Lähmung, Sprach- oder Sehstörung ist immer ein Notfall: sofort 112 wählen, auch wenn die Beschwerden rasch vergehen.3
Ein Schlaganfall ist ein plötzlicher Ausfall von Gehirnfunktionen, verursacht durch einen Gefäßverschluss (Hirninfarkt) oder eine Hirnblutung. Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) bilden sich die Beschwerden wieder zurück. Sie gilt dennoch als Notfall und als Warnsignal.3 Im Jahr 2022 hatten hierzulande 1,4 % aller Menschen in den zehn Jahren zuvor einen Schlaganfall erlitten und lebten mit dessen Folgen.5
Ein Schlaganfall wird heute meist überlebt. Rund 40 % der Überlebenden bleiben aber auf Dauer deutlich eingeschränkt.6 Hinzu kommt das Risiko eines weiteren Ereignisses: In einer Auswertung von Daten der AOK Niedersachsen hatten im ersten Jahr 7,4 % der Betroffenen einen erneuten Schlaganfall, innerhalb von fünf Jahren 19,4 %.4 Die Zeit nach Klinik und Rehabilitation ist deshalb kein Abschluss, sondern der Beginn einer langfristigen Vorbeugung.
Fachleute sehen in Deutschland Potenzial für eine besser strukturierte Schlaganfallnachsorge.7 Sie sollte über die Einstellung von Blutdruck und Blutfetten hinausgehen.2 Wir nehmen uns Zeit, Ihre Befunde zu ordnen und die nächsten Schritte mit Ihnen abzustimmen. Das gilt auch, wenn Sie noch keinen Schlaganfall hatten, aber ein erhöhtes Risiko kennen. Die Empfehlungen zur Vorbeugung auf dieser Seite beziehen sich auf Hirninfarkt und TIA. Nach einer Hirnblutung wird gesondert entschieden.
Mögliche Folgen und stille Risiken
Ein Schlaganfall hinterlässt nicht nur sichtbare Spuren. Manche Folgen zeigen sich erst im Alltag, und wichtige Risikofaktoren verursachen lange keine Beschwerden.
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Lähmung und Muskelverkrampfung
Lähmungen auf einer Körperseite und Verkrampfungen der Muskulatur gehören zu den möglichen Folgen.6 Sie können Gehen, Greifen und die Selbstständigkeit im Alltag einschränken.
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Sprechen und Schlucken
Sprachstörungen und Schluckstörungen können nach einem Schlaganfall bestehen bleiben.6 Die Leitlinie sieht dafür gezielte Sprachtherapie und eine Abklärung des Schluckens vor.3
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Aufmerksamkeit und Konzentration
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen können erst bei der Rückkehr in Beruf und Alltag auffallen.6 Eine neuropsychologische Diagnostik hilft, sie einzuordnen.3
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Depression und Angst
Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel oder Ängste können Folge eines Schlaganfalls sein. Die Leitlinie empfiehlt, im Verlauf wiederholt danach zu fragen und Angehörige einzubeziehen.3
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Anhaltende Erschöpfung
Fatigue bezeichnet eine anhaltende körperliche und geistige Erschöpfung. Die Leitlinie führt sie als eigene Folge nach einem Schlaganfall auf.3 Sie sollte von einer Depression unterschieden werden.
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Risikofaktoren ohne Beschwerden
Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes oder Vorhofflimmern können lange unbemerkt bleiben. Deshalb werden sie in der Nachsorge und bei erhöhtem Risiko gezielt und wiederholt kontrolliert.
Wann Sie sofort den Notruf wählen
Hängt plötzlich ein Mundwinkel, wird ein Arm oder Bein schwach oder taub, ist die Sprache gestört oder das Sehen eingeschränkt, ist das ein Notfall. Wählen Sie sofort den Notruf 112, auch wenn die Beschwerden nach Minuten vergehen.3 Warten Sie nicht auf einen Praxistermin. Die Videosprechstunde ist dafür nicht geeignet.
So planen wir die Nachsorge
Nachsorge ist keine Akutbehandlung. Sie beginnt nach der Klinik oder der Rehabilitation und folgt einem klaren Ablauf.
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Erstgespräch und Unterlagen
Wir nehmen uns Zeit für Ihre Vorgeschichte, den Verlauf seit dem Ereignis und Ihre Fragen. Entlassbrief, Befunde und Medikamentenplan gehen wir gemeinsam durch, in Hamburg oder per Videosprechstunde.
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Ursache und Risikoprofil
In der Abklärung üblich sind Bildgebung des Gehirns, Untersuchung der hirnversorgenden Gefäße, Herzdiagnostik mit Suche nach Vorhofflimmern und Blutwerte. Wir prüfen, was vorliegt, und besprechen, was noch ergänzt werden sollte.
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Folgen erfassen
Wir fragen gezielt nach Stimmung, Schlaf, Erschöpfung, Konzentration und Belastbarkeit im Alltag. Bei Hinweisen auf kognitive Störungen kommt eine neuropsychologische Diagnostik infrage.3
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Plan und Verlaufskontrollen
Sie erhalten eine Einordnung und einen Plan mit Zielwerten, Medikamenten, Therapien und Kontrollterminen. Die Umsetzung stimmen wir mit Ihrer hausärztlichen und fachärztlichen Betreuung ab und begleiten den Verlauf.
Einem weiteren Schlaganfall vorbeugen
Die Vorbeugung eines weiteren Hirninfarkts ruht auf mehreren Bausteinen, die sich ergänzen. Welche davon für Sie gelten, hängt von der Ursache des Schlaganfalls ab.
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Blutdruck und Blutfette
Nach einem Hirninfarkt oder einer TIA gilt für den Blutdruck ein Zielwert von dauerhaft weniger als 140/90 mmHg. Je nach Alter, Vorerkrankungen und Verträglichkeit kann ein niedrigerer Zielbereich sinnvoll sein. Empfohlen wird außerdem ein Statin, mit einem LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl als Ziel.1
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Gerinnungshemmung nach Ursache
Ohne Vorhofflimmern empfiehlt die Leitlinie einen Thrombozytenfunktionshemmer. Eine Kombination ist nur kurzzeitig und für ausgewählte Fälle vorgesehen. Bei Vorhofflimmern soll stattdessen eine orale Antikoagulation erfolgen.1
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Lebensstil und Begleiterkrankungen
Empfohlen werden regelmäßige Bewegung, viel Obst und Gemüse oder mediterrane Kost, wenig Salz, der Verzicht auf das Rauchen und ein geringerer Alkoholkonsum. Bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, und nach einer Schlafapnoe sollte gezielt gesucht werden.2
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Rehabilitation und seelische Folgen
Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie richten sich nach erreichbaren Zielen für Alltag und Teilhabe. Bei depressiven Störungen sieht die Leitlinie wiederholte Einschätzungen, die Aufklärung der Angehörigen und bei Bedarf eine Kombination aus medikamentösen und nichtmedikamentösen Verfahren vor.3
Die Behandlung wird individuell geplant und ärztlich begleitet, diese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung.
Das Rückfallrisiko in Zahlen
Wie hoch das Risiko eines weiteren Schlaganfalls ist, zeigt eine Auswertung von Krankenhausdaten der AOK Niedersachsen. Ausgewertet wurden Rezidive nach einem ersten Schlaganfall.4
Risiko eines erneuten Schlaganfalls nach dem ersten Ereignis
Kumulatives Rezidivrisiko nach erstem Schlaganfall, Versicherte der AOK Niedersachsen, 30 Tage bis 5 Jahre, in Prozent
Das Risiko summiert sich über die Jahre: Fünf Jahre nach dem ersten Schlaganfall hatten 19,4 % der Betroffenen einen weiteren erlitten.
Quelle: Stahmeyer JT, Stubenrauch S, Geyer S, Weissenborn K, Eberhard S. Häufigkeit und Zeitpunkt von Rezidiven nach inzidentem Schlaganfall. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 711-7. Abrechnungsdaten der AOK Niedersachsen.4
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Häufige Fragen
Wie hoch ist das Risiko für einen weiteren Schlaganfall?
In einer Auswertung von Daten der AOK Niedersachsen stieg das Risiko eines erneuten Schlaganfalls mit der Zeit: 1,2 % in den ersten 30 Tagen, 3,4 % in den ersten 90 Tagen, 7,4 % im ersten Jahr und 19,4 % innerhalb von fünf Jahren.4 Das sind Durchschnittswerte. Ihr persönliches Risiko hängt von der Ursache des Schlaganfalls und von Ihren Risikofaktoren ab. Hier setzt die Nachsorge an: Ursache klären, Zielwerte festlegen, Verlauf kontrollieren.
Ich hatte nur eine TIA. Brauche ich trotzdem eine Nachsorge?
Ja. Auch wenn sich die Beschwerden zurückgebildet haben, gilt eine TIA als medizinischer Notfall, der rasch abgeklärt werden sollte.3 Die Leitlinie zur Vorbeugung behandelt Hirninfarkt und TIA gemeinsam: Blutdruck, Blutfette und die passende Gerinnungshemmung werden nach denselben Grundsätzen eingestellt.1 In der Nachsorge prüfen wir mit Ihnen, ob die Ursache geklärt ist und ob die Vorbeugung vollständig ist.
Muss ich die Medikamente dauerhaft einnehmen?
In der Regel ja. Die Leitlinie spricht von einer langfristigen Blutdrucksenkung, und auch Statin und Gerinnungshemmung sind als längerfristige Behandlung gedacht. Eine Kombination mehrerer Thrombozytenfunktionshemmer ist dagegen meist nur für kurze Zeit vorgesehen.1 Setzen Sie Medikamente bitte nicht eigenständig ab. Bei Nebenwirkungen oder Unsicherheit besprechen wir Alternativen und stimmen Änderungen mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten ab.
Seit dem Schlaganfall bin ich erschöpft und niedergeschlagen. Was tun?
Erschöpfung, gedrückte Stimmung, Ängste oder Konzentrationsprobleme können Folgen eines Schlaganfalls sein und sind kein Zeichen von Schwäche. Die Leitlinie empfiehlt, depressive Störungen im Verlauf wiederholt zu erfassen, Angehörige aufzuklären und bei Bedarf medikamentöse und nichtmedikamentöse Verfahren zu kombinieren.3 Als Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie betrachten wir körperliche und seelische Folgen gemeinsam.
Kann die Nachsorge per Videosprechstunde stattfinden?
Vieles ja: Das ausführliche Gespräch, die Durchsicht von Entlassbrief und Befunden, die Einordnung Ihrer Werte und die Planung der nächsten Schritte sind bundesweit per Video möglich. Eine körperliche neurologische Untersuchung erfolgt in der Sprechstunde in Hamburg oder bei Ihren Ärztinnen und Ärzten vor Ort. Für akute Beschwerden ist die Videosprechstunde nicht geeignet. Bei plötzlichen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen wählen Sie sofort den Notruf 112.
Quellen
- Hamann GF, Sander D, Röther J, Grau A et al. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke, Teil 1. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030/133, Stand 20.05.2022, gültig bis 19.05.2027. Zur Quelle
- Hillienhof A. Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfälle: Neue Leitlinie empfiehlt umfassende Interventionen. Bericht zur S2k-Leitlinie der DGN und DSG, Teil 1 (AWMF 030/133) und Teil 2 (AWMF 030/143). Deutsches Ärzteblatt 2022, Heft 37, Supplement Kardiologie 2/2022. Zur Quelle
- Mader FM, Schwenke R. Schlaganfall. S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), DEGAM-Leitlinie Nr. 8, AWMF-Registernummer 053-011, Kurzversion, Stand 2020. Zur Quelle
- Stahmeyer JT, Stubenrauch S, Geyer S, Weissenborn K, Eberhard S. Häufigkeit und Zeitpunkt von Rezidiven nach inzidentem Schlaganfall. Eine Analyse von Routinedaten der AOK Niedersachsen. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 711-7. DOI 10.3238/arztebl.2019.0711. Zur Quelle
- Anton A, Rommel A, Steppuhn H et al. Schlaganfall: Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten. Robert Koch-Institut, J Health Monit 2025; 10(3): e13429. DOI 10.25646/13412. Zur Quelle
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Schlaganfall. gesundheitsinformation.de, Stand laut Seite 05.08.2026. Zur Quelle
- Schwarzbach CJ, Eichner FA, Pankert A et al. Schlaganfallnachsorge. Nervenarzt 2020; 91: 477-483. DOI 10.1007/s00115-020-00909-w. Zur Quelle
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Ärztlich geprüft von Dr. med. Amir Golsari, Ärztliche Leitung. Stand: .